Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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des vorliegenden Statutenentwurfs einverstanden. Ebenso bin ich für die Wahl eines Ausschusses von 21 Mitgliedern, und zwar soll diese Kommission eine definitive Erledigung des Statuts in der Weise .vornehmen, daß dasselbe dein Großen A. C. oder dem Kongreß zur Enbloc-Ann ahme , vorgelegt werden kann. Nun bin ieh aber der Ansicht, daß es sich bei dieser Sitzung nicht allein um das Organisationsstatut als solches, sondern auch um eine andere wichtige Frage handelt, nämlich: Was soll nun weiter geschehen, und wie wird die künftige Leitung der Bewegung sein? Mein Freund Dr. Hantke hat diese Frage angeschnitten, und ich möchte die Debatte auf dieselbe zurückführen. Mit der theoretischen Diskussion wrerden wir nicht weiter kommen, denn das Wesentliche ist hier für uns die Personenfrage. Es muß von allen Seiten klar gesagt werden, welche Wünsche man hat und welche Personen man für die Leitung vorschlägt. Es handelt sich um Verhältnisse, die auf Jahre hinaus festgelegt werden sollen. Wir müssen daher die Herren aus Kußland fragen, ob sie uns Vorschläge machen, können. Es wurde ja davon gesprochen, daß zwei Herren aus Rußland ihren Wohnsitz nach Berlin verlegen sollen. Selbstverständlich macht es einen großen Unterschied, ob man seine ganze Arbeitskraft der Bewegung widmet oder nur in seiner freien Zeit sich mit ihr befaßt. Im engen Zusammenhang damit steht die Frage der Besoldung, und ich glaube kaum, daß Sie bei uns in Deutschland auf irgendeinen Widerstand stoßen werden Wenn die Leitung so ausgestattet ist, daß eine Reihe von erstklassigen Kräfteu sich für dieselbe einsetzt, so werden sich auch die Mittel beschaffen lassen. Wir müssen uns jetzt mir einig darüber werden, was wir wollen. Bei dem friedlichen (reist, der heute unter uns herrscht, werden wir uns in allen Prägen einigen können. Und nun zur Finanzlage: Ich bin ganz entschieden gegen die Besteuerung der Institutionen. Auch in bezug auf den Vorschlag des Herrn Dl*. Bodenheimer bin ich anderer Ansicht, denn wenn Sie es mit den Dividenderrcler Bank -diesmal so machen, so wird es nicht genügen, weil Sie in einigen Jahren wieder mit einer Schuldenlast dastehen werden. Demgegenüber möchte ich eine Idee wieder aufgreifen, die ich bereits früher vertreten habe, nämlich, daß die Finanzen geregelt werden müssen und überhaupt die Organisation finanziert werden muß von den wohlhabendem Gesinnungsgenossen. Wir haben in Deutschland mit dieser Methode sehr gute Erfolge erzielt. Nun noch einen Punkt, und das ist die Frage unserer Berliner Verhältnisse. Herrn Trietsch sind die Dinge, die er hier erwähnt hat, nicht genau bekannt. Wir haben im geschäftsführenden Ausschuß bisher friedlich zusammengearbeitet,- und die Differenzen, die sich ergeben haben, waren tatsächlich nur ganz geringfügiger Natur. Ein Vergleich mit England ist* ganz ausgeschlossen. Dr. Jacobson: In bezug auf die Frage der Wahl des Präsidenten durch den Kongreß habe ich mich über die Bestimmungen, wie sie bei andern Organisationen bestehen, des nähern informiert . und festgestellt, daß bei den meisten Organisationen, die auf föderativer Grundlage aufgebaut sind, der Präsident nicht vom Kongreß, sondern von der Parteileitunggewählt wird. Jean Fischer wendet sich zunächst gegen einige Bemerkungen, des Herrn Trietsch und fährt fort: Bezüglich der Finanzen möchte ich meinen von früher eingebrachten Vorschlag wiederholen, eine Kommission zu wrählen, die sich mit der Ordnung der Finanzen zu beschäftigen hat. Ich warne davor, die Institutionen zu besteuern, weil wir sie sonst unfehlbar einem Schaden zuführen würden. Herr Podlisehewski macht dem E. A. C. den Vorwurf, daß es immerwährend Mahnschreiben wegen der Schekel schicke. Wenn aber die Landesorganisationen ihre Pflicht erfüllen würden und die Schekel regelmäßig abführten, dann würde das E. A. C. sich diese Mahnschreiben ersparen. Herr Goldberg hat davon gesprochen, daß das Präsidium einen kollegialen Charakter haben müsse, und deswegen sei er gegen die Wahl des Präsidenten durch den Kongreß. Ich sehe aber nicht ein, daß ein vom Kongreß gewählter Präsident nicht ein guter Kollege sein könne. Eine Besoldung der Mitglieder des Präsidiums halte ich aus mehrfachen Gründen für verfehlt und auch für undurchführbar, wreil die Leitung die nötigen Mittel nicht aufbringen wird. Wenn wir uns nach Kräften bemühen, so wird es der Kommission gelingen, das endgültige Statut einige Monate vor dem Kongreß fertigzustellen, und dies ist notwendig, damit die Delegierten rechtzeitig Kenntnis davon erhalten. Im Gegensatz jzu Herrn Dr. Tschlenow bin ich dafür, daß wir hier definitive : ^Beschlüsse fassen müssen. h Struck: Die grundl egende Änderung, daß jedes Föderationsmit- Jglied verpflichtet sein soll, einen Beitrag an den Landesverband zu fahlen, halte ich für durchaus verfehlt. Das Prinzip der Landesorganisationen ist ein Golusprinzip. Die konsequente Entwicklung -des Zionismus ist der Interterritorialismus. Wenn behauptet; worden ist, daß die Gliederung in Föderationen eine Spaltung hervorrufen könne, so möchte ieh darauf hinweisen, daß auch »den Misrachisten der zionistische Gedanke höher steht als die iLandesorganisation. Der Betrag, der dem Landesverband entzogen wird, kommt ja dem Zionismus doch zugute. Wenn man luns zwingen sollte, einen Landesbeitrag zu zahlen, dann müßten 'wir uns auflösen. Dadurch würde eine große Zahl von Zionisten ^unserer Bewegung verlorengehen. Ich beantrage daher, es entweder beim alten Zustand zu belassen, oder aber, daß jedes Mitglied einer Föderation eo ipso ohne Zahlimg Mitglied des Landesverbandes wird. Podlisehewski: Ich bin durchaus für eine Besoldung der Mitglieder des Präsidiums. Es braucht aber nicht obligatorisch "zu sein. Wenn jemand verzichtet, ist es auch gut; prinzipiell müßte aber die Bezahlung festgelegt werden. Es ist ein ungesunder Zustand, daß ein Mann ohne Vermögen kein Präsident sein kann. Ich bin undbleibe ganz .entschieden für die Besteuerung der Institutionen. Es wird das Schlagwort gebraucht, die Institutionen würden zugrunde gehen. Das bedeutet aber ein Mißtrauen gegen die Mitglieder der künftigen Leitung. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß jemand den Schekel zahlt, damit das A. C. Geld habe. Man gibt den Schekel, um wählen zu können, darum bin ich dafür, daß nur 400 Schekel eine Stimme bedeuten. Dr. Friedemann: Den Ausführungen des Herrn Dr. Tschlenow liegt eine mißverständliche Auffassung der Rede des Herrn Dr. Hantke zugrunde. Was Hantke wollte, ist nur, daß das Krisenhafte unserer Kongresse endlich aufhöre. Es geht nicht an, daß jede Partei vor oder während des Kongresses sich festlegt, so daß immer eine Partei verbittert nach Hause geht. Wie es jetzt ist, konnte Dr. Tschlenow richtig sagen, daß uns unsere Kongresse mitunter an der Arbeit hindern. Tn der Jahreskonferenz haben wir Sie siegen lassen, und wir wollen nicht einmal untersuchen, wo die Mehrheit und wo die Minderheit war. Wir waren einfach des Kampfes müde. Nicht nur bei Ihnen, auch bei uns litt die Arbeitsfreude unter dem ewigen Hader. Wir sagten uns: Wir wollen bei der A. C.-Sitzung einen Plan aufstellen, der dem Kampfe ein Ende macht. Einigen wir uns darauf, um so besser. Wenn nicht, so werden wir doch immer treu und ehrlich mitarbeiten Es kommt uns nicht auf irgendeinen besondern Punkt an, sondern vor allem darauf: falls jetzt nicht eine Ära der Arbeit folgt, dann geht die Bewegung zugrunde. Mit Ausnahme einer kleinen Anzahl von Leuten, die nur eine gewisse Bedeutung haben, indem sie ewig Opposition führen und auch heute wieder künstlich neue Gegensätze konstruieren wollen, sehnt sich alles nach Arbeit und Frieden, und darum sage ich Ihnen: Ob wir uns lieben oder hassen, wir müssen doch zusammenarbeiten. Der nächste Kongreß darf unter keinen Umständen mehr ein Kampfkongreß sein. Wir müssen uns also vorbereiten. Wenn war die Leitung nach Berlin übernehmen, so werden wir es nur unter der Voraussetzung tun, daß wir das Vertrauen der ganzen Bewegung haben. Wenn wir aber wissen, daß es sich doch wieder um eine vorläufige Regelung handeln wird, die in einen Kampf auslaufen wird dann werden wir nach Bülows Art ,,die Flöte ruhig auf den Tisch des Hauses legen" und dabei ohne jedes Verletztsein mitarbeiten. Der einzige Differenzpunkt zwischen mir und der letzten Mehrheit war die Präsidentschaftsfrago. Ich bin noch heute davon überzeugt, daß der Präsident vorn Kongreß gewählt werden soll, weil er gewissermaßen das Banner der Bewegung repräsentiert. Wie die Verhältnisse heute liegen, weiß ich aber nicht, , wie wir diesen Standpunkt aufrecht erhalten können. Theoretisch bleibe ich auf dem frühern Standpunkte. Ich halte es für einen großen Fehler, wenn man den Präsidenten des Ansehens entkleidet, indem man ihn nicht mehr durch den Kongreß wählt. Wenn man das aber nicht durchführen kann, was wir jetzt mit Rücksicht auf die Personen nicht wissen, dann müssen wir unter Aufrechterhaltung des theoretischen Eimvandes das Prinzip zurückstellen. Ein Wort über die Finanzen. Ich bin der Ansicht, daß man