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Die Welt · 1910-11-18 · 46 (18.11.1910) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
46 (18.11.1910)
Date
1910-11-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1212 =DIE| V stellen kann, hat die Kommission in ernster Arbeit Rechnung getragen, und das Elaborat, daß sie dem Actions-Comite unterbreitet, wird unter diesen Gesichtspunkten zu prüfen sein. Sie hat insbesondere den Versuch einer Lösung der so schwierigen Föderationsfrage unternommen und schlägt weiter bezüglich der Neueinrichtung der Leitung höchst beachtenswerte Abänderungen der bisher bestandenen Normen vor. Das Actions-Comite wird sich sodann mit unsern Presseeinrichtungen sowie mit den Institutionen für die wirtschaftliche Arbeit in Palästina zu beschäftigen haben, wie ja überhaupt unsere Arbeit in Palästina den Kristallisationspunkt der Debatten bilden wird. Einen vornehmlichen Raum in den Beratungen wird wie in jeder Sitzung der letzten Jahre die Finanzfrage einnehmen. Wenn mit Fug und Recht von der Leitung verlangt wird, daß sie mit den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln das Auskommen finde, so muß ebenso die Leitung mit Fug und Recht erwarten, daß ihr auch die nötigen Mittel gewährt werden. Die Schekeleingänge bleiben in dieseniJahre weit hinter jenen eines Kongreßjahres zurück. Das Actions-Comite wird deshalb andere Wege finden müssen, um die Deckung des ordentlichen Budgets zu ermöglichen. Das Actions-Comite hat das Recht, die Besteuerung unserer Finanzinstitutionen vorzunehmen. Wenngleich es noch fraglich ist, ob das Actions-Comite von diesem Recht Gebrauch machen wird, muß jedenfalls die Frage der Finanzen und ihrer Deckung als eine dringliche und schwerwiegende bezeichnet werden. Wir haben hier nur die nach unserer Meinung wesentlichsten Punkte der aufgestellten Tagesordnung besprochen. Wir und mit uns jeder Angehörige der Bewegung hoffen, daß sich die Beratungen der Sitzung des Actions-Comites im Geiste der Beschlüsse der Jahreskonferenz vollziehen werden: Im Geiste brüderlicher Eintracht und Einigkeit, in der Erkenntnis der aktiven Kraft, die nach Herzls schönem Wort unsere Bedeutung ist. Chalukah Von Eli Akim Das hebräische Wort Chalukah, das eigentlich Verteilung im allgemeinen bedeutet, bezeichnet die Verteilung von Armen- und Ehrengaben irn Lande Israel, insbesondere in den vier heiligen Städten Jerusalem, Hebron, Tiberias und Zefath (Safed), ohne sich aber ausschließlich auf die genannten Städte zu beschränken. Vielmehr bekommen auch eine geringer« Anzahl von Einwohnern anderer Orte, so Jaffaer und Haifaer Juden, ja sogar Einwohner der Kolonie Pethach-Tickwah ihren Anteil an diesen Armengeldern. Der Ursprung der Chalukah ist nicht zu alt. In ihrer jetzigen Organisation ist sie sogar jung. Aber die Ehrengaben für Jerusalem sind so alt, wie die Herrschaft des jüdischen Volkes in Zion. Mit der Übersiedlung des Stiftzeltes und dem Errichten des Salomonischen Tempels gewohnten sich die Angehörigen des hebräischen Stammes, fromme Gaben auch außer den Opfern nach Jerusalem au heiliger Stelle zu stiften. Die Gaben waren so reich und zahlreich, daß es später für die liahsucht der Römer ein besonders ergiebiges Feld war, die Tempelschätze zu berauben und durch diese ständigen Plünderungen das Volk dauernd künstlich im Aufstand zu erhalten. Als der Tempel ii Flammen aufgegangen war, hatten die römischen Gewalt- [ELT ...................= Mo. 46 haber bestimmt, die jährliche Schekelgabe der Juden, die nunmehr wenigstens für den Tempel in Wegfall kommen mußte, sollte als fiscus judaicus in Form einer Kopfsteuer an den römischen Staatssäckel abgeführt werden. Gleichwohl erhielt sich neben und viel länger als diese Gewalthebung die freiwillige Spende der Juden für den Rest Israels an heiliger »Stätte. Es galt als ganz besondere Pflicht der Pietät, fromme Spenden für den Überrest Israels irn Lande Israel zu spenden. Hat doch sogar die neuentstehende christliche Gemeinde in ihrer allerersten kirchlichen Auseinandersetzung aut dem sogenannten Apostelkonzil ebenfalls die Bestimmung getroffen, daß für die Jerusalenicr Stammgemeinde von den übrigen Gläubigen gespendet und gesammelt werden sollte. Um wie viel mehr sollten die Juden dies tun, deren ganze Vergangenheit und deren ganze Zukunft mit Zion und Jerusalem unlöslich verbunden war. So erbte sich die schöne Sitte fort, für die kleine Siedlung im alten Stammlande fromme Gaben zu spenden. Es war ein .Akt der Pietät, der zugleich mit der Hoffnung verbunden war, daß dieser so oft vernichtete und immer wieder von neuem angesetzte Rest von Juden im Judenlande die Menschensaat sein sollte, aus der eine neue Zukunft dereinst erblühen würde. In neuer Zeit war es besonders der große Talmudist Elijjaiiu, mit dessen Tätigkeit die bescheidene Wiederau siedlung von Juden im alten Stammlande begann. Dieser große Rabbi, den die jüdische Mitwelt kurzweg die y}Hoheit", den Gaon von Wilna nannte, ein Name, der dem "bedeutenden Manne bis auf den heutigen Tag verblieben ist, hatte sich im Gegensatz zu der schwärmerischen Ergriffenheit seiner Umgebung nicht den mystischen Verzückungen hingegeben, sondern den klaren Blick für die Einfachheit und zugleich Vielgestaltigkeit der umgebenden Welt voll bewahrt. Er erhielt den weiten Blick und die feine Beurteilung der Zustände, in denen seine Nation lebte, und hielt auch tun alten Messiasglauben fest, den er sich durch den Persijiilichkeitskultiis der großen aufstrebenden chassidischen Bewegung nicht nehmen und nicht verändern ließ. Dieser alte Messiasglaube ging aufs engste , mit der klaren und dem Mystizismus abholden Auffassung zusammen, die dieser größte Talmudist seiner Zeit vom Judentum und von der Welt überhaupt hatte. Er war im Judentum, vornehmlieh im brodelnden polnisch-russischen Teile der Judenheit, der feste Geist, der gewissermaßen den ruhenden Pol in all der Unruhe um ihn her bildete. Dieser Mann, der durch seine mathematischen und grammatischen Studien zeigte, daß er nicht mystisch fühlte, dafür aber um so exakter dachte, war nach Jahrhunderten der erste, der an eine planmäßige Besiedlung Palästinas durch Juden dachte. War er doch der Mann, der im Gegensatz zum Chassidismus die ruhige Klarheit talnmdischen Benkens bewahrte. Mit der Einfachheit, die nur dem genialen Manne eigen ist, ergriff er die Judeniiot an der Wurzel und wurde im aschkenasischen, d. h. deutsch- und jüdisch-deutsch-red enden Teile der Judenheit der erste, der die einzige Lösung der Judenfrage erkannte. Er wollte in irgendeiner Form die Wiederherstellung des Volkes Israel im Lande Israel herbeiführen. Er veranlagte seine Schüler, für die Wiederansiedlung von Juden in den Städten des heiligen Landes tätig zu sein. In einer Zeit, wo es nicht bloß an allen modernen Mitteln des Verkehrs fehlte, sondern wo vor allem die eigene Ohnmacht, Schwäche und Zerrissenheit es dem jüdischen Volke unmöglich machte, etwas Praktisches und Positives auf wirtschaftlichem oder politischem Wege zu schaffen, spannte er die religiöse Begeisterung und alte Pietät vor

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