Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Herrn Gronemann abgelehnt, weil dieselben uns in keiner Weise genügt hatten. Wenn man in der praktischen Organisationsarbeit steht, so wird man sich überzeugen, daß solche allgemeinen Prinzipien, wie R.-A. Gronemann sie aufgestellt hat, sich» überhaupt nicht festlegen lassen. Die Kommission ist der Ansieht, daß man ein Statut haben müsse, das einen ausreichenden Kähmen für alle Entwicklungsmöglichkeiten der Organisation. abgibt. In dem Statut ist eine Eeihe von Bestimmungen enthalten, die dem Tagesstreit nicht unterworfen sind, und bei denen die Gefahr einer immerwährenden Änderung nicht, vorhanden ist- Es ist dies z. B. die Frage der Föderationen im Sinne von Sonderverbänden. Wie soll man z. B. die Finanzinstitutionen in gedeihlicher Weise ausbauen können, wenn das , ihnen zugrundeliegende Statut der Gefahr ausgesetzt ist, auf, jedem Kongreß abgeändert zu werden. Nun sagt Herr Groneinann, dieses Statut sei für den Laien in seiner Gesamtheit unverständlich, also 'unbrauchbar. Ich sehe darin kein Unglück. Das Verfassungsstatut einer Organisation ist eben eine Sache, in die man sich gründlich vertiefen muß, um sie kennen zu lernen, und man kann auch von denen, die es angeht, verlangen, daß sie es gründlich studieren. Nun sagt Herr Gronemann, daß die praktische Durchführung scheitern wird, weil man sich z. B. auf dem Kongreß darüber hinwegsetzen wird. Ich meine, daß es Sache des Präsidiums ist, Verstöße gegen das Organisationsstatut auf dem Kongreß hintanzuhalten. Das ist in jedem Parlament so. In jetler Körperschaft braucht es nur eine Anzahl von Leuten zä geben, die die Bestimmungen des Statuts vollkommen beherrschen. Redner ist der Ansicht, daß man der Bewegung einen schlechten Dienst erweisen würde, wenn man sich lediglich auf die Festlegung einzelner Grundsätze festlegen würde, die lange nicht das geben, was man durch das Statut erlangen will, nämlich einen starken Rahmen für die Entwicklung der Organisation. Er bittet daher nochmals, den Antrag Gron^mann abzulehnen Dr. Bodenhoimer. wendet sich gleichfalls gegen den Antrag Gronenmum. Die von Herrn Gronemann vorgelegten 10 Leitsätze seines Entwurfs können für die heutige Organisation keineswegs genügen. Wir hatten auf dem ersten Kongreß einen Entwurf vorgelegt, der auch nur 10 Leitsätze enthielt und für die damaligen Bedürfnisse auch genügte, denn wir konnten damals noch nicht wissen, wie sich die Organisation entwickeln würde. Es geht aber nicht an, daß wir uns nach 12 Jahren, nachdem schon drei Organisations-Statutenentwürfe angenommen wurden, mit einigen Banalitäten begnügen. Der Zweck der Vorschläge Gronemanns gipfelt darin, eine Debatte über das Organisationsstatut auf dem Kongreß zu vermeiden. Lh meine aber, daß der Grundsatz der Bewegung der sein muß, etwas, was für uns alle von der größten Wichtigkeit ist, auch in der allergrößten Öffentlichkeit zu beraten und zu beschließen. Wenn - wir die Sache mit der nötigen Autorität beschließen, so wird sie sich auch im Laufe der Zeit in das Bewußtsein aller Mitglieder einprägen. Redner ist der Ansicht, daß der vorliegende Entwurf, wenn er im Actions-Comite gründlich durchberaten und in die endgültige Form gebracht ist auch auf dem Kongreß als eine in jeder Beziehung genügende Vorlage für eine würdige Debatte gelten kann. Er möchte nochmals den Grundsatz aussprechen, daß uns die Furcht vor einer Diskussion über das Organisationsstatut auf dem Kongreß nichtabhaltendarf, unsere Pflicht zu erfüllen. Dr. Spit zer sehließt sich dem Antrage Gronemann an, weil er seiner ganzen Erfahrung nach den vorliegenden Statutenentwurf für zu Schwei-fällig hält und seine Durchberatung auf dem Kongreß in Anbetracht der Kürze der Zeit nicht für praktisch hält. Er möchte daher vorschlagen, das Organisationsstatut dem Axftions- Oomite zur Beschlußfassung zu überweisen. Es folgt nunmehr eine längere Geschäftsordnungsdebatte, in welcher von verschiedenen Rednern zu dem Antrage Gronemann Stellung genommen wird. Während einige Herren die Beratung des vorliegenden Starutenentwurfs nach der Mittagspause vorschlagen, wird von anderer Seite der Antrag gestellt, darüber abzustimmen, ob die Vorschläge des Herrn Rechtsanwalts Gronemann zur Beratung gestellt werden sollen. Der Vorsitzende bringt einen Antrag Trietsch, welcher die Beratung der Groneniannscben Vorschläge prinzipiell verlangt, zur Abstimmung. Dieser Antrag wird abgelehnt. Auf eine Anfrage Dr. Hantkes teilt der Vorsitzende mit, welche Beschlüsse das E. A. C. in seiner Sitzung zu den einzelnen Gegenständen der Tagesordnung gefaßt hat. Auf Vorschlag Dr. Hantkes wird beschlossen, nunmehr in die Mittagspause einzutreten und die Nachmittagssitzung um 3 Uhr mit der Weiterberatung des Organisationsstatuts beginnen zu lassen. Schluß der Sitzung 1 Uhr. Nachmittagssitzung Prof. Dr. Warburg führt den Vorsitz und eröffnet die Sitzung um 3l * Uhr. Es wird beschlossen, eine Diskussion nur über die prinzipiellen Punkte nach dem vorgelegten Entwurf zu führen. Dr. Hantke: Das Organisationssfatut schlägt in seiner vorliegenden Fassung verschiedene Dinge vor, die wir uns auch hier in Berlin wohl überlegt haben. Wir sind der Ansicht, daß wir das Statut in seiner Gänze nicht zur Erledigung bringen k<5nnen, weil dabei zu viel Einzelheiten zu besprechen wären, für die die Zeit, die dem A. C. zur Verfügung steht, nicht ausreichen würde. Dies kann nur in einem Ausschuß geschehen, und ich werde Ihnen vorschlagen, einen solchen Ausschuß zu wählen, der eine gründliche Durchberatung des Statuts vornehmen soll. Die Idee, die Herr Gronemann bezüglich einer Verfassung vorgebracht hat, ist nichts als eine Selbsttäuschung. Das einzige, was wir im Sinne Gronemanus festlegen konnten, wäre unser Programm. Alles andere würde gerade die entscheidenden Fragen, um die es sich handelt, unentschieden lassen. Wir müssen ein Statut haben, das vollständig klar ist. Die Beratungen über das Organisationsstatut müssen interessanter werden, d. h. wir müssen mehr daran interessiert sein. Das wird geschehen, wenn wir uns darüber klar sind, daß es sich hier um ein Statut handelt, welches den nächsten Kongreß in seinen wichtigsten Fragen beherrschen soll. Wir müssen hier indirekt darüber beraten, was auf dem nächsten Kongreß geschehen soll in bezug auf die Frage der Leitung. Die Jahreskonferenz hat uns in dieser Beziehung gewisse Richtlinien gegeben, und zwar in bezug auf die Verlegung der Zentralleitung nach einem größern jüdischen Zentruni. Herr Dr. Marmorek ist zwar in seinem Briefe noch einmal auf London zurückgekommen, die Begründung ist aber eine derartige, daß wir uns vollkommen klar darüber sind, daß London als Zentrum der Bewegung unmöglich ist. Es ist unmöglich, in einem Moment, wo' die englische Federation vollständig zusammengebrochen ist, die Leitung nach England zu verlegen. Wir werden uns darüber nicht täuschen, daß der künftige Ort nur Berlin sein kann. Die endgültige Entscheidung bleibt natürlich dem Kongreß überlassen. Aber wenn wir hier ein Statut beraten, sollen wir uns darüber klar werden, was auf dem nächsten Kongreß aus dem Statut werden soll. Nun könnten allerdings diejenigen von uns, die in Berlin wohnen, und die schon auf dem vorigen Kongreß für das E. A. C. als Kandidaten aufgestellt waren, sich zu dieser Frage Schweigen auferlegen und warten, bis man au sie herantritt. Aber hier liegen die Dinge anders. Denn vor allen Dingen sind die Personen, die hier in Frage kommen, keine Kandidaten. Die Dinge in unserer Partei liegen gegenwärtig derart, daß wir uns persönlich darüber aussprechen müssen, was aus dein nächsten Kongreß werden soll. Deswegen haben wir, einige Berliner Herren, uns darüber ausgesprochen. Wir sind unter keinen Umständen dafür, daß das Bureau nach Berlin verlegt wird auf Grund einer zufälligen Abstimmung auf dem Kongreß. Wir wollen, daß die Angelegenheit vorher klar und deutlich besprochen wird und daß man uns von allen Seiten Vertrauen entgegenbringt, wie wir gleichfalls Vertrauen haben müssen. Eine Gesundung kanu nur dann eintreten, wenn ein allgemeines Vertrauensverhältnis geschaffen wird. Das ist möglich, wenn wir frühzeitig anfangen, uns klar und deutlich über diese Dinge auszusprechen. Wir sind der Ansicht, daß die gegenwärtige Sitzung des Actions- Comites daran gehen soll, den Kongreß vorzubereiten. Ich muß hervorheben, daß wir hier in Berlin und auch anderswo in Deutschland nichts von einem Tief stände des Zionismus, wie ihn Herr Dr. Marmorek in seinem Schreiben erwähnt, verspüren. Im Gegenteil, unsere Veranstaltungen in der Öffentlichkeit zeige^,, daß wir nicht wie Dr. Marmorek bei unserm Kongreß die Öffentlichkeit zu fürchten brauchen. Wir wollen auch keinen Kongreß haben, der nur unsere innern Angelegenheiten erledigt, es soll vielmehr ein Jubiläumskongreß, die größte Veranstaltung sein, die wir Zionisten bisher der Welt geboten haben. Und es ist die höchste Zeit, daß wir hier einen Entschluß fassen, wenn der Kongreß gelingen soll. Wir müssen vorher unsere organisatorischen Beschwerden erledigen, und dies kann nur das Große Actions- Comite tun. Ich hoffe, daß hier ein Ausschuß gewählt wird, der das Statut berät und das Ergebnis dieser Beratung der nächsten Sitzung des Großen Actions-Comites zur Beschlußfassung vorlegt, In der Sache selbst kann ich mich kurz fassen. Die Leitung der zionistischen Organisation muß dem Großen A. C. übergeben werden. Es muß ein Komitee von etwa 21 Mitgliedern sein, und dieses Komitee müßte identisch sein mit dem Aufsichtsrat unserer Banken und mit den Mitgliedern des Nationalfonds. Dann wird die Körperschaft die Macht haben, die ihr zukommen soll, und