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Die Welt · 1910-10-28 · 43 (28.10.1910) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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v./ 1152 DIE einigen Monaten abläuft, hielt er es für angezeigt, die Vertreter der Gemeinde zu fragen, ob sie mit seiner Annahme des Jerusalemer Amtes einverstanden seien. Der Synagogenvorstand hat einstimmig beschlossen, den Vertrag mit dem Chachambaschi Meir zu erneuern, da er. seinen Weggang als eine Gefahr für die Interessen der Gemeinde ansieht. Der Gemeinderat hat jedoch bisher noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt. Ein jüdischer Polizeichef für Konstantinopel Samuel Effendi, früher Richter am Berufungsgerichtshof in Konstantinopel, ist zum Polizeichef für die Küstenbezirke der türkischen Metropole ernannt worden, übernimmt somit einen sehr verantwortungsvollen Posten. Vor kurzem wurde er anläßlich des Besuches des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, den er nach Jerusalem begleitete, durch die Verleihung des roten Adlerordens ausgezeichnet. EELT-- No. 43 Reich benutzt, wobei mehrere Ansprachen gehalten wurden. In einigen Kolonien haben sich auch Freiwillige gemeldet und bereits in Militärschulen in Konstantinopel Aufnahme gefunden. Die Wahl des Waad-Hair In letzter Woche sind die Wahlen zum Waad-Hair in Jaffa zum Abschluß gelangt. Die Wahlen wurden in der Weise voranstaltet, daß zwei Vertrauensleute des Waad die steuerzahlenden Mitglieder besuchten und die Wahlzettel in verschlossene]) Büchsen abnahmen. Es haben sich über 800 Wähler an der Wahl beteiligt, also etwa 300 mehr als im vorigen Jahr.' Dieses Resultat ist um so erfreulicher zu begrüßen, als die Organisation der hiesigen Gemeinde anfänglich mit einem starken Inclifferentismus zu kämpfen hatte. Von den gewählten IT Mitgliedern erwähnen wir die Herren Scheinkin, Dr. Metmann und Dr Kohan-Bernstein. Großrabbinat und Aschkenasim Der Kanu Kehaja des Großrabbinats und Dr. Sehoonmann, der Sekretär der aschkenasischen Kultusgenieindo-, waren dieser Tage zum Direktor der Kultusangelegenheiten im Justizministerium zu einem Ausgleichversuch eingeladen. Nach Anhörung der Vertreter beider strittigen Parteien beauftragte der Kultusdirektor den Kapu Kehaja, den Großrabbiner zu ersuchen, daß er sieb beeilen möge, dem Streitfalle ein Ende zu machen. Palästina Die jüdischen Rekruten in Palästina Am 19. September sind in Jerusalem die in Damaskus, Beirut, Haifa und Nazaivth ausgehobenen jüdischen liekruten eingetroffen. Sie wurden auf dem Bahnhof mit Militärmusik empfangen. Orangenexport in Palästina Jaffa, 3. Oktober. Der Export von Orangen hat bereits vor drei Wochen eingesetzt. Dieses Jahr verspricht für die Besitzer von Orangengärten ein recht günstiges zu werden. Dadurch hat sich besonders die Lage der Pethaeh-Tik waher Kolonisten, die in den letzten drei Jahren infolge ungünstiger Ernte- und Absatzyerhältnisse ihrer Produkte sehr viel gelitten haben, wesentlich gebessert. Um den Kolonisten aus der momentanen Klemme herauszuhelfen, hat ihnen der Jüdische Nationalfonds durch die Vermittlung der Anglo Palestine Company und die I. C. A. im vorigen Jahre größere Anleihen gewährt. Im laufenden Jahre sind sie durch frühzeitigen Verkauf der Orangen um einige Monate früher als in frühem Jahren in den Besitz von Barmitteln gelangt. Einige Engros-Kauf leut ein Jaffa haben nämlich die Früchte auf den Bäumen den Kolonisten zum Preise von 3 Frs. per Kiste abgekauft und sofort einen großem Betrag bar bezahlt. Es sind auf diese Weise ca. 150 000 Frs. in die Kolonie geflossen, wodurch der Wirtschaftsbetrieb merklich erleichtert wurde. Zu bedauern ist in diesem Falle nur, daß die Verkäufer die einheitliche Organisation der jüdischen Orangenbesitzer, den „Pardess", durch diesen Schritt durchbrochen haben. Noch empfindlicher aber sind dadurch die jüdischen Arbeiter getroffen worden, da die Käufer, lauter arabische Händler, beim »Schneiden und Verpacken der Orangen wahrscheinlich ausschließlich arabische Arbeiter beschäftigen werden. Die ersten nichtmohammedanischen Rekruten in Palästina Jerusalem, .'3. Oktober. Vorige Woche erfolgte zum erstenmal in Palästina die Einberufung der nichtmohammedan ischen Militärpflichtigen, die nach Aden gesandt wurden. Die plötzlich erfolgte Einberufung hat sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen Unruhe und Erregung hervorgerufen. Auch die mohammedanische Bevölkerung unterzieht sich ungern dem Militärdienst, geschweige denn der Nichtmohammedaner, für den dies überhaupt in der Türkei ein Neues ist. Da mehrere der Einberufenen bereits Familienväter sind und durch den Dienst die Ihrigen in Not und Elend zurücklassen, so hat sich hier ein jüdisches Komitee gebildet, um diesen Familien Hilfe zu bieten. Auch die jüdischen Kolonien werden, soweit die Kolonisten ottomanische Bürger sind, mehrfach zum Militärdienst herangezogen. Die Kolonie Ekron hat die Einberufung ihres ersten Soldaten zum Anlaß einer patriotischen Kundgebung für das ottonianisclie Rabbinerwahl in Jerusalem Jerusalem, 3. Oktober. Bis jetzt herrscht noch Ungewißheit darüber, ob Rabbi Jakob Meir aus Saloniki den ihm \on\ Chacham-Baschi Ii'Chaim Nachum im Einverständnis mit den einander bekämpfenden Parteien angebotenen Posten in Jerusalem antreten wird. Es verlautet, daß Eabbi Jakob Meir diesen Schritt zu tun zögert, teils aus Furcht, der Friede werde nicht von allzu langer Dauer sein, teils, weil die Einnahmen für sein Gehalt noch nicht gesichert sind. Um dieser Lage der Unsicherheit ein Ende zu machen, wandte sich der zeitige Verweser des Jerusalemer Chacham-Baschi-Amtes, Rabbi Batito, an Rabbi Chaim Xachum mit der Bitte, sofort einen andern Kandidaten zu ernennen, falls R. Jakob Meir auf seiner Weigerung andauernd beharren soll. Auch der Posten des Oberrabbiners der aschkenasischen Gemeinde hat nocli immer keinen Bewerber mit sichern Aussichten gefunden. In Betracht kommen der Rabbiner Chaim Berlin, der sich durch Gelehrsamkeit, und Rabbiner I. Winagrad, der sich mehr organisatorisch durch die Einrichtung der Jeschiwah „Ez Chaim" hervorgetan hat. Wichtige orthodoxe Kreise, die außerhalb der Chaluka-Organisation stehen und unabhängig sind, stellen die Kandidatur des Jaffaer Oberrabbiners Kuck auf, der durch seine Frömmigkeit und hervorragende Talmudkenntnisse, wie auch durch sein warmes Interesse für den Jischuw in gleicher Weise sich auszeichnet. Rußland Die Libauer Emigrationskonferenz Die erste russisch-jüdische Auswanderungskonferenz hat, wie schon in Nr. 40 berichtet, in Libau unter den Auspizien des Petersburger Auswanderungsdepartements der Ica stattgefunden. Baron David Günzburg war infolge seiner Krankheit am Erscheinen verhindert. Herr Warschavsky, Mitglied des Zentralrates, Herr Dr. Katzen eis oh n, der Präsident des Jewish Colonial Trust, Herr David Feinberg, Herr Horowitz und Herr Gordon wurden zu Vorsitzenden gewählt. Insgesamt waren vierzig Delegierte, die verschiedene jüdische Korporationen und Zentren repräsentierten, anwesend. Das Auswanderungsdepartement der Ica erstattete einen Bericht über seine Tätigkeit, aus welchem hervorgeht, daß von 61000 Juden, die Rußland während des letzten Jahres verließen, 33000 sich an die Vertreter der Ica, deren Zahl 430 beträgt und die sich in den Städten und Städtchen des Reiches befinden, um Rat gewendet haben. 40% der Auswanderer waren Handwerker und Arbeiter. Die Zahl der weiblichen Auswanderer wies eine bemerkenswerte Zunahme auf. Die Verhandlungen der Konferenz wurden von einer auffallenden Depression beherrscht, welche dem feindseligen Verhalten der Regierung zuzuschreiben ist. Die lokalen Behörden hatten z. B. einigen angesehenen Delegierten die Teilnahme an der Versammlung unter lächerlichen Motivierungen verboten, indem sie ganz triviale Gründe zur Verteidigung ihrer Handlungsweise aufstellten. Das Kabinett untersagte auch die Anwesenheit von Publikum in den Sitzungen und erlaubte nur die Zuziehung russischer Stenographen. Das Ministerium des Innern ließ die Konferenz durch Dr. Kreps für das Polizei-

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