Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316406-3316451--54000-3347795- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
daß die Leitung, welche mit verschiedenen materiellen und physischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, ihr möglichstes getan habe, um das Arbeitsprogramm auszuführen. Wenn die Leitung im verflossenen Jahre nicht viel Greifbares geleistet hatte, so hat sie doch den Boden für eine zukünftige Betätigung durch eine ausgiebige schriftliche Propaganda urbar gemacht und ein gewisses Verständnis für den hebräischen Schulverein unter der jüdischen Bevölkerung beider Länder geschaffen. Angesichts dessen ersuchte der Redner um die Erteilung des Absolutoriums für den zurücktretenden Ausschuß. Hierauf erstattete Herr Israel Rath, Sekretär des „Histadruth", den Kassenbericht und hob dabei mit Bedauern hervor, daß die Sammlungen für den von der VII. Landeskonferenz der Zionisten Galiziens beschlossenen 100 OOO-Kronenfonds sehr langsam vor sich gehen. Die bis nun eingegangenen und bei der „Kredit-Union" in Lemberg erlegten 1140 Kronen sind ausschließlich das Werk des unermüdlich für die Sache des hebräischen Schulvereins tätigen Dr. Korngrün in Tarnopol. In der Debatte über den Tätigkeits- und Kassenbericht nahm als Erster das Wort Herr Dr. Alexander Hausmann und führte au?, daß die Schuld an dein Schneckengange der Fortentwicklung des hebräischen Schulvereins nicht die jüdische Bevölkerung des Landes, sondern die zionistische Parteileitung Galiziens trage. Redner stellt den Antrag, daß nicht nur dem zurücktretenden Ausschüsse für seine Tätigkeit — sozusagen — in der Wüste Decharge erteilt, — sondern auch den Herren Salomon Schiller, Israel Rath und Dr. Korngrün der vollste Dank der Jahresversammlung ausgedrückt werde. Der Antrag wurde per Akklamation angenommen. Das Referat über „Organisation und Agitation" erstattete nun in gediegener Weise Herr Dr. Korngrün. Er machte verschiedene wertvolle Vorschläge bezüglich des innern Aufbaus der „Histadruth" und der Agitation für die Sache und meinte, daß zwischen dem Schulvereine- und dem Lehrerverbande ein engerer Zusammenschluß durch Überweisung der Personalfragen der hebräischen Lehrer an einen speziellen Referenten im Präsidium des „Histadruth" geschaffen werden müsse. In der Gründung von neuen Schulen müsse vorsichtig vorgegangen werden. In erster Reihe aber sollen die bereits bestehenden Schulen gefestigt und auf eine sicherere Basis gestellt werden. Damit schloß die Vormittagssitzung. In der Nachmittagssitzung nahm als Erster das Wort Herr Dr. Spindel, Mitglied des C.-K. der galizischen Zionisten, um die IL Konferenz namens des C.-K. zu begrüßen. Dann wurde in die Debatte über das Referat des Dr. Korngrün eingegangen. Dr. Hausmann führte aus, daß die nächste Aufgabe des Scliulvereines die Gründung von hebräischen Kindergärten sein müsse. Im kommenden Arbeitsjahre # sollen also die Vorbedingungen hierfür durch Gründung von' Lehrstipendien für Kindergärtnerinnen geschaffen werden. Herr Schiller unterstützte " diese Ausführungen und meinte, daß zuerst ein mustergültiger Kindergarten am Sitze des „Histadruth" in Lemberg gegründet werden müsse, welcher gleichzeitig eine Erziehungsanstalt für Kindergärtnerinnen werden könnte. Für diesen Zweck spendete Herr Dr. Hausmann 200 K. Es sprachen noch einige Redner, worauf die Anträge des Referenten angenommen wurden. Nachher erstattete Herr Israel Rath in hebräischer Sprache sein Referat über „Die Aufgabe des hebräischen Schulvereins für Galizien und Bukowina". Redner schilderte die traurige materielle und geistige Lage der hebräischen Schulen und der Chedarim, kritisierte die mißlichen Zustände sowohl bezüglich der Gründung von Schulen als auch des Unterrichts in denselben. Es herrsche ein wahres Chaos in den Lehrmethoden sowie in den Dialekten, welches dazu führe, daß die Hebräischsprechenden aus zwei verschiedenen Städten mit einander sehr schwer in hebräischer Sprache konvenieren können. Es sei also die höchste Aufgabe des „Histadruth", Ordnung zu schaffen und eine einheitliche Unterrichtsmethode einzuführen und in erster Linie dahin zu streben, die Gründung von Schulen in eigene Regie übernehmen zu können. Als Korreferent sprach Herr Dr. Chaim Tartakower (Brody) ebenfalls Hebräisch über „Die nächsten Aufgaben des hebräischen Schulvereins". Das letzte Referat über „Die Lage der hebräischen Schulen in Galizien und in der Bukowina" erstattete in hebräischer Sprache Herr So f er mann, Obmann des hebräischen Lehrerverbandes für Galizien und Bukowina. Die Debatte über alle drei Referate wurde nun vereinigt und erfreulicherweise von den meisten Rednern in hebräischer Sprache geführt. An derselben beteiligten sich u. a. die Herren Bart, Barschad, Horowitz, Schorr und Schönbach. Nachher wurde die Wahl eines neuen Vorstandes vorgenommen. Nachdem Herr Salomon Schiller^von Lemberg nach Berlin übergesiedelt, mußte von seiner Neuwahl abgesehen werden. Es wurde nun im Sinne der Ausführungen des Herrn Dr. Korngrün ein dreigliedriges Präsidium, bestehend aus den Herren Dr. Philipp Korngrün (Präsident), Dr. Michael Ringel (Stellvertreter) und Israel Ratt (Sekretär) mit dem Sitze in Lemberg und außerdem ein Ausschuß von 18 Mitgliedern aus verschiedenen Städten Galiziens und der Bukowina gewählt. Zum Schlüsse dankte Herr Schiller den Mitgliedern für ihr Erscheinen und wünschte, der neugewählte Ausschuß möge viel Ersprießliches für den Schulverein leisten. Der neugewählte Präsident Herr Dr. Korn grün dankte Herrn Schiller für seine bisherige unermüdliche und aufopfernde Tätigkeit für die Sache der hebräischen Sprache und stellte den Antrag: Die II. Jahresversammlung ernenne Herrn Schiller zum Ehrenmitgliede und Ehrenpräsidenten des hebräischen Schulvereins. Nachdem Herr Schiller für die außerordentliche und schmeichelhafte Ehrung gedankt, wurde die II. Jahresversammlung geschlossen. Deutschland Hamburg. Arn Donnerstagden 3. November a. c. fand eine Mitgliederversammlung der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg- Altona statt, in welcher an Stelle des verhinderten Dr. Kichard Hu 1 d schiner Herr Dr. Halp ern die jüngst erschienene „Pa - lä,stinat'-Nnnimor der „Weltu besprach. Der Referent erläuterte in überaus interessanten Ausführungen die einzelnen Artikel des epochemachenden Werkes, welches die weiteste Verbreitung in allen jüdischen Kreisen verdient. In der Diskussion nahm der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe für hebräische Sprache und Kultur, Herr Dr. Max Schlössinger, das Wort und setzte 'die Bestrebung seiner Organisation auseinander. Nach eingehender Debatte, an der sich die Herren Lewandowsky, Dr. Fink, Michael, M ay e r und Rechtsanwalt Dr. Tannen w a 1 d beteiligten, wurde beschlossen, in Hamburg hebräische Sprachkurse einzurichten, worauf eine größere Zahl von Mitgliedern ihre Teilnahme zusagte. Siegburg. Nach längern Bemühungen ist es gelungen, auch in unserer Stadt das Interesse für den Zionismus neu zu erwecken. Bereits vor einem Jahrzehnt hatte sich hier eine ansehnliche Gruppe gebildet, die aber — wie dies leider in sehr vielen Orten des Rheinlaudes geschah — mangels einer zielbewußten systematischen Unterstützung und Arbeit von außen, sich wieder auflöste. Der Gruppenverband „Rheinland" hatte nun für Samstag den 12. d. M. die Juden Siegburgs zu einer Versammlung eingeladen, die einen sehr guten Besuch aufzuweisen hatte. Die Versammlung fand im Beratungssaale der Synagogengenieiude statt. Nach einer kurzen Begrüßungsansprache des Herrn Abraham Reinhardt wurde Herr Lehrer Seelig aus Siegburg zum Versammlungsleiter gewählt. Herr Adjlf Pollak aus Köln hielt einen Vortrag über „das moderne jüdische Problem", an den sich eine lebhafte und anregende Aussprache über die zionistischen Grundprinzipien anschloß. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Levysohn, Walther und Soelig. In seinem Schlußworte konnte der Referent konstatieren, daß ein verständnisvolles Interesse für unsere Bestrebungen sich in den hiesigen jüdischen Kreisen zeige, das auch von praktischem Erfolge begleitet war, indem eine Anzahl von Herren. den Beitritt zur zionistischen Organisation erklärten. Hoffentlich gelingt es, noch im Laufe dieses Winters hier eine lebenskräftige Ortsgruppe zu bilden. Österreich Lemberg. Sonntag den 6. d. M. fand liier unter dem Vorsitze des Gg. H. Simon Orange die erste konstituierende Generalversammlung des neugegründeten zionistischen Vereins „Zion" statt. Dieser Verein ist eigentlich keine vollständige Neugriindung, sondern eine Wiederaufrichtung des vor einigen Jahren eingegangenen ersten zionistischen Vereins in Galizien unter obengenanntem Namen ..Zion". Spurlos ist jener Verein nicht eingegangen, aus dessen Mitte einige Studentenverbindungen, der Verein „Tikwath- Zionu und sogar der poaie-zionistische Handelsangestellten- und Arbeiter-Verein .. Achwah" hervorgingen. Eine große Zahl der damaligen Mitglieder ist aus verschiedenen Gründen zerstreut geblieben, ohne in irgendeinem engeren Kontakte mit der Bewegung zu stehen. Um also jene Zerstreuten wieder zu sammeln und neue Anhänger für unsere zionistische Sache zu gewinnen, für sie einen Sammelpunkt zu schaffen, wird der Verein „Zion44 aufgerichtet. Gemäß den Intentionen der Gründer und Kinberufer solle der Verein in den Fußstapfen des so rühmlich bekannten alten „Zion" weiter schreiten.