Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 43 (28.10.1910)
- Date
- 1910-10-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1144 DIE3KEELT No. 43 Nationale Matriken Der neue Rektor der Wiener Universität, Hofrat } Professor Dr. Bernatzik, hat bei seinem Amtsantritt zum Tfrema der üblichen Inaugurationsrede die Frage der nationalen iMatriken gewählt. In der Behandlung dieser Angelegenheit hat er wohl sehr wider Willen auch einige interessante Ausführungen über den Zweck der von der österreichischen Regierung versuchten „wissenschaftlichen Begründung" der Umgangssprache einfließen lassen, die für uns doppelt interessant sind, wenn wir an das merkwürdige Elaborat erinnern, mit welchem diese Regierung den Beschluß des Abgeordnetenhauses widerlegen wollte, bei der kommenden Volkszählung die Nationalität statt der Umgangssprache zu erheben. Hofrat Bernatzik sagte u. a.: „Die drei Statistiker Ficker, Keleti und Glatter haben gefunden, daß die Nationalität beim Individuum gar nicht oder nur auf Grund umständlicher Erforschung der Abstammung und anderer Merkmale erhoben werden könne. Man müsse also zu Surrogaten greifen. Hierzu sei aber einzig und allein die Sprache geeignet, sei es die Muttersprache oder die Umgangssprache oder die Haushaltungssprache, wie in der Schweiz, oder nach dem Vorschlage Fickers die Familiensprache. Später stellte man sich im allgemeinen auf den Standpunkt Fickers, ging aber nicht auf seinen Vorschlag ein, die Familiensprache zur Grundlage zu nehmen, sondern beschritt den bekannten Mittelweg, indem man die „Umgangssprache" feststellen ließ. Ja, man forderte die Feststellung der „Umgangssprache" bei allen einheimischen Individuen, ohne Ausnahme, also selbst bei solchen, die nicht sprechen können, wie bei Säuglingen und Stummen. Eine fernere Unrichtigkeit lag in der Forderung, daß jedermann nur eine Unigangssprache haben dürfe, trotzdem es genug Menschen mit mehrern gibt und zum Beispiel in Belgien und in der Schweiz die Angabe mehrerei Umgangssprachen anstandslos entgegengenommen wird. Endlich wurde eine Auswahl unter den Sprachen und somit unter den Nationalitäten vorgenommen, wobei manche kleinere Gruppe, wie zum .Beispiel die Ladiner, die Juden, ganz beseitigt oder mit andern verschmolzen wurden. Diesen Standpunkt nimmt die Regierung auch bei der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 ein, und bedeutende Statistiker, wie v. Inama-Sternegg, Rauchberg und andere, haben ihn gebilligt, während unser Abgeordnetenhaus die Erhebung der „Nationalität", eventuell der „Muttersprache"; verlangt hat. Hinsichtlich der vcn der Regierung angeordneten Unrichtigkeiten ist zu bemerken, daß das Vorgehen der Regierung nicht angefochten werden kann, weil das Gesetz über die Volkszählung vom Jahre 1869 so gut wie alle Details der Regierung überlassen hat..... Die gegenwärtig bestehenden Ansätze einer nationalen Autonomie machen die Einführung nationaler Matriken unvermeidlich. Die Einführung der Matriken muß der Gesetzgebung vorbehalten bleiben. Aufgabe der Gesetze wäre es, die Nationalität im objektiven und subjektiven Sinne festzustellen. Eine gesetzliche Begriffsbestimmung der Nationalität im objektiven Sinne ist nicht gut möglich, man muß also die Nationalitäten im Gesetze nennen und aufzählen. Zu einer Nationalität gehört ein gewisses Maß von Kultur und Literatur und daher vor allem eine ausgebildete Sprache. Die Zigeuner sind in diesem Sinne ein Volksstamm, aber keine Nationalität. Das Gesetz wird auszusprechen haben, ob das Ruthenische als eine besondere Sprache oder als ein Dialekt des Russischen zu betrachten sei; ob die Ladiner wirklich mit den Italienern identisch sind; ob die Juden eine besondere Nationalität bilden, wenigstens jene Juden, welche sich als Nationalität bekennen wollen." Der Wiener Gelehrte kennzeichnet, wie man sieht, die bekannte Kurrende der österreichischen Regierung als „angeordnete Unrichtigkeiten". Wie die Dinge nun stehen, ist für die jüdische Bevölkerung, die sich besonders durch die Wahlen von 1907, ohne erst auf die behördliche Anerkennung zu warten, selbst als Nation bekannt hat, wenig Aussicht auf erfolgreiche Gegenwehr, solange sie solche „Unrichtigkeiten" bloß protestierend über sich ergehen läßt. Die „Jüd. Ztg." zieht deshalb aus der Rede des Rektors den einzigen Schluß: „Die Rede des Hofrats Bernatzik wird für uns Jüdischnationale ein Ansporn sein, den Kampf um unsere Anerkennung als Nation mit aller Macht fortzuführen." Solange Wissenschaft und Regierung der Ansicht sind, daß eine Nation vom Gesetzgeber, nicht aber von dem deutlich und sinnfällig kundgegebenen Willen ihrer Angehörigen bestimmt wird, muß eben gekämpft werden. Die österreichischen Machthaber sind sonst nicht so engherzig. So haben sie z. B. eine aus drei Großgrundbesitzern bestehende Nation „Armenopolen" anerkannt. Die P/V Million Juden aber weisen sie großmütig den Deutschen, Tschechen, Polen zu. fln unsere hesert Die ungemein zahlreichen Zuschriften, die uns T\ f\\ fk f4\ti r% Fl II ITT TT!/II" ff AI* T zus*röm*en' e[l*s aus unserm Leserkreise nach dem Erscheinen der lr Ulli ^llllvl~l LUlIllIft^l vi vT wSf Wll halten alle die Feststellung, dafj in dieser Ausgabe der «Welt»» unsern Gesinnungsgenossen eine wirksame und werfvolle Werbeschriff für unsere Arbeit im heiligen hande an die Band gegeben worden ist. Wir können all die mannigfachen Beweise der Sympathie und des Dankes, die uns bei dieser Gelegen heit zuteil geworden sind, nicht zum Abdruck bringen. Aber wir glauben, dafj der Erfolg der Ilummer erst dann ein vollständiger werden wird, wenn jeder Gesinnungsgenosse für die Verbreitung der Palästina-Hummer nach Kräften täfig sein wird. Er unterstützt damit nicht allein das Zentralorgan seiner Bewegung, sondern dient in weif höherm Grade dem Fortschritt der jüdischen Arbeit in Palästina, Um nachträglich einlaufende Bestellungen aus= /ifrr/l D /lf/mi*nfl/Tll?f /! n i\ herstellen lassen und ersuchen führen zu können, haben wir von der Palasfina^ilummer vllLw iXvolwl VwUUllUvjC unsere geehrten lieser, insbe* sondere aber die zionistischen Vereine und Vertrauensmänner, riachbeslellungen für die Ilummer unverzüglich aufzugeben, da die ReserveauHage bereits fast rt/H*ni*iffff/lTT 1^4 9^nzen(*e textliche und illustrative Ausstattung der Paläsfina*nummer wird sicherlich unsere gänzlich Uvl yl III wll 1^1+ Freunde und Gesinnungsgenossen anspornen, sie in den weitesten jüdischen Kreisen zu verbreiten. Solange vorrätig, liefern wir die riummer für Deutschland und Österreich«Ungarn mit 65 Pfennig, für alle übrigen liänder mit 75 Pfennig pro Exemplar. Exemplare auf Kunstdruckpapier Jl 1.50. 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