Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Fähigkeiten für die praktische Durchführung des nationalen Programms aufforderten. Reicher Beifall lohnte alle Redner. Den Abend beschloß « in von Theodor Kohn (Unitas) geleiteter Kommers. Die Ausschußwahlen für das Wintersemester 1910 11 'rgahen folgendes Resultat: J. U. C. Max: Körner, Präses; J. U. C. Richard Teltscher, I. Vicepräses; jur. Leopold Jahoda, II. Vizepräses; med. Leon Kolb, med. Ignaz Schild, Schriftführer; J. U. C. Robert Frie dl ander, exp. Ernst Rosenberger, Kassierer; jur. Chaim Wasser, Bibliothekar; jur. Hermann Stark, Zeitungsvcrwesor; arch. Johann Sobelsohn, Hausverweser. Jüdisch-akademische Verbmdung „Zephirah". Chargenwahlen : M. U. C. Josef Böhm X, arch. Karl Gonda XXFX, J. U. C. Walther Bass XXX. — Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den südslawischen Ländern „Bar Giora''. Chargenwahlen: Präsident: cand. med. Edmund Altmann; Vizepräsos: cand. med. Wilim Schmuckler; 1. Schriftführer: stud. med. Ludwig Lazarus; II. Schriftführer: stud. med. Arnold Katz; Kassierer: cand. med. Nathan Tajtacak; Bibliothekar: cand. iur. Samuel Pinto. Vereinzionistischer Hochschüler „The o d or Herzl", Ausschußwahlen: Cand iur. Arnold Friedmann, Präses, Cand. iur. Fritz Ec k s t e i n, Vizepräses, Cand.iur.HeinrichKauarc k, Schriftführer, Cand. med Rudolf Menzel, Kassierer, Cand. phil.: Theodor Riess, Bibliothekar. Das Vereinslokal befindet sich vom 1. November an: VIII. Lenaugasse 7. T. 10a. Ungarn Budapest. Der Klub zionist. Akademiker „Makkabäa" tritt mit dem beginnenden Studienjahr das XV. Semester seiner Arbeitstätigkeit an. Die Aufgabe des Klubs ist viel schwieriger, als diejenige der BrudeiOrganisationen in andern Golusländern. An den ungarischen Hochschulen ist das Studentenleben, wie es in Österreich und Deutschland üblich ist (Korporation, Verbindung usw.), völlig unbekannt. Die Jugend wird in magyarisch-chauvinistischem Sinne erzogen, versteht nicht Deutsch und weiß nichts von dem jüdischen Streben des letzten Jahrzehnts. Der fortdauernde Kampf zwischen den Vätern orthodoxer und neologer „Konfession hat eine ganze Generation dem Judentum entfremdet. Trotz dieser Hemmnisse gelang es dem Klub nicht nur, sich zu behaupten, er kann auch schon auf bedeutende Erfolge hinweisen. Die neue Generation der Rabbiner und Religionslehrer ist durchweg zionistisch. Seine Roschim (A. H) nehmen führende Stellen in den Gemeinden ein. Die Begründer des Klubs stehen heute an der Spitze der ungarländisehen zionistischen Organisationen. Seine Tätigkeit nahm der Klub unter Leitung des neugewählten Präsidenten cand. med. Viktor Jordan vorige Woche mit einer großen Aktion auf. Es gelang ihm. maßgebende Kreise für die Errichtung einer M en s a A c a d emica J u cl a i c a zu gewinnen. Das Interesse der akademischen Jugend wurde gewTeckt undeinige hundert Akademiker haben schon die Beitrittserklärungen des Klubs unterzeichnet. Einen gelungenen Festkommers veranstaltete der Klub zu Ehren Rüben Brainins. Sämtliche zionistischen Vereine, der Hebräische Klub und die jüdische Presse waren vertreten. Der Klub stiftete 5 Ölbäume auf Brainins Namen. Kroatien Essek. Unser Gesinnungsgenosse, Mitglied des A.-C, Advokat Dr. Hugo Spitzer ist von einem schweren Schicksalsschlage betroffen worden. Am 1. November ist seine Gattin Frau Albine Spitzer geb. Bill er im 4(5. Lebensjahre verschieden. Die Beerdigung hat am 3 November unter Anteilnahme aller Kreise der Einwohnerschaft stattgefunden. Argentinien Lomas de Samora. In der ganzen Provinz organisiert sich das Judentum. In allen Städtlein und Dörfern bilden sich jüdische Vereinigungen. Hier wolmen 150 jüdische Familien, die letzthin einen Verein zur gegenseitigen Hilfe unter dem Namen „Dr. Theodor Herz 1" gegründet haben. Dieser Name beweist, daß sich bei uns selbst die allgemeine Organisierung der' Juden unter zionistischen Gesichtspunkten vollzieht. Präsident des Vereins ist Herr J. Grabaus. Ein gleichartiger Verein ist am 2. Oktober in dem benachbarten Tellares gebildet worden. Buenos Aires. Der Verein „Tiferes Zion" hält allwöchentlich am Samstag in seinem Lokal (Andes 484) Diskussionsabende ab. Herr M. Frumkin hat einen Vortragszyklus über Sabbathai Zewi gehalten. Die Debatten waren sehr interessant und an" geregt. — Herz Iged en kf eiern haben im ganzen Lande stattgefunden. Allerorten wurde für den Herzlwalcl gesammelt. Eine Hilfsaktion für die galizischen Juden Am 30. Oktober hat in Wien eine Besprechung von Vertretern verschiedener jüdischer Korporationen stattgefunden, die sich mit dem Plane einer Hilfsaktion für die galizischen Juden beschäftigte. Es waren die Wiener Allianz, die Ica, der Hilfsverein der deutschen Juden, die Alliance Israelite Universelle und der Galizische Hilfsverein durch Delegierte vertreten. Unter den Anwesenden befanden sich u. a. James Simon, Dr. Paul Nathan und Professor Philippsohn (Berlin), Justizrat Blau, Großindustrieller Hatvany-Deutsch (Wiem und David Ii. v. Gutrnann. Die Beratungen wurden noch nicht abgeschlossen. Der jüdische Handelsangestelltentag in Lemberg In Ergänzung unseres Berichtes über den ersten jüdisch en Handelsange st eilten tag in Lemberg wird uns mitgeteilt daß beschlossen wurde,ein Ausschuß bestehend aus den Herren Kaplanski, Peiß und Kretz, beauftragt wurde, mit der Leitung des Zentral-Verbandes der österreichischen Handelsangestellten iu Wien zu verhandeln, um den Eintritt der jüdischen Angestellten aus Galizien und Bukowina auf Grund nationaler Konzessionen zu ermöglichen. Sollte jedoch die Leitung des Verbandes diese Bedingungen ablehnen, so wird an die Gründung eines selbständigen jüdischen Verbandes der jüdischen Handelsangestellten in Österreich geschritten werden. Die Landtagswahlen in Kroatien Am 28- Oktober fanden in Kroatien die Landtagswahlen statt. Von den 88 gewählten Abgeordneten ist bloß einer, der in Daruvar gewählte Zagreber Advokat Dr. Ludwig Schwarz, Jude. Bis zum Jahre 1906 war er viele Jahre hindurch der einzige jüdische Abgeordnete, dann fiel er jedoch und bis zu seiner jetzt stattgefundenen Neuwahl waren die kroatischen Juden ohne Vertreter im Landtag. Außer Dr. Schwarz, welcher als ßegierungskanclidat auftrat, kandidierte noch von "Seiten der Juden der-Bjolovarer Großindustrielle Leopold Singer, ebenfalls mit regierungsfreundlichem Programm, wurde jedoch nicht gewählt. Bei diesen Wahlen kandidierten auch drei getaufte Judeu: Dr. Josef Frank, Führer der kroatischen, christlich-sozialen (!) Rechtspartei, Dr. Hinko Hinkovic, einer der geistigen Führer der kroatisch-serbischen (!) Koalition und Dr. Edo Frank als Regieruugsmann. Gewählt wurde bloß Dr. Josef Frank. Dr. Frank ist, was wohl wenig bekannt sein dürfte, der Schwiegersohn des vor einigen Jahren in Wien in bitterster Not an Blutsturz gestorbenen Agramer Kaufmannes David Schwarz, des Erfinders des Lenkballons. Seine Pläne wurden vom Grafen Zeppelin vervollkommnet. Im neugewählton Landtage befindet sicii daher bloß ein ungetaufter und .e i n getaufter Jude. Von Dr. Schwarz, welcher kein nationalbewußter Jude ist, hat die kroatische Judensehaft nicht viel zu erwarten. Aber selbst als Nationaljude konnte er als einzelner nicht viel durchsetzen, wenn man bedenkt, daß der Landtag noch nie so viel offene und versteckte Antisemiten zu seinen Mitgliedern zählte wie jetzt. Die Bauernpartei, deren Antisemitismus niedrigster, gemeinster Art ist, ist acht Mann stark in den Landtag eingezogen; die Starcevicpartei, die im Antisemitismus der Bauernpartei nur wenig nachsteht, besitzt neun Mandate; die christlich-soziale Rechtspartei besteht aus 15 Abgeordneten; die Serben, die alles eher als judenfreundlich sind, sind durch 20 Abgeordnete vertreten; außerdem ist noch eine ziemliche Anzahl verkappter Antisemiten in der Regierungspartei, — und die Regierung selbst ist als klerikal bekannt. Der einzige iortschrittliche Abgeordnete, der Sozialist, ist hei den Wahlen gefallen. Das ist das Fazit der kroatischen Wahlen, vom jüdischen Standpunkt betrachtet. Nichtsdestoweniger erwarten die nationalen Juden Kroatiens, wie die .Zidovska smotra" (Osijek-Essck) schreibt, von dem neugewählten einzigen jüdischen Abgeordneten, daß er mannhaft und energisch die Interessen der kroatische i Judenschaft vertreten werde, zumal er seine Wahl hauptsächlich seinen jüdischen Wählern, welche geschlossen für ihn stimmten, zu vordanken hat, und Ba,nus Tomasic seine Wahl nicht in letzter Linie aus dem Grunde wünschte, weil er Jude ist, um damit vor der Außenwelt besonders vor den Magyaren, vorzuspiegeln, daß die jetzige kroatische Regierung liberal sei.