Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 45 (11.11.1910)
- Date
- 1910-11-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1198 — " ' ■= DIE] Deutschland Berlin. Zum zweitenmal in kurzer Zeit hatte die Berliner Misrachigruppe die Freude, einen Grast aus Palästina zu begrüßen. Hatte Ende der vorigen Saison Dr. Erlanger im allgemeinen über die jüdischen Verhältnisse Palästinas berichtet, so sprach am vergangenen Donnerstag Herr Dr. Engel (Jaffa) speziell über die TachkeinonischuIe. Die Versammlung konnte, da die Anwesenheit Dr. Engels in Berlin e st am Festtage bekannt wurde, nur durch mündliche Verbreitung der Nachricht einberufen werden, wies aber trotz dieser Improvisation einen zahlreichen Besuch auf. Der Vortrag bot außerordentlich interessante Einzelheiten und entwarf ein anschauliches Bild dieser Schule, deren Zweck und Arbeitsmethode jüngst in der Palästinanuinmer der „Welt" anschaulich dargestellt worden ist. Duisburg. Die Firma Cohen & Epstein veranstaltet vom 7. bis 21. November eine große Ausstellung künstlerischer Handarbeiten, die vor allem auch Erzeugnisse des Bundes j ü d i s c h e r Frauen für Kulturarbeit in Palästina und des Bezalel aufweisen wird und deshalb die Beachtung unserer Freunde in Rheinland und Westfalen verdient. Die Zionistische Vereinigung Duisburg wird aus diesem Anlaß von einem angesehenen Düsseldorfer Kunstgewerbe r einen Vortrag halten lassen und so das durch die Ausstellung für das palästinensische Kunstgewerbe geweckte Interesse zu vertiefen suchen. Prankfurt a. M. Unter starker Beteiligung begann die neugegrürvdete Zionistische Jugenclgru ppe ihre Tätigkeit mit einem zwanglosen Diskussionsabend über „Geschichte und Wesen des Zionismus". Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden L.Perlmutter hielt Herr Zahnarzt Nußbaum aus Hanau ein überaus -beifällig aufgenommenes Referat über das Thema des Abends. In anziehender Form und eindrucksvoll-t Weise führte Redner die Zubör« r in die Gedankengänge des Zionismus ein und zeigte an Hand eines geschichtlichen Überblicks über die dem Entstehen des modernen Zionismus vorangehenden Epochen, in welch verschiedenen Formen der Wille zum Judentum sich manifestierte, b s er seinen adäquaten Ausdruck im Zionismus fand. Eine Vorlesung aus Pinskers Antoemanzipation durch Herrn Selka gab dem Vortrage ein interessantes Relief. Die fesselnden Ausführungen lösten eine sehr augeregte, zweistündige Diskussion aus«, an den auch sehr viele der jiingern Mitglieder teilnahmen. Halberstadt. In der gut besuchten Generalversammlung der Zionistischen Vereinigung .,Tikwah Zion*\ die am 1. November stattfand, gab der Vorsitzende, Herr Lehrer Stern, einen anschaulichen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im letzten Jahre. Unser Verein veranstaltete im Laufe des Jahres zwei öffentliche Versammlungen, in denen die Herren Richard Lichtheim- Berlin über „Die Entwicklung des Zionismus" und Rabbiner Dr. Rudolf Leszinsky-Berlin über „Der Zionismus und die deutschen Juden" sprach. Der Ausbildung der Mitglieder dienten (> interne Schekelzahler-Versammlungen, in denen die aktuellen Fragen der Bewegung ausgiebig erörtert wurden. Die Zahl der Ortsgruppenmitglieder stieg im Laufe des Jahres von 25 auf 36, die der Schekelzahler von 62 auf 81, bei einer jüdischen Bevölkerung von ca. 8U0 Seelen. Für den National-Foncls wurden insgesamt dt 856.—, für die Siedlungsgenossenschaft dt 175.— vereinnahmt. Außerdom wurden 14 Shares unserer Institutionen abgesetzt, während der Shareklub für dl 125.— Sharesmarken vorkaufte. Die Gesamteinnahme für zionistische Zwecke beträgt dt 2160.—- g<Jgen dt 1470.— im Vorjahre. Gelegentlich eines Vortrages unseres Gesinnungsgenossen Dr. Leopold Rothschild über den „Bezalel" in der hiesigen Beiend-Lehmann-Loge veranstalteten wir «'ine Ausstellung von Arbeiten des .Bezalel" und des „Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" wobei es uns gelang, diesen beiden Verbänden eine Reihe weiterer Mitglieder zuzuführen. Nach Erteilung der Decharge wählte die Versammlung die Herren Lehrer S t e r n als Vorsitzenden, F e u r r i n g, Fritz F r e u n d und Warb urg in den Vorstand wieder, während Herr Heide mann neu gewählt wurde. Österreich Bielitz. Chargenwahlen der jüdisch-akademischen Ferialverbindung „Einünah : cand. ing. Siegfried Littner X, cand phil Adolf K ichter . x, stud. ing. Leopold Wechsberg X XX- Brünn. Jüdisch-akademische Verbindung „ Veritas". Chargenwahlen: ehem. Albin Goldschinied X, cand. ing. Heinrich Windreich XXFX. ehem. Leopold Feiner XXX. Prag. Am 22. Oktober fand die 06. Generalversammlung des Vereins jüdischer Hochschüler „Bar Kochbau statt, in welcher gELT - -==~ No. 45 der abtretende Obmann phil. Oskar Epstein den Rechenschaftsbericht erstattete. Der Verein trat nur mit einer grüßern Veranstaltung in'die'Öffentlichkeit, die aber auf diese einen tiefen und nachhaltigen Eindruck machte. Gleich zu Beginn des Sommersemesters sprach Martin Buber im jüdischen Rathaus über das Thema „Das Judentum und die Menschheit". Unter den besten Kreisen der Prager Judensehaft weckten die Ausführungen neue Gedankem-eihen und die deutschen Tageszeitungen brachten, eingehende Berichte. Daß es gelungen ist, das Verständnis der Prager Juden für ernste jüdische Arbeit zu erwecken, zeigen später ganz deutlich das immer größer werdende Interesse für den Lokalvcrein „Bezalel* und O ppenheimers Bestrebungen auch in nicht zionistischen Kreisen. Bb. Dr. Viktor Kellner sprach über die Unterschiede zwischen Bewegung und Partei. Im übrigen sollen nur noch ein paar Titel von Vorträgen eine Vorstellung von der Art und Vielseitigkeit der geistigen Vereinsarbeit zu geben suchen: «.Zionismus für die Masse", „Die Beurteilung des Zionismus in Zolls'jhans Rassenproblem', „Letztes Ziel der Palästinaarbeit", „Der Jargon und seine Literatur", „Jüdische Agrarprobleme" u. a. in. Da* Hebr'aiscliseminar, geleitet von Bb. Kellner erfreute sich der regsten Teilnahme. Einen mehr praktischen Zweck hatte die ueueingerichtete Rednerschule, die Bb. Angelo Goldstein leitete. — Für nationale Zwecke wurden durch Spenden des Vereins und die Sammeltätigkeit der Mitglieder gegen 600 K abgeführt, darunter ein großer Teil für Ölbäume. Der Verein bewerkstelligte in der Berichtsperiode drei Eintragungen ins Goldene Buch4. Hauptsächlich durch Mithilfe des „Bar Kochba-' wurde die Eintragung des Brudervereines . Spolek zielovskych akademiku Theodor Herzl" durchgeführt. Außerdem wurde vom Verein-Dr. Viktor Kellner a. H. eingetragen, der ein Lehramt am hebräischen Gymnasium in Jaffa antrat, und von dem der Verein in einer internen Feier herzlichen Abschied nahm. Endlich wurde noch die Eintragung Martin Bubers begonnen. — Durch eiuen engern Anschluß des A. H. Verbandes an den Verein und eine straffere Organisierung desselben an sich wurde, eine intensivere Verbreitung der Vereinstendenzen unter den jüdischen Bürgork eisen vorbereitet. — In allen in Betracht kommenden Provinzstädten Böhmens, so in Trautenau, Johannisbad, Komotau, Teplitz, Aussig, Brüx, Pilsen, Eger, Budweis, Drummau u. a. m.. hielten verschiedene Bb. Bb. Vorträge über zionistische Themen. Eine wenn auch bescheidene Wanderbibliothek hustete der Arbeit in der Provinz recht gute Dienste.— Der neu gewählte Ausschuß konstituierte sich folgendermaßen; Obmann phil. Willy Stein, Obmannstellvertreter phil. Hugo Hermann, 1. Schriftführer J. U. C. Ernst Koref. 2. Schriftführer j. IL C. Viktor Rubin, Kassierer ing. cand. Paul Grimberger, Bibliothekar phil Paul Steindler, Zeitungsverweser techn. Arthur Engländer. Stanislau. Verbindung Bar Kochba. Chargenwahlen: Hirsch Epstein X, Samson Fisch mann XX, Lieber Schein er XXX. Suczawa. Jüdisch-nationaler akademischer Verein „Tikwah". Chargenwahlen: cand jur. Nathan Friedländer, Präses; stud. jur. Alfons Krämer, Vizepräses; stud. jur. Abraham Weidenfeld, Schriftführer. Der Verein erkann'e seine erste Aufgabe darin, seinen Mitgliedern eine vom jüdischen Geist' getragene Weltanschauung anzuerziehen. Mittel hierzu waren die zionistischen, historischen und jüdischen literarischen Seminare, die allwöchentlich abgehalten wurden. Als Einführung in die Bezalelausstellung, die dem Bezalel ein großes Keinerträgnb brachte, sprach Prof. Boris Schatz über den Bezalel und jüdische Kunst. Neben einer internen und öffentlichen Herzl fei er fand ein sehr zahlreich besuchter Vortragszyklus statt. An allen größern Fest- und Feiertagen wurde in dem Bethäusern über den Stand und die Institutionen der Bewegung gesprochen und für den Nationalfonds eifrig gesammelt. Desgleichen liegt auch die Sehekelabgabe für die Stadt in den Händen des Vereins. Die Agitation zwecks nationaler und wirtschaftlicher Aufklärung der jüdischen Dorfbevölkerung wurde auf immer weitere Kreise ausgedehnt. Im laufenden Semester werden auch Volksbildungskurse über Buchhaltung, Stenographie, allgemeine Geschichte und Literatur und jüdische Geschichte und Literatur eingerichtet. Wien. Die Lese- und Eedehalle jüdischer Hochschüler in Wien veranstaltete gemeinsam mit den Wiener jüdischen Studentenkorporationen am 18. Oktober 1. J. einen Abiturientenabend. Fast alle Wiener jüdisch-nationalen Studenten waren erschienen, und eine große Zahl von Abiturienten wurde für unsere Idee gewonnen. Nach der Begrüßungsansprache des Präses der Halle J. U. C. .Robert Sonnenmark sprachen die Herren Dr. Karl Pollak, Dr. Egon Zweig und Abg. Adolf Stand, welche die Studenten zu reger jüdischer Arbeit und zur Verwertung ihrer