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Die Welt · 1910-12-02 · 48 (2.12.1910) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
48 (2.12.1910)
Date
1910-12-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRO. KÖLN, 2. Dezember 1910 p-wfc 3D"nn'N ^DD "n No. 48. DIE SITZUNG DES ACTIONS-COMITES Die soeben in Berlin stattgefundene Sitzung des Actions-Comites hat einen Verlauf genommen, den man ruhig als zufriedenstellend bezeichnen kann. Ihre Resultate stellen ein Zeichen ernster Beratungen dar, die im Geiste brüderlicher Harmonie geführt worden sind und die durch den einzigen Wunsch angespornt wurden, ein hohes Ideal zu erreichen. Es gibt nichts Außergewöhnliches zu berichten, noch war irgendetwas Außergewöhnliches zu erwarten. Anderseits muß man den nüchternen Charakter der Debatten hervorheben, die sich weniger durch einen blumenreichen Stil als durch brauchbare Anregungen auszeichneten, die sich auf konkrete Angelegenheiten bezogen. Es war im wesentlichen eine Arbeitstagung, in welcher verschiedene verwickelte Probleme, die seit langem die Aufmerksamkeit der Leitung beschäftigten, sorgfältig erwogen, zum Teil gelöst, zum Teil einer Lösung nähergebracht wurden. ■ Die drei Hauptpunkte, die die Verhandlungen beherrschten, waren das Organisationsstatut, die Finanzlage und der Ort des nächsten Kongresses. Diese Gegenstände bildeten jedoch nur ein Drittel der Tagesordnung, zu deren Beratung sich das Actions- Comite versammelte; aber wegen ihrer Wichtigkeit und der großen Verschiedenheit der Meinungen, die betreffs ihrer bestand, konnten einige der andern Gegenstände nur ganz kurz diskutiert werden. Ein klarer Beweis für den Ernst des Actions-Comites liegt darin, daß es seine Beratungen auf einen dritten Tag ausdehnte, obgleich viele Mitglieder, die aus entfernten Orten kamen, nur auf eine zwei Tage dauernde Session gerechnet hatten. Eine ruhige Prüfung der positiven Resultate der Sitzung wird zeigen, daß das Actions-Comite die Gelegenheit, die ihm geboten war, in angemessener Weise ausgenutzt hat. An erster Stelle stand die Frage des Organisationsstatuts. Es dürfte überflüssig sein, auf die Notwendigkeit einer gesunden Verfassung für unsere Bewegung hinzuweisen, die der verschiedenartigen Zusammensetzung unserer Organisation entspricht und eine dauernde Weiterentwicklung gestattet. Die Gestaltung einer vollkommenen Verfassung für die zionistische Organisation ist eine fast unmögliche Aufgabe aus dem einfachen Grunde, weil eine absolute Obereinstimmung der Zionisten in allen Teilen der Welt darüber, was eine vollkommene Verfassung ist, nicht erreicht werden kann. Das Äußerste, das erreicht werden kann, ist eine Verfassung, die die große Mehrheit der Organisation zufriedenstellt. Solch eine Verfassung muß die demokratische Grundlage unserer Bewegung wahren, sie muß ihre ständige Unverletzbarkeit und Solidarität sichern, und sie muß eine Leitung vorsehen, deren unerläßliche Charakteristik die Leistungsfähigkeit sein muß. Die größte Annäherung an ein solches Statut bietet der sorgfältig durchgearbeitete Entwurf, den die Spezialkommissiori unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Bodenheimer ausgearbeitet hatte und der die Grundlage der Debatte bildete. Auch der schärfste Kritiker kann der Kommission nicht seine Anerkennung für den großen Dienst, den sie der Bewegung geleistet hat, indem sie ihr ein brauchbares Werkzeug für ihre zukünftige Verwaltung überreichte, vorenthalten, und Herr Dr. Bodenheimer verdient besondern Dank für den Motivenbericht, mit dem er den Entwurf begleitet hat. Das Actions-Comite beschäftigte sich in groß angelegter Diskussion mit der Frage unseres Organisationsstatuts, indem es erkannte, daß, ehe nicht diese Frage erschöpfend und zufriedenstellend gelöst ist, keine Aussicht auf ein Ende der innern Reibungen besteht. Es war für die Teilnehmer an der Beratung unmöglich, auf die Details des Entwurfs einzugehen; eine detaillierte Debatte hätte nicht einen oder drei Tage, sondern dreißig Tage gedauert. Man konnte sich nur auf die prinzipiellen Fragen einlassen, nämlich: die Umwandlung des Großen Actions-Comites in eine arbeitende Körperschaft, die Abänderung der Leitung und die friedliche Lösung des Föderationspröblems. Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Große A. C. in seiner jetzigen Zusammensetzung kein wirksames Verwaltungsorgan sein kann. Die vorgeschlagene Bildung eines Zentralau^schusses sollte hierin Wandel schaffen. Die Meinungsi Verschiedenheiten in betreffJder künftigen Leitung, z.B. ob sie aus fünf oder sieben Mitgliedern bestehen soll, könnte eine oberflächliche Betrachtung als solche mathematischer Natur bezeichnen. Genauere Nachforschung zeigt, daß dieses Problem doch auch noch anders geartet ist. Jedenfalls sind die Meinungs- 2

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