Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-11-04 · 44 (4.11.1910) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
44 (4.11.1910)
Date
1910-11-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316449--53957-3347750
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nö..4* DIEÄELT, 1171 dienste um :/die": 53eiibeieb*ürig;:vder hebräi^ctiin Sprache erworben. E|r stand än der.'Spitze der „Ibriah"|Bewegung und war Vorsitzender der gleichnamigenvOlganisation. Auch als Verleger und Organisator erwies er der hebräischen Literatur unschätzbare Dienste. Ihm ist der rühiige Verlag für Erziehungswesen und Jugendschriften „Moriäh" zu verdanken. Die besten Publikationen der hebräischen Literatur aus den letzten Jahren, — die gesammelten Schriften Bialiks, Mendele Mocher- Sforims, Jehuda Steinbergs, Lilienblums, Berkowitz u. a. sind'auf Kosten und durch Bemühen Lewinskys, der, nebenbei bemerkt, durchaus kein reicher Mann war, erschienen. Von der Beliebtheit Lewinskys als Mensch zeugt die in der hebräischen Literatur üblich gewordene Bezeichnung für Lewinsky „chabibenu", „chabibenu reb Karob". * * * Die am Freitag, den °8. Oktober sfabgefundene Beerdigung des hervoiTMgcncl(jn Schriftstellers und Mannes der Tat gestaltete sieh Vax einer grandiosen Massenkundgebung. Gregen 12 Uhr mittags versammelten sich vor d<T Wohnung des Verblichenen seine Freunde und Verehrer und eine mehr als zwaiizigtausen d Iv'ipfe ' starke'Monge, die die Straße und zum Teil auch die Nachbarstrnßen stark überfüllte. Nachdem der Kantor der Hauptsynag ge mit dem Chor chis „El mole rachmim" gebetet harte, hoben die nächsten Freunde und Genossen des Verewigten den 8:ng auf ihre Schultern und trugen ihn so den ganzen laugen Weg, von der immer mehr anwachsenden und zu einer riesigen Volksprozession sich gestaltenden' Menge begleitet, nach dem Friedhof, — mehrere Kilometer weit, — mit einer kleinen Rastpause an der im Innern schwarz drapierten Jabneh-Synagoge und an der HauptsyiiMgnge, wo wiederum das vom Schluchzen der vieltausendköpfigen Menge begleirete Totengebet verrichtet wurde. Die Ordnung wurde in der Hauptsache durch Studenten und Mittelschüler aufrechterhalten, die sieh zu vielen Hunderten eingestellt hatten, um dem beliebten Schriftsteller und Zionistenf iilii er die letzte Ehre zu erweis« n. Mit großein Schmerze mußten die nächsten Freunde, die Berufs- und ■Parteigenossen des Verblichenen darauf verzollten, die großen Verdienstedes Dahingegangenen in einigen Abschiedsworten zu würdigen. — Der Selbstherrscher Odessas, General Tolmatsehew, verbot das Reden am Grabe Lewinskys. Anfangs hatte er allerdings nach vielen Mühen gestattet, daß eine Kode, und zwar von Ussischkin, gehalten Werde, mit der ausdrik-kliehen Bedingung jedoch, daß nicht über rPolitikM. d. h. Uber die Bedeutung Lewinskys für die jüdische Öffentlichkeit, über die Lage des jüdischen Volkes u. dgL gesprochen werde, und daß namentlich das Wort „Golus nicht erwähnt werde, — im letzten Augenblick aber überlegte er sieh die Sache und verbot kategorisch das Reden.. Eine Ausnahme wollte er nur für den Dichter Bialik inachen, und zwar mit der sonderbaren Begründung, daß Bialik als Inhaber einer Druckerei, die vielfach von Lewinsky, dem Verleger, benutzt wurde, über den Verstorbenen sozusagen rein geschäftlich wirdsprechen können. Daß Bialilv darauf verzichtet hat, als Typograph vom „Kunden" Lewinsky zu sprechen, braucht nicht erst gesagt zu werden. * * * Die Kunde vom Tode des hervorragenden Schriftstellers und Juden rief in weiten Kreisen tiefe und autrichtige Trauer hervor. Fortwährend laufen beim Ocle-saer ■ Palästinakomitee, bei der Gesellschaft' „Karmelbeim Verlage „Moriah" und bei den Odessaer hebräischen Schriftstellern zahlreiche Beileidstelegramme aus allen Teilen Rußlands und des Auslandes ein. Prinzipienreiterei oder Politik? Von einem orthodoxen Zionisten III. Wir halten behauptet, das Verhältnis der A. I. K. 0. zur Freien Vereinigung sei ein ähnliches, wie dis des M'srachi zur zionistischen Organisation. Wir fragten dabei nicht nach statutarischen Festsetzungen und organisatorischen Bestimmungen, sondern .«nach' den tatsächlichen Verhältnissen. Tn Bezug auf den Aufgabenkreis der A. I. K^O. ist ihr aber,-die-Freie Vereinigung vollständig untergeordnet, . d. > hv die A. I. K. 0. besorgt die Geschäfte'allein! D.e Behauptung des „Israelit", die A. I. K. Ö. befolge nur ökonomische Ziele, kann höchstens ein K nd täuschen. Sobald sie einmal eine Kolonie gründet,' müssen auch alle jüdischen Ge^ meiudeinstitutionen errichtet .werden: Wenn aber der „Israelit" davon spricht, daß es erzwingbar sei, dese Institutionen in .gesetzestreuem S nne zu errichten, sö widerspricht das den Tatsachen. D:e Einhaltung der Bedingungen kam nicht erzwungen werden. Es steht der Freien Vereinigung nur das Recht zu, vom Vertrage zurückzutreten,, und ihr eingezahl'e? Kapital zurückzuverlangen. Erhält sie aber auch die nicht durch sie bezahlten Beiträge der einzelnen 0;thodoxen zurück, die, gestützt auf die in die Welt hinein verkündete Erzwingbarkeit der Bedingungen Mitglieder der A. I. K. O. geworden sind? Und vor allem, kann sie sich auch die moralische Förderung zurückgeben lissen, die sie der A. I. K. O. verschafft hat, deren leitende Mitglieder doch alles eher, als orthodoxe Juden s nd. Warum fürchtet übrigens der Israeli die Tätigkeit einiger sehr maßgebender Herren der A I. K, O. n.ir dann, wenn sie dem Zionismus gewidmet ist? Sind diese Herren im zionistischen A. C. gefährlicher als im Koionisationsausschuß der A. I. K. O.? Geradeso verhält es sich mit unsern Vorwürfen über die Mitgliedschaft des Leiters des Israelit beim Hilfsverein. Wir begreifen, daß unsere Fragen dem Israel t recht unbequem waren, und daß er darum eine klare, deutliche Antwort — vergessen hat. Wir sind einzelne, in den religionslosen oder gar religionsfen iiichen Zionismus versprengte Orthodoxe, die dem A. C. unterstehen, das zum Tel aus unrelgiösen Männern besieht, und fördern die zionistische K dtu b.*wegung und Weltanschauung (si^he dam unsere frühem Bemerkungen). LJnJ unser H.rr P ofessor? Wird der H lfsvenin nicht auch von religiös sehr frei denken Jen Männern geleitet? Fördert und unterhält er etwa nicht Schulen, de utrer den Herren stehen? Hat der Herr Professor erzwingbare G irant en, daß diese Schulen in orthodoxem Geiste geleitet werden? Diese Fragen konnten zu allen Zeiten geste.lt werden, und wenn uns der Israelit vorwirft, die zionistische Organisation verkörpere K.ilturbewegung und Weltanschauung, so müssen wir ihm diesen Vorwurf in bezug auf den H lfsverein zurückg ben. Der I-raelit weiß auf unsere Fmgen nur recht z.veideut g zu erwidern, die Zugehörigkeit des einzelnen zu einem beliebigen Verein hänge von dessen prakt.scher Tätgkeit ab, wobei „man je nach der Art dieser Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten zu sehr verschiedenen Resultaten gelangen könne." He ßt das nicht PoÜt.k, mit dem gegenüblen Beigeschmuck, den dieses Wort hat? Deesen Sa z, mit dem jeder Opportun smus entschuldigt werden kann, durfte die „Fraktion Drehscheibe" ruhig über die E ngangstür zu ihrem Beratungs^immer schreiben. Die Logik des Israelit richtet sich eben zu se'ir nach der Art des schottischen Mittelalters. Da gab es ja gewisse Professoren, die den Lehrsatz von der doppelten Wahrheit aufstellten, jenen Satz, daß Idee und R^ellitat nicht üb »reinstimmen müssen un l daß beide doch wahr sein kö.inen. Die Theorie konnte danach so sein und die Praxis anders; die Maxime konnte nach rechts lauten und die Handlung nach links gehen. Wir aber haben eine modernere logische Schulung genösse \ und wenn Maxime und Handlung nicht übereinstimmen, so ziehen wir daraus den Schluß, daß entweder die eine oder die andere nichts taugt. Wir möchten wegen der Hereinziehung der A. L K. O. und des Hi'fsverens nicht mißve'standen werden. Wir tideln db Verbindung der „Fr. Vereinig." mit der A. I. K. O. durchaus nicht, wir wünschen, daß die A. 1. K. 0. recht bald eine segensreiche Tätigkeit in Palästina zum Heile für die ganze Ju!e lhe.t entfalten möge, und wünschen ebenso aufriebt g, daß niemals der Ze.tpunkt eintreten möge, in dem die „erzwmgbaren" Verpflichtungen erzwungen werden müßten. Und ebensowenig möchten wir einen Vorwurf erhoben wissen gegen den H IfsverAn und seine Le ter, deren gute In'entionen wir gern anerkennen und dessen Gedeihen in gut jüdischem Sinne wir auf.ichtig wünschen. Es w.ir aber nötig, nachzuweisen, daß der Israelit und sein Leiter, die sonst auc.i in allgemein jüdischen Fragen jed wedes Zusammengehe i von Orthodoxen mt rcl giös andersges nnten Juden prinzipiell ablehnen, in diesen Fällen ihr Prinzip verleugnet haben. Um dies zu bestreiten, hat unser Logiker echt schola-t sch ein sehr feines „distinguo" " ausgesprochen, indem er, statt sich an die praktische Tädgkeit der genannien Organisationen zu halten, zwi chen „Verein" und „Partei" unterscheidet Wenn er seine haarspaltende Logik nicht brauchen würde, um sein prinzipienwidnges Handeln zu verteid gen, so wäre ihm viel'eicht der viel logischere Grdanke gekommen, zwischen Zwangsorganisation und freiwilliger Organisation zu unterscheiden. Das Joch der erstem muß g tragen werden, solange es besteht. Darum stehen der Israelit und die „Freie Vereinigung4*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.