Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nö. 45 DIEOTELT 1201 Leute auf Gegenden absehen, wo. zwar der Boden viel teurer ist, dessen Besiedlungsfähigkeit aber sicher. t*und nicht wie bei Rapha ■in unerprobtes Experiment mehr ist Das hygienische Institut in Palästina In dem Aufsatz „Das hygienische Institut in Palästina" von i)r. Hans Mühsam in der Palästinanummer der „Welt" war mter den Mitgliedern des Ehrenkomitees auch Professor \)y. Hamburger (Groningen) aufgeführt. Wie uns Herr Dr. \Iühsam berichtigend mitteilt, gehört Professor Dr. Hamburger lern Ehrenkomitee nicht an. Palästina-Ansichtskarten Im „Jüdischen Verlag" in Köln ist soeben nine neue Palästinaansichtskartenserie erschienen, welche in zwanzig!arbigen . Aufnähmen Bilder aus dem jüdischen Palästina der- Gegenwart bringt. Neben Gesamtansichten der groß» rn Städte des Landes, wie Jerusalem und Jaffa, enthält die Serie Abbildungen aus den größern Kolonien, die uns den gegenwärtigen Stand des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina in anschaulicher Weise vor Augen führen, da sie die Wiedergabe von Naturaufnahmen (Photographien) darstellen Die Reproduktionen fesseln unsere Aufmerksamkeit vor allem durch die wundervolle Farben gebung, die in reizvollen Abtönungen die Farbenstimmungen der orientalischen Landschaft wiedergibt. Jedes der kleinen Bildchen darf als ein Kunstwerk seiner Art bezeichnet werden, das Uns zeigt, bis zu welcher Vollendung die moderne Reproduktionstechnik in der Wiedergabe lebendiger Farbentöne gediehen', ist. Den neuen Karten, die wohl zu dem Schönsten zählen, was an farbigen Palästinabildern bis jetzt reproduziert wurde, wünschen wir eine große Verbreitung. Ihr Reinerträgnis Hießt dem Nationalfonds zu. Lord Rothschilds 7a. Geburtstag Am 8. November hat Lord Rothschild in London seinen TO. Geburtstag gefeiert. Er ist der Sohn des im Jahre 1879 verstorbenen Barons Lionel de Rothschild. Er studierte ander Cambridger-Universität, wo er sich die Freundschaft des Prinzen von Wales, des nachmaligen im Mai 1910 verstorbenen Königs Eduard VII. erwarb und gehörte von den Jahren 1865—1885 dem Unterhaus an. Dann berief ihn Königin Vikt oria als lebenslängliches Mitglied in das Oberhaus. Er ist Präsident des Rates der United Synagogue, in welcher etwa 20 große Synagogen vereinigt sind. Als Präsident der Jews' Free Sehool, der größten Schule im britischen Reiche hat Lord Rothschild sich große Verdienste um das jüdische Schulwesen in England erworben. Seine wenn auch erfolglose so doch mutige Stellungnahme gegen die Aliens Bill ist noch in Erinnerung. Die jüdische Gemeinde hat seinen Geburtstag durch die Überreichung eines Gratulationsalbums mit den Unterschriften der Präsidenten aller jüdischen Institutionen Englands gefeiert. Die Überreichung fand am Mittwoch Nachmittag in New Court, dem Sitze der Rothschildschen Bank statt. An demselben Tage überreichte auch der Vorstand der vereinigten Synagogen Londons Lord Rothschild eine Adresse. Jubiläum eines hebräischen Dichters Die jüdische Intelligenz Rußlands feierte in der vergangenen Woche das fünfzigjährige Diehterjubiläum des populären Schriftstellers M. Levin („Jehallel"l. Herr Levin zählt zu den bedeutendsten hebräischen Autoren der Gegenwart. Er hat viele Gedichte und Essays veröffentlicht und u. a. auch Disraelis „Tancred ins Hebräische übersetzt. Einer seiner Schüler, Herr L. Brodsky, wird eine komplette Ausgabe der Werke Levins veranstalten. Botschafter Oskar Straus Dem New Yorker „American Hebrew" wird aus Washington berichtet, daß Botschafter Straus, der bekanntlich seinen zweimonatlichen Urlaub in Nordamerika zubringt, den diplomatischen Dienst verlassen und ständig in seiner Heimat bleiben will. Er berichtete dieser Tage dem Präsidenten Taft, daß alle zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten schwebenden Angelegenheiten, zu deren Orlnung er bestimmt worden war, nunmehr in zufriedenstellender Weise erledigt seien. Er halte daher seine Mission für beendet. Er hat jedoch nicht demissioniert und wird, wenn der Präsident, darauf besteht, wieder nach Konstantinopel zurückkehren. Es wird in dieser Angelegenheit nichts Endgültiges vor Ablauf des Urlaubs des Botschafters unternommen werden. Es scheint nicht wahrscheinlich zu sein, daß' er, wie zuerst berichtet wurde, nach Japan gehen wird. Gegen die Taufseuche ^[Am 3.November fand in Berlin eine Versammlung des Zentralverein s deutscher Staatsbürger jüdischen Glauben s statt, in der das Thema „Judentaufen" auf der Tagesordnung stand. Nach einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Justizrats Dr. Horwitz, wies der erste .Redner des Abends, Rabbiner Dr. Weiße, aus der Geschichte des Judentums nach, daß das Renegatentum nicht nur zur Heidenzeit dein Judentum die schlimmsten Wunden geschlagen, sondern auch bis in die neueste Zeit unzählige Unstimmigkeiten zwischen Christen und Juden veranlaßt habe. An einer Reihe von. Beispielen zeigte er, daß jüdische Elteiii, die aus falsch verstandener Liebe ihre Kinder der Taufe zuführen, sich diese nur dadurch entfremden. Als zweiter Redner beleuchtete der Syndikus des Zentralvereins Rechtsanwalt Dr. Holländer vom praktischen Gesichtspunkt aus die Erbärmlichkeit der ohne innere Überzeugung erfolgenden Ubertritte. Beide Redner ernteteii mit ihren Ausführungen stürmischen Beifall. Hierauf fand [olgende Resolution einstimmige Annahme: „Die am 3. November 1910 in der Philharmonie versammelten 100Ö deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens legen Verwahrung ein gegen das Vorgehen des Staates, der durch Beförderung und Auszeichnung getaufter Juden UnWahrhaftigkeit und Gesinnungslosigkeit züchtet. Die Versammlung f orcl ext v on j e d em Juden, daß er nicht durch Lässigkeit bei dem Ubergetretenen den Glauben aufkommen lasse, als sei seine Treulosigkeit unserin sittlichen Empfinden gleichgültig. Die Versammlung erwartet, daß alle Juden sich ihrer Pflicht bewußt sein werden, Schwankende auf die.UnSittlichkeit eines aus äußern Gründen erfolgenden Übertritts hinzuweisen, und insbesondere Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre Kinder dem Judentum zu entziehen, über die Tragweite dieses verwerflichen folgenschweren Schrittes aufzuklären." Judenverfolgung in Persien Bei einem.kürzlichen Uberfalle auf das Judenviertel in Sein ras sind 11 J uden getötet, und 15 verwundet worden. Sämtliche Häuser des Viertels wurden völlig ausgeplündert. Zur Linderung der Not der etwa 5000 Personen zählenden jüdischen Bevölkerung haben die Ortshehörden und der britische Konsul Sammlungen veranstaltet. rr= 7^ =L^= SPRECHSAAL j^^—^ Warschau, den 9. Oktober 1910) Sehr geehrte Redaktion! *) In der diesjährigen „Welt" haben wir eine ganze Reihe von interessanten Aufsätzen und Ausführungen über die Jüdische LebensversicherungsgeselJschaft von unsern Gesinnungsgenossen Dr. Theilhaber, Schachtel, Dr. Leszynski, Hoofien, Gölclberg usw. gelesen. In keinem der Aufsätze fand ich den Namen des Mannes, dem unbestreitbar die Priorität der Idee der Jüdischen Lehensversicherungsgesellschaft gehört, den Namen des Mannes, der seit ca. 15 Jahren für diese Idee alle maßgebenden jüdischen Kreise persönlich und schriftlich mit einem großen Aufwand an Kapital, Arbeit und Energie zu interessieren bestrebt ist. Es ist Herr Verwaltungs-Inspektor Schwiff, früher in Bialystok, jetzt in Warschau wohnhaft, der es wirklich verdient, daß seine Tätigkeit auf diesem Gebiete auch der breiten jüdischen Öffentlichkeit bekannt wird. Mir hat Herr Schwiff eine ganze Reihe von Briefen unserer Führer vorgelegt, woraus hervorgeht, welches Interesse diesem Projekte von dieser Seite entgegengebracht worden ist. So hat Dr. Herzl am 4. Oktober 1900 bereits in einem Brief an Herrn Schwiff nach warmer Anerkennung seines Projekts die Vorlegung desselben an den Gründer der Bank Herrn Kremenetzky mit Infolge Raummangels verspätet.