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Die Welt · 1910-11-25 · 47 (25.11.1910) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
47 (25.11.1910)
Date
1910-11-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 47 DIE ELT 1245 dann wild auch der Kongreß die Verantwortung fühlen, die ihm mit der Wahl dieser Leitung obliegt. Das E. A. C. muß dementsprechend auf seine eigentliche Bestimmung zurückgeführt werden, und zwar soll es dann eine Verwaltungsbehörde und nicht eine Oberbehörde des Großen Actions-Comites sein. Es soll selbstverständlich eine ständige Zusammenarbeit zwischen dem E. A. C. und der gedachten Körperschaft stattfinden. Natürlich muß es auch eine Behörde geben, welche gewissermaßen ein repräsentatives Organ ist. Diese Körperschaft kann dann eventuell 70—90 Mitglieder haben und einmal im Jahre zusammentreten. Was die Finanzfrage betrifft, so ist es ein unmöglicher Zustand, die Einkünfte der Leitung auf die bisherigen Schokeleingänge zu basieren, sie abhängig zu machen von dem guten Willen der Landesorganisation. Der Sehekel ist im Laufe der Zeit nichts anderes geworden als der Stimmzettel der Wahl zum Kongreß. Und deswegen schlage ich vor, daß wir den Sehekel nur einmal in einer Kongreßperiode fordern und ihn dementsprechend erhöhen. Es muß der neuen Leitung die Möglichkeit gegeben werden, zu arbeiten, ohne schnorren zu gehen. Wir können kein Actions- Comite" übernehmen, das hunderttausend Mark Schulden hat und nicht weiß, ob es das ihm bewilligte Budget auch nur zur Hälfte einnehmen wird. Das ist unsere Ansicht, und wir sagen sie heute deswegen, weil wir Sie dringend bitten möchten, diese wichtige Frage hier eingehend zu besprechen, und wünschen, daß diese Aussprache zu einer übereinstimmenden Meinung führt. Wenn dies der Fall ist, so wird der nächste Kongreß ein Jiibiläiuns- und Arbeitskongreß werden. Ich beantrage also, daß ein Ausschuß zur Beratung des Organisationsstatuts gewählt wird, der der nächsten Sitzung des Großen Actions-Comites rechtzeitig seine definitiven Vorschläge unterbreiten soll. Es wird sich von selbst ergeben, daß auch die Personen frage in diesem Ausschuß besprochen wird. Diese Sache zu einer gründlichen Erledigung zu bringen, darin sehe ich die Hauptbedeutung der heutigen Sitzung. Fischer: Herr Dr. Hantke hat seine Ausführungen damit begonnen, daß er erklärte, wir seien uns alle darüber einig, daß die Ansichten des Herrn Dr. Marmorek betreffs des Zionismus unrichtig seien. Ich möchte konstatieren, daß wir uns darüber nicht einig sind. Dr. Hantke sagte, daß wir ohne Vertrauen zueinander nicht arbeiten können, aber mit einem bloßen Orgauisationsstatut schaffen Sie kein Vertrauen. Sie müssen der Bewegung Leben einblasen; die Paragraphen mögen dann wie immer lauten. Ich stimme ihm darin jedoch vollständig bei, daß das Große A. G. die Leitung innehaben müsse. Allerdings muß ich zweifeln, ob der Vorschlag von 21 Personen da Wandel schaffen wird. Ich glaube vielmehr, daß wir energisch genug sein müssen, nur diejenigen zu wählen, die arbeitsfähig sind und zu den Sitzungen wirklich alle kommen. Bezüglich der Föderationen muß ich sagen, daß sowohl die Misrachi wie die Poale Zion geeignet sind, unsere ganze Bewegung, — selbstverständlich nicht absichtlich, — zu zersetzen. Diese haben interterritoriale Funktionen, die sie nicht ausfüllen können. Es ist natürlich jetzt schwer, den verhängnisvollen Föderationsbeschluß rückgängig zu machen. Es wird aber geschehen müssen Ich muß mich auch gegen den wiederholt geh rauchten Ausdruck „Partei-1, „Parteifonds" usw. aussprechen. Wir sind keine Partei, sondern die Organisation des Judentums. Sodann möchte ich mich gegen eine Erhöhung des Schekels wenden. Ich möchte vielmehr auf meinen Antrag im Haag zurückkommen: eine Kommission einzusetzen, welche die Aufgabe hätte, einerseits aus eigner Tasche die Leitung zu finanzieren, anderseits das Geld bei andern zu sammeln. Dieser Antrag mag nicht, demokratisch sein, ist aber notwendig. Ich bin entschieden gegen die Besteuerung des N. F. und der Bank. Die Spesen des N. F. sind bereits heute viel zu groß. Ebenso werden die Aktionäre der Bank sich gegen die Besteuerung wenden. Trietsch: Es besteht insofern kein Unterschied zwischen dem Standpunkte Dr. Bodenheimers und dem des Herrn Gronemann, als beide außer dein Programm ein Orgauisationsstatnt haben wollen. Das Programm sollte Programm bleiben das Statut aber Bestimmungen enthalten, die leicht zu ändern sind, weil sie von minderer Wichtigkeit sind. Ich sehe dann nicht ein, wozu wir hier die Einzelheiten diskutieren. Ich beantrage daher, daß wir die wichtigern Punkte ausscheiden und sie diskutieren, nicht nur heute, sondern auch für weiter. Ich bin der Meinung, daß die praktische Arbeit in Palästina die Grundlage unserer Politik sein soll, während Sie der Ansicht sind, daß die jetzige politische Tätigkeit die Grundlage für eine einstige praktische Arbeit sein soll. Ich bin mit Dr. Hantke einverstanden, daß Berlin der einzige Ort ist, der für die Leitung jetzt in Betracht kommt. Es soll aber nicht der Eindruck erweckt werden, als ob hier alles in Ordnung ist. Es gibt hier gerade solche Konflikte wTie in England, nur werden hier gewisse Grenzen eingehalten. Zwischen dein nächsten Kongreß, der am besten im Sommer stattfinden sollte, und der jetzigen Sitzung soll jedenfalls noch eine Sitzung des A. C. stattfinden, die eingehend über das Organisationsstatut beraten soll. Ich wäre aber dafür, daß auch . jetzt in jedem Lande noch eine kleine Kommission gebildet wird, welche die Punkte bis zur nächsten A. C.-Sitzung berät. Dr. Pincus: Ich habe die Empfindung, daß den Debatten über das Organisationsstatut zu große Bedeutung beigelegt wird. Es wurde gesagt, daß wir keine Partei sind. Wenn das der Fall ist, brauchen wir kein ausführliches Statut, dann genügen die programmatischen Punkte. Wir schleppen uns mit dem Statut von einem Kongreß zum andern. Für 90 Paragraph« brauchte ein Parlament eine Session; wie sollte der KongreU das in drei Tagen zustande bringen, selbst wenn er sich ausschließlich damit befaßte. Ich bin darum für d.-n Antrag Gronemann. Podlischewski: Die Organisation kann nicht auf einem Zufall basieren. Herr Fischer sagte, wir wollen eine Kommission einsetzen, die selbst Geld gibt und andere dazu veranlaßt. Aber wir wissen doch alle heute, daß uns diese Kommission nicht weiterbringen wird. Wir aber müssen die Leitung ein für allemal von finanziellen Sorgen befreien. Man überschätzt die Heiligkeit der Institutionen und unterschätzt die Bewegung, welche die Mutter aller Institutionen ist. Boris Goldberg: Ich bin zwar als Mitglied der Organisatiouskommission gewählt, konnte aber fast gar nicht daran mitarbeiten. Oer Grund liegt in den schwierigen Verhältnissen, unter denen wir in Kußhand zu arbeiten haben. Wir haben nicht die Möglichkeit, einen Landesverband zu begründen und regelmäßige Arbeit zu leisten. Allerdings sind wir gleich den Zionisten anderer Länder daran interessiert, daß eine gute Organisation besteht. Heute interessiert uns aber vor allem die Zentralleitung. Bezüglich der Zentralleitung muß ich zunächst bemerken, daß die Hauprprinzipien bei der Jahrcskonferenz festgesetzt worden sind. Ich begrüße es, daß die Beweggründe, die damals maßgebend waren, auch im Organisationsstatut zum Ausdruck kommen, bis auf einige Punkte, die ich erörtern will. Vor allem will der Beschluß der Jahreskonferenz, daß der Präsident aus der Mitte des Präsidiums gewählt werden soll. Dies hat die Kommission nur als Eventualantrag gestellt. Nach dem Beschlüsse der Jahreskonferenz aber stand dieser Paragraph fest. Eben dieser Punkt hat auf dem Hamburger Kongreß zu einer scharfen Auseinandersetzung geführt, und ich bin der Meinung, daß eine friedliche Lösung nur im Sinne des Beschlusses der Jahreskonferenz möglich ist. Wenn diese Lösung nicht jetzt erfolgt, so fürchte ich, daß wir auf dem Kongresse wieder Stürme haben werden. Ein zweiter Punkt ist der § 03, wonach die Mitglieder die Barauslagen zurückerstattet erhalten. Dieser scheinbar harmlote Paragraph kann bei der Wahl in das Präsidiuni sehr hinderlich werden. Wenn zwei russische Mitglieder in das Präsidium delegiert werden sollten und sie ihre ganze Arbeitskraft der Sache widmen sollen, dann liegt die Wahrscheinlichkeit vor, daß-dieselben honoriert werden müssen. Ich würde Urnen vorschlagen, diesen Punkt überhaupt zu streichen, dann wird die erwähnte Möglichkeit offen gelassen. Ist es doch unser Streben, für die Zukunft alle Mitglieder des Präsidiums honorieren zu können. Ich vermisse ferner eines im Orgauisationsstatut, nämlich die Unterordnung der einzelnen Institute unter das A. C. als das leitende Organ. (Boden heim er: Im § 533) Dort ist es nicht genügend scharf präzisiert. Ich möchte nur, daß prinzipiell hervorgehoben werde, daß die einzelnen Institutionen nur als Glieder der Gesaintorgauisatio'n aufzufassen seien, und daß der Leitung eine größere Macht gegenüber den einzelnen Organen eingeräumt werde Die Besteuerung der Institutionen solle u. a. auch diese Unterordnung zum Ausdruck bringen. Kessler: Die Annahme einer Verfassung, wie Herr Grone - mann sie vorschlägt, ist theoretisch vielleicht ganz richtig, aber praktisch schon deswegen wertlos, weil der Zweck, den Herr Gronemann damit erreichen will, nämlich einer größern Diskussion auf dem Kongresse auszuweichen, nicht durchführbar ist. Das Wichtigste, was wir hier zu tun haben, ist die Bildung einer Kommission, die den Statutenentwurf durchberaten soll. Nur müßte meiner Meinung nach diese Kommission so zusammengesetzt sein, daß sie auch die nötige Autorität besitzt, und da wäre es vielleicht am besten, sämtliche Mitglieder des Großen A. C. in die Kommission zu wählen. Insbesondere dürfte der § 19 sehr viel angefochten werden, und deswegen halte ich es für notwendig, daß auch sämtliche Sonderverbände in der Kommission vertreten sind.

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