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Die Welt · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Verschiedenheiten kaum derart, daß sie nicht eine freundschaftliche Beilegung in der Zeit bis zum nächsten Kongreß zuließen. Auch die Bildung von Sonderverbänden durch Gruppen von 3000 Schekelzahlern ist ein Problem, das vorsichtige und staatsmännische Behandlung angesichts der scharfen Meinungsverschiedenheiten und lokalen. Krisen, die es hervorgerufen hat, erfordert. Alle diese wichtigen Punkte werden die sorgfältigste Aufmerksamkeit der neuen Kommission beanspruchen, die den bestehenden Entwurf einer weitern Revision unterwerfen, und das Resultat ihrer Arbeiten einer neuerlichen Sitzung des Actions-Comites kurz vor dem nächsten Kongreß unterbreiten wird» Es steht zu erwarten, daß, nachdem alle diese Entwicklungsstadien durchschritten sind, ein solcher Grad der Übereinstimmung erreicht sein wird, daß der Kongreß nach verhältnismäßig kurzer Erörterung seine neue Verwaltung wird bestimmen können. Wenn eine wirksame Verfassung für unsere Leitung notwendig ist, so ist eine ausreichende Finanzierung nicht minder erforderlich. Der Ruf nach größern Mitteln mag nicht erfreulich sein, aber kein Notschrei ist angenehm. Wenn unsere Organisation fortschreiten und in gedeihlicher Weise geleitet werden soll, so hat sie viel größere Fonds nötig, als die Schekeleinkünfte während der letzten Jahre liefern konnten. Der Unterschied zwischen dem, was sie empfängt, und dem, was sie nötig hat, zeigt keine Tendenz einer Verminderung, und das Actions-Comite mußte deshalb Schritte unternehmen, um diese unhaltbare Situation zu beseitigen. Zunächst hat es beschlossen, daß der Aufsichtsrat des Jewish Colonial Trust die nötigen Bestimmungen treffen soll, um 10°/o des Reingewinns der Bank nach Abzug der Reserven fürdie Zwecke der Bewegung zu verwenden. Der J. C. T. wurde ins Leben gerufen, um als das finanzielle Instrument für die Erreichung des Zieles des Zionismus zu dienen, und der vom Actions- Comite gefaßte Beschluß steht in vollkommener Übereinstimmung mit diesem Zwecke. Ferner wurde die Bildung eines Zentralfonds beschlossen, um den finanziellen Bedürfnissen der Bewegung gerecht zu werden. Eine besondere Kommission wird die nähern Details betreffs der Beschaffung dieses Fonds ausarbeiten und die ihr überwiesenen sehr beachtenswerten Anträge zur Sanierung der Finanzen sorgfältig prüfen. Unsere Bewegung kann nicht von der Hand in den Mund leben. Nach den Verbesserungsmaßregeln, die teils beschlossen worden, teils in^Vorbereitung sind, darf man hoffen, daß sie im Vereine mit der intensiven Fortführung der Schekelsammlung unserer Bewegung den nötigen Rückhalt sichern und ihre dauernde und kräftige Entwicklung fördern werden. Die allgemeine Diskussion wird wahrscheinlich weniger von einer der im obigen behandelten zwei Fragen beherrscht werden, als von der Bestimmung des Ortes und des Charakters des nächsten Kongresses. Man beschloß, Basel als die Stätte des nächsten Kongresses im August 1911 festzusetzen. Diese Wahl wird sich wohl als populär erweisen, denn der Zauberklang des Namens Basel hat noch nicht seine Kraft verloren. In dieser Stadt fand unser erster Kongreß statt, und die Epoche, die durch den X. Kongreß bezeichnet ist, wird in demselben Saal eingeleitet werden, in welchem die Vertreter unserer Nation zum erstenmal im Goluth der Idee der nationalen Wiedergeburt feierlichen und entschiedenen Ausdruck gaben. Der Name Basel ist nicht nur unauflöslich mit der Geschichte der zionistischen Bewegung verbunden, sondern er bildet einen Markstein in der jüdischen Geschichte.- Sechs Jahre werden verflossen sein, seit der letzte Kongreß in der gastfreundlichen schweizerischen Stadt abgehalten wurde; ein Zeiträum, lang genug.für das Heranwachsen einer neuen Generation von Zionisten. Diese wird somit zum erstenmal einem Kongreß an derselben Stätte beiwohnen können, an welcher die Väter der Bewegung den Grundstein zur zionistischen Organisation gelegt haben. Parallel mit der gewöhnlichen Arbeit eines Kongresses wird beabsichtigt, eine Ausstellung zu veranstalten, die den Fortschritt der jüdischen Kolonisation in Palästina und die Entwicklung der jüdischen Nationalkultur im Heiligen Land, wie in der Diaspora illustrieren soll. Die Worte, die in dem Kongreßsaale gehört werden, werden somit durch eine bedeutsame und konkrete Zurschaustellung der Macht- und der Produktivität der jüdischen Nationalidee bedeutsam unterstrichen werden. Die kurze Spanne von acht Monaten trennt uns noch von diesem Ereignis. Die Zeit soll'nun von allen unsern Gesinnungsgenossen dazu verwendet werden, durch erneute und intensive nationale Arbeit einen Kongreß vorzubereiten, der sich in würdiger Weise als der X. Kongreß der Zionistischen Organisation repräsentiert. Der Erfolg des Kongresses wird in der Hauptsache von der Tätigkeit der verschiedenen Föderationen während des noch vor uns liegenden Zeitraumes bestimmt werden. Die Lösung? Von Dr. Clemens Heiß, Regierungsassessor, Berlin? Soeben habe ich, zum zweitenmal, einen" gewaltigen Wälzer von 700 Seiten zu Ende gelesen, Franz Oppenheime r sgroßes System der theoretischen Nationalökonomie, das soeben unter dem Titel: „Theorie, der reinen und politischen Ökonomie, ein Lehr- und Lesebuch für Studierende und Gebildete" bei Georg Reimer in Berlin herausgekommen ist. f^f Das erstemal hat es mich wie im Sturm mitgerissen: ein gewaltiges Weltanschauungsbuch von eiskalter Logik, durch die, wie hinter Eisplatten, ein flammendes Temperament hindurchglastet, ein Büch des Bekennens und des leidenschaftlichen Wollens zu großen Menschheitszielen. Es ließ mich nicht zur Kritik, fast nicht zum Aufatmen kommen; fast willenlos ließ ich mich im Strome dieser ungeheuren Gedanken treiben, fg Als ich aber das erstemal fertig war, als sich mir die geradezu ungeheuerlichen, unerhörten Konsequenzen dieser gigantischen Gedankenketten unvermittelt vor Augen stellten, da meldete sich die .Kritik zu Worte, und ich begann die Lektüre zum zweitenmal, mit einer gewissen Erbitterung, mit der festen Absicht, die Lücken dieser scheinbar geschlossenen Beweisführung zu entdecken und das ganze System niederzuwerfen. So habe ich Satz für Satz, Behauptung für Behauptung, Schluß für Schluß geprüft und wieder geprüft — und stand zuletzt wieder am Ende in einem eigentümlichen Zustand des Geistes und des Gemütes: intellektuell, logisch überzeugt und doch mit dem Gefühl: in diesen Dingen muß irgendwo ein gigantischer Fehler stecken, diese Rechnung, die,[;scheinbar so glatt aufgeht, kann nicht stimmen!

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