Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 46 (18.11.1910)
- Date
- 1910-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 31 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIV. JAHRO. KÖLN, 18. November 1910 iminb So'Wtf ]W\1 t"ü No. 46. ^l! V u VOR DER SITZUNG DES ACTIONS-COMITES In vier Tagen werden sich die Mitglieder des Actions-Comites in Berlin zur ersten Sitzung seit der Jahreskonferenz versammeln. Ihre Tagung steht unter einem herzlichem Zeichen als diejenige, die Ende Juni zusammentrat. Durch den Einigungsbeschluß wurden alle Mißhelligkeiten und Unstimmigkeiten hinweggeräumt und eine von Mißverständnissen freie Atmosphäre geschaffen, die der Beratung des Actions-Comites einen ungetrübten, sachlichen Verlauf prognostizieren läßt. Sie wird den Charakter einer Arbeitskonferenz uneingeschränkt tragen. Es ist dies ein erfreuliches Zeichen, das Rückschlüsse zuläßt auf den Zustand unserer Bewegung überhaupt. Je stärker eine Partei wird, je diffiziler die Angelegenheiten sich gestalten, auf die sie ihr Augenmerk zu richten hat, um so sachlicher, um nicht zu sagen nüchterner, werden die Beratungen ihrer verantwortlichen Führer, wenn sie von Zeit zu Zeit über die zurückgelegte Periode Rückschau halten und daraus die erforderlichen Leitsätze für die zukünftige gemeinsame Tätigkeit formulieren. Viele und wichtige Gegenstände harren der Besprechung und Erledigung durch das Actions-Comite. Vor allem dringend erscheint die Verabschiedung des Organisationsstatuts, das die von der Jahreskonferenz ad hoc eingesetzte Kommission in gründlicher Vorarbeit entworfen hat und zum letzten Urteil, ehe der Kongreß sich damit beschäftigt, dem Actions-Comite vorlegt. Organisation ist die zweckentsprechende Zusammenfassung und Verwertung der Kräfte der Allgemeinheit für die Erstrebung eines einzigen von allen gewünschten Zieles. Die Form, in der diese Zusammenfassung geschieht, die Möglichkeit, die sie dem einzelnen zur Mitarbeit bietet, muß der Größe der Aufgabe entsprechen. Das Prinzip, nach dem allein eine Organisation ihre Gesetze konstruieren karrn, ist das des Demokratismus. „Alle für einen, einer für alle!" Gilt dies für jede Organisation, so gilt es um so mehr für unsere Bewegung, die, von nationalen Gesichtspunkten ausgehend, alle diejenigen umfaßt, welche sich zum Baseler Programm bekennen, also die verschiedenartigsten Strömungen in ihren Aktionsradius ziehen muß, die sich nach Sprache, Wohnland und Weltanschauung differenzieren. Dag Beste, das jeder zu sagen, zu raten und zu tun weiß, ist für die Sache des jüdischen Volkes gut genug, und wir können und dürfen auf die Mitarbeit keines einzigen, der sich unsern Reihen anschließt, verzichten. Und das Wesen eines jeden Statuts, einer jeden Arbeitsordnung muß bleiben: Freiheit der Betätigung für jeden innerhalb der von der Allgemeinheit normierten Grenzen. Ein Darüberhinaus wäre von Schaden, weil dann die Gefahr bestünde, daß die Leitung, die mit der Durchführung der beschlossenen Aktionen betrauteKörperschaft, die Übersicht über die zu Gebote stehenden Kräfte verliert, aber auch, weil die Gefahr bestünde, daß der Rahmen des Programms, des von allen beschworenen Grundgesetzes, durchbrochen wird. Aber auch ein Unter-dieser-Grenze-Bleiben wäre von Obel. Denn unsere Bewegung, die das ideale Streben eines Volkes in lebendige Tat umsetzt, hat ein gegründetes Recht darauf, von jedem die Einsetzung aller seiner Kräfte, sein Bestes und Höchstes zu fordern. Würde nicht jeder diese Forderung verstehen und erfüllen, dann würde unsere Bewegung nach kurzer Zeit statt eines Leben spendenden, Kräfte aufspeichernden Organismus eine leerlaufende Maschine sein und den Zusammenhang mit der Volkspsyche, dem Massenbewußtsein und dem Massenideal verlieren. Sie würde auf das Niveau einer von Dogmen beherrschten engbrüstigen Partei herabsinken und könnte keinesfalls mehr den Anspruch darauf erheben, im Namen des jüdischen Volkes, dem sie ihr Sein, ihre Existenzberechtigung verdankt, zu sprechen und zu arbeiten. Diese Gefahr freilich — das können wir ja zu jeder Stunde konstatieren — ist nicht vorhanden. Das Programm, das uns eint, ist weit und groß genug, um jedem die Mitarbeit an dem Werk der Wiederaufrichtung des Judentums zu gestatten. Es drückt in schlichter und klarer Weise alles das aus, was ein freiheitlich gesinntes, zielbewußtes Volk erstrebt und hofft: Einigung, Wegrichtung und Ziel. Und so muß jede Aufstellung einer Arbeitsordnung von der Kardinalforderung ausgehen, daß sich jeder, der sich einen Wirkungskreis, der seinen Fähigkeiten entspricht, erkoren hat, als dienendes Glied dem Ganzen anschließe. Den Ansprüchen, die man solcherart an ein Statut 2 — m : t * I