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Die Welt · 1910-10-28 · 43 (28.10.1910) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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üben), sondern nur auf die Juden. Es kommen denn auch bereits trübe Meldungen aus der Dobrudscha, da es naturgemäß nur wenige Juden gibt, die ihre türkischen Dokumente, wenn sie je solche besaßen, 33 Jahre lang aufbewahrt haben. Aus einer rumänischen Statistik Die Bevölkerungsstatistiken, die, seit die liberale Partei am Ruder ist, veröffentlicht werden, enthalten eine bemerkenswerte Neuerung. So finden wir in der Statistiii: des Jahres 1909 folgende Zahlen: Geboren: Nach der Religion Nach dem Herkunftsland 266147 Orthodoxen 270 318 Rumänen 8 977 andere Religionen 4 303 Fremde 7 218 Israeliten 7 661 ohne jegliche Protektion. Gestorben: Der Religion nach Dem Lande nach 177 263 Orthodoxen 179 978 Rumänen 5 667 andere Religionen 3 282 Fremde 4 487 Israeliten 5065 ohne jegliche Protektion. Wer die rumänische Praxis kennt, weiß, daß der Ausweis „ohne jegliche Protektion" die Anzahl der Juden umschreibt. Man sollte eigentlich einen internationalen Juristenkongreß einberufen, um dem Premierminister Bratianu ein Anerkennungsdiplom für die von ihm versuchte Lösung des Problems zu überreichen, eine Bevölkerung von 260 0O0 Seelen einfach verschwinden zu machen. Prozentnorm Das rumänische Unterrichtsministerium hat ein neues Hoehschul-Reglement ausgearbeitet, demzufolge jüdische Hörer nur mehr in beschränkter Anzahl zum Studium an den Hochschulen zugelassen werden. Schon in den letzten Jahren war den jüdischen Studenten der Eintritt in die Lyzeen erschwert worden. Infolgedessen sehen sich die jüdischen Gemeinden von Bukarest, Jassy, Galatz und letzthin Braila veranlaßt, eigene Lyzeen zu errichten, denen jedoch der Staat nicht das Offentlichkeitsrecht erteilte. Nunmehr wird die Schikanierung der Juden nach dem russischen Muster auch auf die Hochschulen ausgedehnt. Neue Hetzen gegen die Juden In einem rumänischen Dorf sind jüngst 30 Bauern in Haft genommen worden, weil sie sieh zu der christlichen Sekte der Adventisten bekannten. Dies hat der Bischof der untern Donau, der zukünftige Metropolit der Moldau, zu einer Enzyklika gegen die Juden benutzt, die von allen Kanzeln verlesen wird und folgende Stelle enthält: „Die Juden, die uns ökonomisch beherrschen, wollen uns jetzt auch moralisch unterdrücken. Die Sekte der Adventisten wird von der „Alliance" gefördert, um unsere Religion zu schwächen. Hütet euch vor den Juden!" Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die Tschiftlik-Ländereien Ein Beiruter Kapitalist, Nedschib Asfar, hat bei der türkischen Regierung ein Projekt eingereicht, wonach er bzw. die von ihm vertretene Kapitalistengruppe die Domänen guter des ehemaligen Sultans, die sogenannten Tsehiftlikländereien, die eine Flächev on ca. 30 000 (|km umfassen, von der Regierung auf 99 Jahre pachten würde. Als vorläufigen Anteil verpflichtet sich diese Gruppe, dem Staat die Durchschnittssumme des Reinertrags dieser Güter im Laufe der letzten fünf Jahre abzuführen; außerdem würde der Regierung ein Viertel des Gewinns bei der Ausbeutung der Ländereien sowie die Hälfte des Restgewinns zufallen. Ferner ist Nedschib Asfar bereit, der Regierung eine Anleihe von 100 Millionen Frs. zu 41/2°/o zu leisten, welche aus dem Gewinnanteil der Regierung an dem neuen Unternehmen amortisiert werden soll. Es scheint, daß der Staatsrat dieses Angebot günstig aufgenommen hat und daß sich auch der Finanzminister Djavicl Bey dafür ausgesprochen hat. Da aber das Pro-' jekt, abgesehen von seiner finanziellen Bedeutung, für das türkische Reich auch von großer politischer und sozialer Tragweite ist, dürfte es wohl noch längere Zeit dauern, ehe eine Entscheidung in dieser Angelegenheit gefällt wird. Vom Mischlisch dschismani Der frühere Mischlisch dschismani, der vom Justizminister aufgefordert worden war, sein Mandat wieder aufzunehmen und bis zur Wahl seines Nachfolgers auszuüben, hat endlich, dem gesetzlichen Zwange folgend, sich zum Wiederantritt seiner Funktionen bereit erklärt. Die Interimskommission, der zur Führung der Gemeindegeschäfte die Autorisierung vorn Minister verweigert wurde, bleibt für die Vorbereitung der Wahlen zum Mischlisch umumi in Funktion. Ein Boykott gegen Juden Ein merkwürdiger Zwischenfall hat sich in Kirk-Kilisse zugetragen. Dort hatte das Komitee für die Flotte Sammelbüchsen in deri Häusern untergebracht, u. a. auch im jüdischen Klub dieser Stadt. Diese Büchse war einmal geleert und dann unter Belassung von 30 Para (etwa 12 lJf.) wieder an ihren Platz zurückgebracht worden. Es folgten dann die Sommermonate, in denen der jüdische Klub nicht besucht war und infolgedessen auch für die Flottenbüchse nichts aufbringen konnte. Da erschien vor einiger Zeit ein Beauftragter der Flottenkommission und ersuchte um Auslieferung der Büchse. Der Präsident refüsierte, indem er geltend machte, die Büchse sei leer, und ersuchte wiederzukommen. Der Bote beharrte jedoch darauf, die Büchse unter allen Umständen ausgeliefert zu erhalten. Am folgenden Tage lieferte der Betreffende dem Präsidenten der Flottenkommission eine Quittung auf 30 Para aus, verbreitete dann in der ganzen Stadt das Gerücht, die Juden machten sich über die Flottensammlungen lustig und forderte allenthalben auf, sie für diese antipatriotische Haltung zu boykottieren. Die antisemitische Saat ging herrlich auf, und just zum türkischen Bairamfeste, wo die größten Einkäufe erfolgen, standen die jüdischen Geschäfte leer. Die Presse tat das weitere, um die Dinge zu entstellen und auszubeuten. Natürlich hat die „Jeni Gasettau sich den Bissen nicht entgehen lassen, dasselbe Blatt, das die Hetzen arabischchristlicher Blätter gegen die Judeneinwanderung mitgemacht hatte. Sie brachte ein Entrefilet, demzufolge die Juden von Kirk-Kilisse in viereinhalb Monaten im ganzen 30 Para für die Flotte aufgebracht hätten. Die Quittung auf diese Summe sei von den Offizieren der Garnison der Stadt zur Versteigerung gebracht worden und hätte 15 000 Piaster (3000 Frank) ergeben, alsdann hätten die gemeinen Soldaten an der Versteigerung teilgenommen und das Ergebnis auf 4000 Frank erhöht. Diese rührende Geschichte hat, wie zu erwarten war, auch in die griechische Prosse Eingang gefunden. Inzwischen hat der Gemeindevorstand von Kirk-Kilisse eine große Energie entfaltet, um die Intrigue aufzudecken und den Verleumdungen wie dem Boykott ein Ende zu machen. Das ist ihm denn auch in erfreulicher Weise gelungen, wovon er in einem Briefe dein Großrabbinat von Adrianopel Mitteilung machte. Die Flottenkommission sah das Unrecht ein und suchte es wieder gutzumachen. Eine Delegation der jüdischen Jugend von Kirk- Kilisse wurde in den Klub für Einheit und Fortschritt eingeladen, wo sich einige der Förderer des Boykotts befanden. Das Wort für die Juden nahm der Schuldirektor Mitram, der den Vorgang in seinem wahren Lichte darstellte. Die Gegner gestanden hierauf ihr Unrecht ein und entschuldigten sich, sie hätten nie geglaubt, daß die Affäre derartige Folgen annehmen könnte. Die famose Quittung wurde in Anwesenheit der jüdischen Herren zerrissen und die Heiligen versprachen im „Sabach" und in der „Jeni Gasetta" eine Richtigstellung zu publizieren. Der Prozeß gegen den eigentlichen Anstifter nimmt seinen Fortgang. Aus Saloniki Die Affäre des Dschedid Chans, die die Gemeinde Saloniki in zwei feindliche Lager gespalten hatte, ist endlich beigelegt worden. Der Gemeindevorstand berief auf Verlangen der Gegner eine allgemeine Gemeindeversammlung ein, die nahezu einstimmig im Sinne der Aufrechterhaltung des angefochtenen Kontraktes entschied. Infolgedessen ist, äußerlich wenigstens, die Ruhe wieder unter den Saloniker Juden eingekehrt. Der Saloniker Turnverein „Makkabi", der die Statuten des Konstantinopeler Vereins übernommen hatte, ist von der Regierung bestätigt worden. Der Chachambaschi von Saloniki Der Chachambaschi von Saloniki, Rabbi Jakok Mei r, hat dem Gemeinderat seine Ernennung zum Chachambaschi von Jerusalem mitgeteilt. Obgleich seine Amtsperiode in der Saloniker Gemeinde erst in

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