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Die Welt · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1272 ^lE^ELT i\o 48 Meiner Ansicht nach werden wir einen Festkongreß erst in Palästina abhalten. Herr Dr. Pinkus hat die Gründe, die dagegen sprechen, in treffender Weise gekennzeichnet. Auf den festlichen Charakter des Kongresses genügt es in der Eröffnungsrede des Präsidenten hinzuweisen. Dagegen bin ich vollkommen einverstanden mit der Ansicht Dr. Hantkes, daß die Vorfragen in bezug auf den Kongreß zunächst geklärt werden müssen. N. Sokolow wendet sich gleichfalls gegen die Idee eines Jubiläumskongresses Einiges von dein, was Herr Dr. Hantke vorgeschlagen hat, erscheint auch mir erwägenswert, so z. B. einn Palästina ausstellung. Dies gehört jedoch nicht zum Kongreß als solchem, sondern zu dessen Peripherie. Herr Dr. Hantke hat hier einiges ausgeführt, was mir unklar erscheint, und ich möchte die Dinge auseinanderhalten, nämlich die Frage des Kongresses und die der künftigen Leitung. Ich sehe einen Zusammenhang zwischen diesen Dingen nicht ein. Es ist ja wahrscheinlich, daß wir die Fragen, die Herr Dr. Hantke meint, vor dem Kongreß geklärt haben; aber wenn dies nicht der Fall sein wird, betrachten wir es nicht als ein Unglück Was nun den Ort des Kongresses betrifft, so wurden bereits auch von Dr. Hantke schwere Bedenken gegen Wien als Kongreßort angeführt, folglich scheidet meiner Meinung nach Wien aus. Damit kommen wir nun zu Basel, und für einen Kongreß in Basel bedarf es keiner neuen Motive. Wir können nichts Besseres tun, als in Basel einen würdigen yVrbeitskongreß abhalten. Rechtsanwalt Gron einann wendet sich gleichfalls gegen die Vorschläge Dr. Hantkes. Er ist gegen jede Art von Jubilieren, denn damit würden wir auf das Niveau einer Wohltätigkeitsgesellschaft sinken. Es gibt keine bessere Demonstration als reale Arbeit. Die Voraussetzung für einen gelungenen Kongreß kann aber nur eine vorherige Verständigung sein. Dr. Tschlenow: Für mich ist eine der wichtigsten Fragen, die mit dem Kongreß zusammenhängen, die, welchen Inhalt der Kongreß haben wird. Was werden wir dem Kongreß bringen, und was wird er uns bieten? Ich kann gegenwärtig auf diese hochernste Frage keine Antwort geben, aber es scheint mit von der größten Wichtigkeit, daß wir uns zuerst mit ihr befassen. Zwischen dem Briefe des Herrn Dr. Mannorek und der Stimmung, die in der Rede Dr. Hantkes enthalten ist, liegt ein großer Unterschied. Ich bin weder zu optimistisch, noch zu pessimistisch, aber wir sollen uns doch gegenseitig die Wahrheit sagen. Ein Kongreß kann nur dann produktiv sein, wenn er neue Impulse in die Organisation biingt oder etwas Konkretes schafft. Ich gestehe es, daß die schweren Zeiten, die wir jetzt durchmachen, mich nicht an der Zukunft verzweifeln lassen; aber wir müssen den ernsten Fragen, die damit zusammenhängen, unsere Aufmerksamkeit zuwenden und ehrliche Klarheit zu schaffen suchen. Ich bin nicht in der Lage, jetzt positive Vorsehläge zu machen, vielleicht sollen wir in unser Programm in intensiverer Weise die national-kulturelle Tätigkeit einschließen. Es regt sich jetzt etwas in vielen Schichten des Judentums, daß dieser Tendenz entgegenkommt. Vielleicht bringen wir damit einen neuen Impuls zum Kongreß. Jedenfalls glaube ich, das dieser Kongreß ein sehr ernster sein wird, und da denke ich mir, daß es vielleicht am passendsten ist, dahin zu gehen, wo wir unsere erste Kraft und Energie »erhalten haben. Gerade jetzt ist es Zeit, daß wir nach Basel zurückblicken. Einiges von dem, was Herr Dr. Hantke vorgeschlagen hat, hat mir sehr gefallen, so z. B. die Palästinaausstellung und die geplante Darstellung der Verbreitung der zionistischen Presse. Ich halte das für einen sehr glücklichen Gedanken, der uns bei dem Kongreß von großem Nutzen sein könnte. Dagegen möchte ich davor warnen, aus dem X. Kongreß einen Jubiläumskongreß zu machen. Da Herr Dr. Hantke auch die Frage der künftigen Leitung berührt hat, so möchte ich die Hoffnung aussprechen, daß in dieser Beziehung eine vollständige friedliche Lösung gefunden wird. Wenn dies vor dem Kongreß geschieht, so wird es sehr gut sein für den Verlauf desselben, .aber auch ich betrachte diese Frage nicht als eine Voraussetzung für den Kongreß selbst. Dr. Hantke: Herr,Dr. Tschlenow hat vollkommen recht, wenn er sagt, daß wir dem Kongreß einen neuen Inhalt bieten können. Das, was Dr. Tschlenow in bezug auf den nationalkulturellen Charakter gesagt hat, ist uns nichts Neues. Wir haben uns auf dem deutschen Delegiertentag mit dieser Frage beschäftigt und auch eine dementsprechende Resolution angenommen. Aber daraus folgt doch noch nicht, daß wir einen Kongreß im stillen abhalten müssen. Wenn wir ein großes Projekt hätten, dann müßten wir uns hinsetzen und müßten darüber debattieren ohne Berücksichtigung aller demonstrativen Momente. Nun haben wir aber kein solches Projekt. Wir haben nur die Frage der neuen Leitung, und die müssen wir vor dem Kongreß gelöst haben. Es ist notwendig für uns alle, daß wir uns bemühen, eine Formel für die Klärung zu finden, anderseits soll man den Kongreß nicht herabsetzen, indem man ihm wichtige Aufgaben entzieht. Wir können die Klärung nur herbeiführen, wenn wir die Sache so vorbereiten, daß die Delegierten zum Kongreß auf ein bestimmtes, allgemein anerkanntes Programm gewählt werden. Die neue Leitung wird eines ganz besondern Maßes von Vertrauen bedürfen, denn nur wenn ein gegenseitiges volles Vertrauen besteht, kann die neue Leitung arbeiten. Gelingt es nicht, dieses Vertrauen vorher zu schaffen, danu allerdings müssen wir einen stillen Kongreß veranstalten. Nun hat man mir den Festkongreß vorgeworfen. Was ich darunter verstehe, ist nichts als eine Ausnutzung der demonstrativen Aufgabe des Kongresses, die noch jeder Kongreß gehabt hat. Nur soll es in wirksamer Weise zusammengefaßt werden. Wir hatten eine ganze Menge schöner Dinge auf jedem Kongreß, die auf die verschiedenen Tage verteilt wurden. Diese sollen nun in entsprechender Weise konzentriert werden." Das Ganze soll eine nach außen wirkende Demonstration sein, die den Zionismus der Welt so zeigt, wie ei* gezeigt werden muß. Wenn wir an uns selbst verzweifeln, dann ist es natürlich aus mit uns. Est ist nicht richtig, daß wir gerade jetzt keine Ursache haben, zu demonstrieren. Im Gegenreil, die Bewegung schreitet vorwärts. Ich sehe auch nicht eiu, daß wir auf dem Kongreß so überaus große Arbeit zu leisten haben, wenn wir, wie ich ausgeführt habe, die Fragen vorher klären. Ich habe mit dieser Forderung übrigens kein Ultimatum gesteilt, wie vorhin behauptet worden ist; ich habe nur gesagt, wenn wir erst auf dem Kongreß Ordnung machen, so müssen wir von der Idee eines groß angelegten Kongresses absehen. Boris Goldberg: Mir scheint die Zeit für Demonstrationen nicht geeignet. In Basel hat der Kongreß in der Öffentlichkeit sehr viel Beachtung gefunden. Außerdem ist Basel ein neutraler Boden und dürfte sich schon deswegen für den nächsten Kongreß außerordentlich gut eignen. Was die ..neuen Impulse*1 anbetrifft, so herrseht, wie mir scheint, eii.e Art Sensationshunger. Auch meine Freunde und ich sind dafür, daß wir uns noch vor dem Kongreß in allen Punkten einigen, und wir haben in dieser Beziehung auf der Jahreskonfereuz unser möglichstes getan. In bezug auf die künftige Leitung stellen wir uns die Sache so vor, daß drei Herren aus Deutschland, drei aus den osteuropäischen Ländern und einer aus Osterreich die Leitung bilden. Wir alle sind von dem Wunsche beseelt, daß man in Basel nicht dasselbe Schauspiel erlebt, das wir in Hamburg erlebt haben. Die Frage, die Herr Dr. Tschlenow berührt hat, daß neue Parolen vom Kongreß ausgehen müssen, ist ein sehr heikler Punkt; man kann nicht immer neue Impulse erwecken. Eine systematische Arbeit in Palästina ist das Wesentliche, was wir zeigen können. Dr. Friedeniann: Die Eede des Herrn Goldberg war mir in vielen Punkten sehr sympathisch; sie enthielt eine positive Tatsache und bietet uns wenigstens einen Anhaltspunkt. Ich möchte nur auf eines hinweisen: alles, was geschehen soll, muß bald geschehen. Will man eine Neuordnung durchführen, dann muß man die maßgebenden Faktoren davon verständigen. Alles, was Sie (zu den russischen Herren gewendet) tun mögen, werden wir ernst und gewissenhaft prüfen, was wir umgekehrt natürlich auch von II inen erwarten, aber ziehen Sie die Sache nicht allzu lange hinaus. Nichts wird dadurch erreicht, wenn auf den Kongressen neue Schlagworte geschaffen werden. Wenn wir in Deutschland mit relativ befriedigendem Erfolge arbeiten, so liegt das daran, daß wir uns vorgenommen haben, mit aller Kraft planmäßige Arbeit zu leisten, Gelder zu sammeln und neue Anhänger zu gewinnen. Tun Sie das gleiche, und Sie werden die Sensationen nieht nötig haben. Es ist nicht nötig, jedem Kongreß einen besondern Stempel aufzudrücken. Der nächste Kongreß muß so gestaltet sein, daß er dem Publikum zeigt, was wir geleistet haben und was wir leisten wollen. Legen Sie darauf kein Gewicht, dann können Sie auch den Ort darnach wählen, dann gehen wir nach Basel, Kopenhagen oder Amsterdam. Ich würde Wiesbaden oder Wien vorziehen. Ich fürchte mich nicht vor den Wiener Verhältnissen, ich bin gegen jeden kleinen Ort. Dr. Fränkel: Herr Dr. Tschlenow hat gefragt, was können wir dem Kongreß bieten? Ich meine, man könnte dem Kongreß mehr bieten, wenn man seltener zu denselben zusammenträte. Wenn wir die „Chuzpe" hatten, Sie nach Kopenhagen einzuladen, so wird es vielleicht nötig sein, dieselbe mit einigen Worten, zu entschuldigen, indem wir auf folgendes hinweisen: Erstens jerden sie dort keine nationalen Streitigkeiten finden,

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