Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Bs wurde die Notwendigkeit hervorgehoben, zu allen Fragen der österreichischen Politik Stellung zu nehmen, ferner die Anstellung eines besoldeten Administrators für das Parteiorgan und eines besoldeten Parteisekretärs verlangt. Nach den Schlußreden der Herren Herz, Dr. Rosenfeld und Kaplan sky wurde der abtretenden Exekutive das Vertrauen votiert und der Dank des Parteitags für ihre Tätigkeit ausgesprochen. Del. Ignaz Kandel (Przemysl) referiert über die IL Konferenz des Universellen Jüdischen Sozialistischen Arbeiter Verbandes Poale-Zion, die im Dezember 1909 in Krakau abgehalten wurde, und begründete die Haltung der österreichischen Delegierten bei der Beratung des Organisationsstatuts des Verbands, der Frage der Stellung zum Zionistenkongreß und der Agrar- und Genossenschaftsfrage in Palästina. Der Referent lehnt alle, Vorschläge bezüglich der Gründung eines provisorischen Arbeit Sekretariats in Palästina ab. Der Beschluß der Weltkonferenz soll erst durchgeführt werden, nachdem der in Krakau aufgestellte Kostenvoranschlag von 4-500 Kronen jährlich gesichert sein wird. Redner wendet sich auch gegen die Übertragung des Verbandsbureaus sowie der Verwaltung des Palästina-Arbeiterfonds im gegenwärtigen Zeitpunkt nach Palästina. Man könne die Leitung der Politik und Arbeit des Weltverbandes unmöglich 200—300 Partreigenossen in Palästina übertragen. Die außerpalästinensischen Landesparteien seien nicht bloß Sammelstellen für die Partei in Palästina. Über die Palästinaarbeit der Poale-Zion entscheiden alle Landesparteien, dje Rechte der palästinensischen Landesorganisation seien im Organisationsstatut genügend gewährleistet. Redner verwirft alle Vorschläge, die den Beschlüssen der Krakauer Konferenz widersprechen, und unterzieht einer abfälligen Kritik die Anträge bezüglich "der nächsten Tätigkeit des Palästina-Arbeiterfonds, die in keinem*Verhältnis zu den Mitteln desselben stehen. Wir wollen eine proletarische Politik in Palästina, aber keine Armeleut-Politik. Redner unterbreitet nachstehende Resolutionen: I. Der Parteitag billigt die Stellung der österreichischen Delegierten bei der Weltkonferenz in Krakau zu allen Punkten der Tagesordnung und schließt sich den Konferenzbeschlüssen bezüglich der Palästinaarbeit rückhaltlos an. II. Der Parteitag begrüßt mit wahrer Freude das Erscheinen unseres palästinensischen Bruderorgans „Ha-achduth" und fordert alle Genossen auf, denVerlagund das Organ „Ha-achduth" mit aller Kraft zu unterstützen, und empfiehlt den Vereinen, im Laufe eines Jahres zumindest je eine Aktie des Verlags „Achduth" zu erwerben. III. Die 3. Resolution verlangt die energische Eintreibung der Verbaridssteuer. IV. Der Parteitag begrüßt aufs herzlichste das Entstehen des Palästina-Arbeiterfonds und konstatiert mit Genugtuung, daß er sich befriedigend entwickelt. Der Parteitag drückt der Zentralverwaltung des P. A. F. sein volles Vertrauen und seinen Dank aus für ihre Tätigkeit zugunsten des Fonds und gibt dem Wunsche Ausdruck, daß auch in der Zukunft die Wiener Zentral Verwaltung zugleich die Funktionen der österreichischen Sammelstelle ausüben möge. Der Parteitag beschließt, eine großangelegte Agitation für diesen Fonds zu entfalten und fordert jeden Parteigenossen und jede Genossin auf, mit aller Energie für die Popularisierung und Vergrößerung des Palästina- Arbeiterfonds zu wirken. Alle Parteiangehörigen müssen die Agitation für den P. A. F. als ihre vornehmste und heiligste Parteipflicht betrachten. V. Der Parteitag erachtet es für dringend notwendig, daß das Palästina-Arbeitssekretariat mit seiner Tätigkeit beginnt, sobald das von der Weltkonferenz aufgestellte Budget gesichert sein wird. VI. Der>Parteitag wendet sich an das Verbandsbureau mit dem Wunsche, seine Zustimmung zur Verwendung von Mitteln des Palästina-Arbeiterfonds nur dann zu erteilen, wenn zumindest 6000 Kronen verfügbar sein werden. (Lebh. Beifall.) Herr Alexander Barchasch (Boryslaw) referiert über die Tätigkeit der Delegation beim IX. Zionistenkongreß in Hamburg. Die poalezionistischen Delegierten haben von der Weltkonferenz Direktiven erhalten und sind geschlossen vorgegangen. Der dem Kongreß vorgelegte Entwurf Bodenheimer war für die Partei indiskutabel, denn er bedeutete die Aufhebung des Föderativprinzips der zionistischen Organisation. Aber auch die Bestimmungen des neuen Organisationsentwurfs bezüglich der „Vereinsverbände" sind unannehmbar für die Poale Zion. Redner befaßt sich im weitern Verlauf seiner Ausführungen mit dem Beschluß bezüglich der Genossenschaft und bezeichnet ihn als einen bedeutsamen Gewinn für den sozialen Fortschritt und für den Zionismus. Die Gründung der P. L. D. C. hat die poale-zionistische Fraktion gebilligt, denn wir erblicken in der Landentwicklungsgesellschaft eine wichtige Parzellierungsinstitution, die in den ersten Stadien ihrer Tätigkeit auch für proletarische Einwanderer von Nutzen sein kann, indem sie Arbeitsgelegenheit schafft und die Erziehung zur Landwirtschaft Und Ackerwirtschaft erleichtert. Die Resolution der Fraktion bezüglich des Nationalfonds wurde lediglich aus taktischen Erwägungen, zurückgezogen, um die Abstimmung über die Siedlungsgenossenschaft nicht zu komplizieren. Der grundsätzliche Standpunkt der Partei ist unverändert und stimmt völlig mit dem des V. Zionistenkongresses in Basel überein. Der Nationalfonds ist ein Landfonds, — nichts mehr. Er darf nur Boden einkaufen und ihn bewirtschaftungsfähig machen. Für Kreditzwecke darf er nicht benützt werden. Das Budgetrecht des Kongresses wird dadurch illusorisch gemacht. Den Verfügungsrechten des Direktoriums müssen im Kongreßstatut Schranken gesetzt werden. Redner unterbreitet folgende Entschliessungen: I. Der Parteitag billigt die Haltung der Kongreßdelegation in Hamburg, begrüßt den Beschluß des IX. Zionistenkongresses bezüglich der Gründung einer genossenschaftlichen Siedlung in Palästina, macht es den Parteigenossen und der Organisation zur Pflicht, für den Genossenschaftsfonds zu arbeiten und fordert das Verbandsbureau auf, dafür zu sorgen, daß der Beschluß des Kongresses bezüglich der Zusammensetzung der Verwaltung des Genossenschaftsfonds eingehalten wird. II Der Parteitag verwirft den zentralistischen Organisationsentwurf Dr. Bodenheirners als unannehmbar, insbesondere betrachtet der Parteitag die Bestimmungen des Entwurfs bezüglich der Steuerpflicht der „Vereinsverbände" (Föderationen). gegenüber den zionistischen Landesorganisationen für indiskutabel für die Partei. Für die Gründung einer Föderation sollen ihr Sonderzweck und die Zahl von 3000 Schekelzahlern maßgebend sein. III. Der V. Parteitag beharrt auf dem Beschluß des V. Zionistenkongresses in Basel (1904) bezüglich des Jüdischen Nationalfonds. Wir betrachten diesen als einen Fonds, dessen Zweck es ist, Boden als Gemeineigentum des Volkes zu erwerben und ihn bewirtschaftungsfähig zu machen. Die Verwendung des Nationalfondsvermögens für andere Zwecke ist unzulässig. (Lebhafter Beifall.) In der Diskussion über beide Referate beteiligten sich Dawidsöhn (Rzeszöw), Steinmetz (Czernowitz), Kaplansky (Wien) u. a. Die Resolutionen^wurden mit ailen gegen zwei Stimmen zum B eschluß erhoben. Über einen Antrag, die „Stellung zum Zionistenkongreß" auf die Tagesordnung des nächsten Parteitags zu setzen, wurde zur Tagesordnung übergegangen. In der Nachtsitzung wurde hierauf das neue Organisationsstatut einer eingehenden Diskussion unterzogen und angenommen. Am folgenden Tage überbrachte Leon Chasanowitsch dem Parteitag die Grüße der jüdischen sozialistischen Partei Poale Zion Argentiniens. Er schilderte die Zustände im Judentum Argentiniens, die Brutalität der Regierung gegenüber der Arbeiterbewegung, den Absolutismus der Ica-Administration in den Kolonien und bittet die österreichische Poale Zion, das jüdische Proletariat und die Judenheit des fernen Landes in ihrem Freiheitskampfe zu unterstützen. (Anhaltender Beifall.) Hierauf wird nach großem Beifall eine Resolution angenommen, in der die Aufmerksamkeit der jüdischen öffentlichen Meinung auf die Anklagen gelenkt wird, die gegen die Ica-Administration in Argentinien erhoben wurden, deren unheilvolle Wirksamkeit das Siedlungswerk in Argentinien in eine schwere Krise gestürzt hat. Der Parteitag erhebt Einspruch gegen die willkürliche, der öffentlichen Kontrolle entzogene Verwaltung des von Baron Hirsch hinterlassenen Volksvermögens durch volksfremde und volksfeindliche Elemente. Die Resolution versichert die jüdischen Arbeiter des Landes und die ausgewiesenen Parteigenossen Chasanowitsch und Sorkin der werktätigen Sympathie des Parteitags. (Fortsetzung folgt.) Zweite Jahresversammlung des hebräischen Schulvereins für Galizien und Bukowina Im Lesesaale des jüdisch-akademischen Studentenheims in Lemberg fand am Sonntag den 30. v. M. die zweite Jahresversammlung des „Histadruth", des hebräischen Schulvereins für Galizien und Bukowina, statt. Herr Salomon Schiller, der bisherige Präsident des Vereins, erstattete den Bericht über die Tätigkeit im verflossenen Jahre. Redner führte einzelne Daten über das Geleistete an und meinte