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Die Welt · 1910-10-28 · 43 (28.10.1910) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
43 (28.10.1910)
Date
1910-10-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1150 DIE3^ELT No. 43 der soeben von einer Orientreise zurückgekehrt war, schilderte in lr2 stündigen, fesselnden Ausführungen seine „Reise nach Palästina" und veranschaulichte namentlich das Leben in den jüdischen Kolonien. Dein Vortrage folgte lebhafter Beifall. Der Abend schloß mit einer Sammlung für den Parteifonds und Gratisverteilung der neuen „Zionistischen Merkblätter", deren praktische Zusammenstellung allgemein anerkannt wurde. Österreich Czernowitz: Die Chargenwahlen der jüd.-nat.-akad. Verbindung „Zephirah" ergaben für das XXVII. (Winter-)Semestei folgendes Resultat: cand. iur. Mordko Rothfeld, Präses; cand. phil. Zeinwel Bretschneider, Vizepräses; cand. iur. Heinrich K u d i s c h, Schriftfiihrer. Eger. In der am 11. September d. J. stattgefundenen Generalversammlung des Vereins Ahawath Zion wurde folgende Neuwahl vorgenommen: Herren Sigm Pergamenter, Obmann; Robert Kohn, Stellvertreter; Emanuel Löbl, Schriftführer; Ph. Dr. Fr. Weiß, Bibliothekar; Ferdin. Koretz, Kassierer und die Herren Josef Löwy, Arthur He rrmaim, Ph. Dr. Spitzer, Franzensbad. Graz: Jüdisch-akad. Verb. „Charitas". Die Chargenwahlen für das Wintersemester 1910/11 hatten folgendes Ergebnis: J. U. C. Fritz Hafner X, ehem. Marcell Kopp XXFX, arch. Moses Hauser XXX. Graz. Der Verein Zion veranstaltete am 18. Oktober 1910 im Kaufmannshaus einen Vortragsabend, an dem der Obmann des Vereins, Herr Julius G-rüner, ein Referat über Dr. Franz O p p e n h e i m e r s „ S i e d 1 u n g s - G e n o s s e n s c h a f t e n u erstattete. In leichtfaßlicher, populär gehaltener Form suchte der Vortragende das Thema der zahlreichen Zuhörerschaft zum Verständnisse zu bringen. An dem Vortrag schloß sich eine anregende Debatte. Für die Siedlungsgenossenschaft wurden an dem Abend 500 K. gezeichnet. Die Sammlung wird fortgesetzt. Außerdem hat der Ausschuß Zion beschlossen, sämtliche Eingänge bis zum Schlüsse des Jahres diesem Zwecke zuzuwenden. Prag: Der Verein Jüdischer Hochschüler „Bar Kochba" in Prag hat beschlossen, Martin Buber in das Goldene Buch des Jüdischen Xational-Fonds einzutragen: nicht um seine Schuld für Anregung und freundschaftliche Teilnahme abzustatten — ein vergebliches Bemühen —, sondern um ein Zeichen seines Dankes und seiner herzlichen Verehrung zu geben. Durch diese Mitteilung sind alle, denen Bubers Gedanken Vertiefung und Erhebung gebracht haben, eingeladen, an dieser Ehrung teilzunehmen. Triest. In der ordentlichen Generalversammlung des „Circolo Sionistico Trieste" am 15. er. wurden folgende Herren in die Leitung gewählt: Emil Schwarz köpf, Präsident, Dr. David Grünspecht, Vizepräsident, Ignaz Leonzini, Sekretär, Michael Schor, Kassierund Ing. Heinrich Freund, Bibliothekar. Troppau. Aus Anlaß des 10jährigen Bestandes des zionistischen Vereins „ceschurun" plant der Verein am 7. und 8. Dezember ein Stiftungsfest im größeren Stile zu veranstalten. Dieses Fest ist in Verbindung mit einer Bezale 1-Ausstellung gedacht, Much wird die Herausgabe einer Festschrift (Alinanachs) vorbereitet. Das Festprogramm wird sehr reichhaltig sein. In einer Volksversammlung werden hervorragende Persönlichkeiten der zionistischen Bewegung das Wort ergreifen. Viele auswärtige Vereine haben bereits ihre Teilnahme zugesagt. Wien: Jüd. akad. Verbindung „Makkabäa". Chargenwahlen für das Wintersemester 1910/11: cand. ing. Franz Kaposi X (XXX, XXFX); stud. arch. Erwin Spitzer XX (XXX); stud. iur. Richard Rubin XXX. — Am 16. Oktober ist hier Herr .]. U. C. Max Maschler aus Tarnow, Mitglied der Vereinigung .rBar Kochba" im 21. Lebensjahre gestorben. Zaleszczyki: Anläßlich des Geburtstages des jüd. Literaten Herrn Gg. Rabb. Isaac B. Thumim, veranstalteten dessen Verehrer und Freunde am 15. Oktober eine Feier, die sehr würdig verlief. Belgien Antwerpen. Wir hatten letzte Woche das Vergnügen, Herrn Dr. J. Engel, Lehrer an der Tachkemoni-Schule zu Jaffa, auf seiner Durchreise in unserer Stadt begrüßen zu dürfen. Um ihm Gelegenheit zu geben, für seine Schule neue Gönner zu werben und uns mit derselben näher vertraut zu machen, lud der Misrachi- Verein zu einer geschlossenen Abendgesellschaft Persönlichkeiten ein, von denen er wußte, daß sie der Sache Interesse entgegenbringen. Herr R. Cohn eröffnete die Sitzung. In inhaltsreicher interessanter Weise setzte Dr. Engel als gründlicher Kenner der palästinensischen Verhältnisse die dortige Lage unter dem alten und dem neuen Jischub auseinander und besprach ausführlich die Prinzipien und die Tätigkeit der Tachkemoni-Schule. Er teilte auch mit, daß die finanzielle Lage des Instituts nicht glänzend ist. In Anerkennung dieses Ilmstandes bildete sich noch gleich an diesem Abend ein aus acht Herrn bestehendes Komitee, das hier für die Schule arbeiten will. Auch wurde sofort eine im Verhältnis zu der Zahl der Anwesenden ansehnliche Summe von festen Jahresbeiträgen gezeichnet. Brief aus Rumänien (Von unserm Korrespondenten) Gegen das Treiben der Missionare Vor einigen Wochen habe ich Ihnen die Gefahren geschildert, die den Kindern jüdischer Eitern von seiten der Missionsschulen drohen. Es ist nun erfreulich, mitteilen zu können, daß sich die Juden Bukarests zu energischem Vorgehen entschlossen haben. Den Anlaß hierzu gab der Umstand, daß die Missionare die jüdischen Schüler der Missionsschulen zum Besuch der öffentlichen Vorträge zwangen, die sie am jüdischen Neujahrsfest veranstalteten. Nach einem solchen Vortrag wollte ein jüdischer Student zu einer Entgegnung das Wort nehmen. Die Missionare und ihr Anhang suchten ihn durch Lärmen am Sprechen zu verhindern, und es kam zu solchen Szenen, daß Polizei einschreiten mußte. Am zweiten Rosch-haschonoh-Tage fand nun in der Baron Hirsch-Synagoge eine jüdische Versammlung statt. Die Herren Zwiebel, Grünberg und Zeltzer schilderten das Treiben der Missionare. Am folgenden Sonntag fand im Theater Lieblich eine zweite Versammlung statt. Es wurde eine Resolution angenommen, in welcher unter scharfem Hinweis auf das Vorgehen der Missionare alle Synagogen und Vereine aufgefordert wurden dem Unterrichtsministerium eine Eingabe zu unterbreiten, derzufolge den Missionaren verboten werden soll, jüdische Kinder zum Besuch nichtjüdischer Feste und Vorträge zu zwingen. Ein Erlaß über die hebräische Sprache Der rumänische Unterrichtsminister Haret, ein Armenier, hat ein Zirkular herausgegeben, in welchem er folgendes anordnet: Jedermann, der an einer jüdischen Schule als hebräischer Lehrer fungieren will, hat sich bei sonstiger Bestrafung in Bukarest der Prüfung vor einer vom Minister ernannten, aus vier Rabbinern bestehenden Kommission zu unterziehen. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, muß der Kandidat ein Zeugnis über den Besuch von vier rumänischen Primärklassen vorlegen. Für die Kosten der Kommission hat der Kandidat aufzukommen. Diese Maßregel wäre nur zu begrüßen, wenn sie nicht ein Ausfluß des chauvinistischen Antisemitismus wäre, der die jüdischen Schulen, die ohnehin unter Mangel an Kräften leiden, unterdrücken will. Ein bestrafter Oberst Die „Welt" hat seinerzeit von der merkwürdigen Affäre eines rumänischen Obersten Kenntnis genommen, der in einem Straßenbahnwagen einen christlichen Advokaten ohrfeigte, weil er ihn für einen Juden hielt. Der Advokat hatte den Angreifer verklagt, der nun mit 20 Tagen Kerker bestraft wurde. Diese Strafe zieht auch eine zehnjährige Unterbrechung des Avancements des tapfern Offiziers nach sich. Die Lage der Juden in der Dobrudscha Bekanntlich erhielt Rumänien nach dem russisch-türkischen Kriege vom Jahre 1878 als Kompensation für Bessarabien, das an Rußland fiel, die Provinz Dobrudscha. Nachdem die Armee dieses Gebiet besetzt hatte, unterzeichnete König Karol ein Gesetz, welches die damaligen Bewohner der Provinz und ihre Nachfolger als rumänische Bürger erklärte. In diese Anerkennung waren auch die jüdischen Bewohner eingeschlossen, und es gab auch in der Folgezeit jüdische Beisitzer in Stadt- und Distriktsräten sowie in der Handelskammer. Das soll nun ein Ende finden. Die Regierung hat die Anerkennung 33 Jahre rrach ihrem Vollzug aufgehoben und eine Kommission ernannt, welche nur diejenigen als Bürger anerkennen soll, die sich mit — türkischen Dokumenten ausweisen können. Diese Maßregel wird sich, wie man wohl annehmen kann, nicht auf Rumänen beziehen, noch auf die dort lebenden Bulgaren (denn Bulgarien könnte Reziprozität

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