Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 46 DIE2 Die Generalversammlung war zahlreich besucht, Gg\ H. D. Askenazy erstattete ein Referat über den Zweck der Gründung des Yereins und forderte die Anwesenden zum Beitritt au F. Nachher entwickelte sich eine sehr lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren Grg. Dr. Mayer, Karl Eisenstein, Dr. Eickeler, Frostig, Bodek, Dr. Heinrich Loewenherz, Philipp, Dr. Koch und Melzer beteiligten, worauf die Wahlen in das Präsidium und in den Ausschuß vorgenommen wurden. Das Ergebnis derselben ist folgendos: H. Simon Orange, Präsident; Dr. Herscli Askenazy, Vizepräsident; Oswald Wittlin, Schatzmeister; Dr. Klinghof er, hebräischer Sekretär; absolv. iuris Ki in ine Im an n, polnischer Sekretär; die Herren Dr. Pordes, Dr. Koch, Melzer, Sandler, Dr. Mayer, Dr. Emil Soinrnerstein und Moses Frostig als Ausschußmitglieder. Prag. Am 6. November hat hier der Distriktstag der Zionisten Böhmens stattgefunden. Die Versammlung war von 4 2 Delegierten besucht. Den Vorsitz lührte Herr Ernst B echert (Töplitz). Dem abtretenden D. K., dessen Präsident Herr Dr. Emil Mar gu Ii es den Rechenschaftsbericht erstattete, wurde einstimmig Dank und Vertrauen votiert. Ein besonderes Dankesvotum erhielt der Nationalfondskommissär Herr Moritz Löwy. Hierauf wurden die Wahlen in das neue D. K. vorgenommen und folgende Herren gewählt: Anton Glaser, J. U. Dr. Ludwig Singer, Moritz Löwy, Ingenieur Slonitz, Prof. Dr. A. Engel, Hugo Hermann , Angelo Gold stein. Zu Revisoren: Prof. Wertheimer, Emil Eisner. Ins Schiedsgericht: Dr. Kuh, Karl Resek, j. M. Redisch. In die Parteileitung: Bechert, Markus, Dr. Hirsch, Beutler, Nadscheradetz, Max Klein, Dr. Löwenstein, Dr. Margulies, Dr. Thieberger, Hoytasch, Fanta (Nachodj, Steiner (Karlsbad). Das neue D. K. konstituierte sich am 9. November. Zum Präsidenten wurde Herr Anton Glaser, zu Vizepräsidenten die Honen Dr. Singer und Dr. Engel, zu Schriftführern die Herren I i igenieur S lonitz,Her mann undGold stein gewäh lt. Zuschriften an das D. K. sind nur an Herin Ingenieur Hugo Slonitz (Prag, Klemensgasse 50) zu richten. Troppau. Am 7. und 8. Dezember d. J. findet in Troppau das zehnjährige Stiftungsfest des zionistischen Vereins „Jesehurun" statt, Die Vorbereitungen zu diesem seltenen Fest, welches in größtem Stil veranstaltet wird, sind bereits im vollen G-ange. Eingeleitet wird das Fest mit einer großen Volksversammlung, bei welcher die bedeutendsten Männer der zionistischen Organisation das Wort ergreifen werden. Der nächste Tag ist der Eröffnung der B e z a lel -Au s s t eil ung gwicluiet, für welche Austellungsgegeustände im Werte von mehreren Tausend Kronen bereits eingetroffen sind; ganz besondere Aufmerksamkeit werden die prachtvollen, liandgeknüpften Teppiche erregen. Die Festschrift des Vereins, welche außer der überaus interessanten Entwicklungsgeschichte des Vereins Originalbeiträge der hervorragendsten jüdischen Schriftsteller und bekanntesten Maler enthält, wird in den nächsten Tagen fertiggestellt. Die auswärtigen Gäste und heimischen (lg. wird <viu rituelles Bankett vereinen, zu welchem Zusagen schon jetzt entgegengenommen werden. Den Abschluß des in jeder Hinsicht hervorragenden Programms wird ein großes Militiirproinenadekonzert mit anschließendem Tanz bilden. Die große Zahl der bereits angemeldeten auswärtigen Gäste hat die Einsetzung einer besondern Wohnungssektion zur Folge gehabt, welche für gute billige Unterbringung der Gäste sorgen wird. Zimmerbestellungen sind rechtzeitig an Herrn Gg. Karl Weinreb, Troppau, zu richten. Wien. Vereinigung jüd. Hochschüler für hebr. Sprache und Kultur „Hatchijah". Wahlergebnisse: M. u. C. Abraham Schönbaum, Nassi, jur. Zwi Di es endruck, S'gan, phil. Efraim Sonn enschein, Maskir.—DieVerbindungsbude der akademischen Verbindung „Kadima" befindet sicli ab 10. November 1910, Wien I, Wiesingerstraße Nr. o. Eine Hilfsaktion für die galizischen Juden Zu der vorige Woche unter obigem Titel in der „N. J. K." veröffentlichen Notiz ist noch hinzuzufügen, daß an den Beratungen der verschiedenen jüdischen Korporationen, die vom 31. Oktober bis zum 2. November dauerten, auch die Vertreter des Wiener Hilfsvereins (vertreten durch Abgeordneten Dr. Mahler) und der B. B.-Loge in Krakau (vertreten durch Rabbiner Dr. Osias Thon, Krakau) teilnahmen. Die Beratungen führten vorläufig zu keinem bestimmten Ergebnis, da sich die Teilnehmer auf eine gemeinsame Plattform praktischer Tätigkeit in Galizien nicht einigen konnten. D;e Beratungen werden noch Ende dieses Monats in Wien fortgesetzt werden. Sollte es zu einer Verständigung kommen, so wird noch eine Konferenz größern Stils in Lemberg stattfinden, wo ein genauer Arbeitsplan entworfen werden soll. jgELT . ■ — 1221 Schweiz Zürich. Jüdisch-nationale Verbindung.. Maucabäa". Chargen - wahlen: jur. R. Bruckner X, jur. M. Grün fei dt X X, jur. Fritz Thalberg XXX. Lokai Bratensgasse 11 II Ungarn Ein antisemitischer Geheimbund in Ungarn Die letzte Nummer des Freimaurerblattes „A Vi lag" enthält einige sehr interessante Enthüllungen über die Existenz eines über das ganze Land verzweigten klerikal-antisemitischen Geheimbundes und veröffentlicht einzelne Paragraphen aus den Statuten dieser geheimen Vereinigung, die sich in Anlehnung an die Urgeschichte der Ungarn „Hunnisch-Magyarischer Blutsvertrag" nennt. Die Mitglieder des Verbandes, dem nur „christliche Ungarn kristallreinen Charakters" angehören dürfen, verpflichten sich, bei Bewerbung um eine Stelle oder bei Anstrebung eines Avancements usw. einander unter allen Umständen zu unterstützen und als Vorgesetzte die Bundesbrüder unbedingt, „auch wenn dies allgemeine Entrüstung hervorrufen sollte", andern Bewerbern vorzuziehen. Dali dieses eigentümliche Schutz- und Trutzbündnis in erster Linie gegen die jüdischen Beamten gerichtet ist, denen jede Möglichkeit des Vonvärtskommens unmöglich gemacht werden soll, geht aus der ganzen Tendenz des Bundes, wie sie in den Satzungen zum Ausdruck gelangt, deutlich hervor. Eine Nobilitierung Der König hat dem Präsidenten der Budapester orthodoxen jüdischen Kultusgemeinde, Moses Freudiger, und seinen gesetzlichen Nachkommen den ungarischen Adel mit dem Prädikate „von Obuda" verliehen. Wie verlautet, stehen noch zwei weiteren führenden Männern der ungarisch-jüdischen Orthodoxie Auszeichnungen bevor. Der Präsident der orthodoxen Landeskanzlei Adolf F ran kl soll nämlich demnächst zum königlichen Rat ernannt werden und der Rabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde Koppel Reich einen hohen Orden erhalten. Jüdische Professoren und Hörer an der Budapester Universität Vor einigen Tagen erschien das Jahrbucrf der Budapester König!. Universität, aus dem zu entnehmen ist, daß im Schuljahre 1909/10 die Gesamtzahl der Hörer 6751 betrug. Hiervon waren 2359, d. i. 34.95 °/u Juden. Demgegenüber zählt die Budapester alma mater unter 98 ordentlichen Professoren nur 3 Juden, alle an der philosophischen Fakultät. Im medizinischen Fach hat es noch kein Jude zur ordentlichen Professur gebracht, obwohl die hervorragendsten Ärzte des Landes Juden sind. Rußland Neue Judenausweisungen in Petersburg und Kiew Der Petersburger Stadthauptmann publizierte dieser Tage eine Verfügung des städtischen Handwerkeramtes, wonach 64 jüdische Handwerker wegen angeblicher Vernachlässigung ihres Berufes aus den Handwerkerlisten zu streichen seien. Demzufolge ordnete der Stadthauptmann die sofortige Ausweisung der betreffenden Personen an. Die Kiewer Polizei ist zurzeit eifrig an der Arbeit, sämtliche Handelsfirmen, an denen Juden beteiligt sind, daraufhin zu untersuchen, ob nicht solche Juden, die das Wohnrecht in der Stadt als Handwerker, oder aus einem andern ähnlichen Grunde genießen, sich mit dem Handel befassen. Als Ergebnis dieser Untersuchung sollen nicht weniger als sechzig Prozesse angestrengt werden. Zum Fall Qlusker Bekanntlich ist die Unschuld Gluskers, der unter der Anklage 'des Mordes zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, durch das nachträgliche Gerichtsverfahren gegen die wahren Mörder, das mit der Verurteilung derselben endete, hinlänglich erhärtet worden. Nichtsdestoweniger hat dieser Tage das oberste Kriegsgericht, bei dem die Witwe des unschuldig Hingerichteten die Revision des Prozesses nachgesucht hatte, das Revisionsgesuch abschlägig beschieden.