Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 48 (2.12.1910)
- Date
- 1910-12-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 48 DIESaKELT 1271 Sitzung des Actions-Comites Im nachfolgendea geben wir einen ausführlichem Bericht aus den Verhandlungen der beiden letzten Tage der Sitzung des A.C.: An den Beratungen des Actions-Comites «ahm auch Herr Dr. H. G. Hey mann als Gast in seiner Eigenschaft als Revisor teil. Mittwoch, 23. November 1010, Nachmittagssitzung Auf Vorschlag des Herrn Boris Groldberg wird statt des nach der Tagesordnung zur Verhandlung gelangenden Punktes „Finanzfragen" der Punkt „Kongreßort und Zeit" zur Beratung gestellt. Sekretär Dr. Hosenblüth berichtet über die Ergebnisse der Anfragen des Zentralbureaus in den verschiedenen größern Städten, die für die Abhaltung des Kongresses in Aussicht genommen waren. Im besondern hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland erklärt, daß, nachdem der letzte Kongreß in Deutschland stattgefunden habe und eine Verlegung der Leitung nach Berlin in Aussicht genommen sei, es nicht wünschenswert erscheint, den Kongreß wieder in Deuts* bland abzuhalten. "Wenn man sich jedoch für Deutschland entscheidet, so möge man nicht Berlin, sondern München oder Wiesbaden wählen. Die Belgische Zionisten-Federation teilt mit, daß, falls man sich für Belgien entscheide, nur Antwerpen in Betracht käme. Der einzige Ort, in dem man sich mit warmer Zustimmung zur Abhaltung des Kongresses ausgesprochen hat, ist Wien. Inzwischen hat aber, wie der Präsident gestern bekannt gab, Herr Kremenetzki dringend abgeraten, den Kongreß in Wien abzuhalten. Herr Dr. Louis Frankel, der hier anwesend ist, schlägt vor, den Kongreß in Kopenhagen, abzuhalten und hat die Mitwirkung der dortigen Zionistischen Vereinigung für die nötigen Vorarbeiten in Aussicht gestellt. Dr. Hantke: Uns liegt nicht nur daran, in welchem Ort der nächste Kongreß stattfinden soll, sondern auch, wie man diesen Kongreß veranstalten wird. Ich muß hier auf den Brief des Herrn Dr. Alexander Marmorek zurückkommen, der gesagt hat, daß wir beim nächsten Kongreß sehr bescheiden auftreten müssen. Wir sind ganz anderer Ansicht. Im Geg-enteil, wir sind dafür, daß man das größte Demonstrationsmittel, das uns zur Verfügung steht, ausnutzen müsse. Wir sind allerdings dabei von einer bestimmten Voraussetzung ausgegangen, und ich habe bereits gestern nachmittag über die Dinge gesprochen, die uns gegenwärtig am meisten beschäftigen, nämlich über die künftige Leitung der Bewegung. Ich muß nochmals wiederholen, daß wir nur dann hier in Berlin die Leitung* übernehmen können, wenn vorher in der Öffentlichkeit solche Aufklärungen erfolgen, daß bereits bei den Delegierten wählen zum Kongreß sowohl jeder Wähler wie auch jeder Delegierte weiß, um welche Fragen es sich beim nächsten Kongreß, handeln wird. Die Herren hier haben es nicht für nötig gefunden,'bei der Debatte über die Organisation auf diese Fragen einzugehen. Deswegen befinden wir uns in einer schwierigen Situation. Die Vorschläge für die Wahl der künftigen Leitung auf dem Kongreß sind davon abhängig, ob es gelingt, vorher eine Verständigung herbeizuführen. Ist dies nicht der Fall, so scheiden wir aus der Kombination aus. Denn wir wollen nur dann ein Amt übernehmen, wTenn vorher Ordnung gemacht wird. Sollte dies nicht geschehen können, dann allerdings müßten wir uns nur in einer sehr bescheidenen Öffentlichkeit versammeln, weil das, was wir unter uns abzumachen haben, für die große Öffentlichkeit nicht geeignet ist. Weil wir dies aber vermeiden wollen und gerne vorher zu einer Verständigung kommen möchten, so haben wir uns gefreut, als die Palästina-Nummer der „Welt" erschien, in welcher Herr Ussischkin die Idee angeregt hat, daß der nächste Kongreß ein Jubiläumskongreß sein soll. Wir denken uns die Sache so, daß der Kongreß in zwei Teile, einen festlichen und einen Arbeitsteil, zerfallen soll. Mein Plan hierzu ist folgender: Der Festkongreß, der zwei bis drei Tage dauern soll, wird mit einer großen Festsitzung eröffnet, in welcher die hervorragendsten Redner unserer Partei sprechen sollen. Diese Eröffnung soll am Abend stattfinden. Am nächsten Morgen soll eine große Palästina-Ausstellung, die ein vollständiges Bild des jüdischen Palästina von heute gibt, eröffnet werden. Ich denke, daß sich die Kosten dieser Ausstellung ziemlich hoch stellen; aber wenn wir sie gut vorbereiten, dann braucht sie nicht nur auf dem Kongreß selbst für wenige Tage, sondern sie kann auch in andern Orten für längere Zeit bestehen bleiben. Weiter können wir auf dem Festkongreß zwei Dinge zeigen, zuerst unsere national-jüdische Studentenschaft. In einer zweiten Festsitzung könnten die Vertreter sämtlicher jüdischnationalen Studentenvereine der Welt auftreten, und es könnten J nsprachen über die Bedeutung und den Einfluß unserer Idee auf die jüdische Jugend gehalten werden. Daran würde sich ein Festkommers anschließen. Was wir dann noch auf einem Festkongreß zeigen können, ist eine Darstellung unsere r Presse unter besonderer Her Vorkehrung der hebräischen Presse. Es könnte ferner eine Demonstration der national - j ü cl i s c h e n Turn er schaft in üblicher Weise erfolgen. Ich denke mir, daß dieser Festkongreß zwei Dinge zur Anschauung bringen würde: unsere Stärke in den verschiedenen Schichten der Judenheit in Verbindung mit der großen Ausbreitung der zionistischen Bewegung über die ganze Welt und eine Zusammenfassung des jüdischen Elements mit einer Darstellung dessen, was in Palästina geleistet worden ist. An den Festkongreß soll sich ein Arbeitskongreß anschließen, der jedoch wesentlich kürzer sein soll als unsere bisherigen Kongresse. Wir können in drei Tagen mit der Arbeit sehr gut fertig sein. Und nun bezüglich des Ortes. Wir waren gegen Berlin, weil wir fürchteten, daß unsere Bewegung dadurch einen zu deutschen Charakter bekommt, und wir glauben, daß man das vermeiden muß. Deswegen sind wir darauf gekommen, Ihnen Wien vorzuschlagen. Wien hat eine sehr starke jüdische Bevölkerung und auch eine zahlreiche jüdisch-nationale Studentenschaft. Wir glauben, daß man aus Wien eine sehr große Demonstration herausholen kann. Die Beteiligung seitens des jüdischen Mittelstands wäre sicherlich eine sehr große. / Bereinig« muß ich gestehen, daß es mich sehr frappiert hat, daß nicht ein einziger Herr aus Österreich zu unserer jetzigen Tagung gekommen ist. Es gibt auch Gründe, die gegen Wien sprechen und die auch Herr Kremenetzki in seinem Brief angeführt hat. Nun sind noch andere Oite vorgeschlagen. Ich kann aber auf diese Vorschläge nicht eingehen, solange wir uns nicht vorher eingehend über die Idee des Kongresses ausgesprochen haben. Wenn Sie sich für die Idee eines Festkongresses entschließen, so kann ein solcher nur in einem großen jüdischen Zentruni stattfinden. Solch Zentrum ist jedoch nicht Basel, und deswegen muß ich mich gegen Basel aussprechen. Ich meine auch, daß wir mit unsern Vorschlägen nicht zu früh kommen, denn die Vorbereitung der Sache erfordert, sehr viel Zeit. Wir möchten auch, daß der Kongreß nicht zu spät im Sommer stattfindet, wo die meisten Leute in der Stadt nicht anwesend sind. Deswegen würden wir als Termin Anfang Juli oder, wenn dies nicht geht, Ende August vorschlagen. Der Kongreß müßte auch deswegen frühzeitig stattfinden, weil sonst die Arbeit des Winters für uns hier in Deutschland, wenn die Übernahme der Bureaus erst im Herbst erfolgen soll, sehr geschädigt wird. Ich glaube also nochmals hervorheben zu müssen, daß wir uns über Ort und Zeit des nächsten Kongresses erst entscheiden können, wenn wir uns klar sind über jene wichtigen Vorfragen, die mit dem Kongreß zusammenhängen und die wir vorher klären müssen. Dr. Pinkus (Zürich): Ich möchte mich zunächst eines Auftrages der Baseler Ortsgruppe entledigen, der dahin lautet, daß die Ortsgruppe Sie herzlichst bittet, den Jubiläumskongreß in Basel zu veranstalten. Ich meine, daß wir alles tun sollen, um diesen Kongreß zu einem würdigen zu machen. Was den Vorschlag der Herrn Dr. Hantke betrifft, so glaube ich, daß, so sympathisch auch an sich das Festefeiern sein mag, für uns die Zeit hierzu noch nicht gekommen ist. Ich habe die Empfindung, daß ein dreitägiges Festreden die Teilnehmer abstumpfen und auf Jahre hinaus die Arbeit lähmen würde. Ich sehe in diesen Demonstrationen keinen Nutzen für uns. Das einzige, wodurch wir demonstrieren können, wären unsere Erfolge in Palästina. Ich meine natürlich nicht, daß wir uns verkriechen müssen. Wir sollen einen würdigen Arbeitskongreß vorbereiten. Das ist aber nicht in der Weise möglich, wie es Herr Dr. Hantke vorgeschlagen hat, denn wenn man drei Tage Feste gefeiert hat, kann man nicht mehr arbeiten. Ich bin deswegen dafür, daß wir sechs Tage auf dem Kongresse arbeiten. Dr Fränkel unterstützt nochmals seinen Antrag auf Abhaltung des Kongresses in Kopenhagen und schließt sich im übrigen den Ausführungen des Dr. Pinkus an. Jean Fischer: Ich möchte darauf hinweisen, daß Herr Kremenetzki in seinem Briefe dieselben Ansichten vertritt wie Herr Dr. Marmorek in dem. seinigen. Ich bin durchaus nicht der Auffassung wie Herr Dr. Hantke, daß wir Ursache haben, mit den Ergebnissen unserer Arbeit zufrieden zu sein, im Gegenteil, wir sind unzufrieden und müssen unzufrieden sein. Die Zeit ist noch nicht gekommen, um einen Festkongreß abhalten zu können.