Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51 DIE^gELP 1349 sollte man keinesfalls von 10% sprechen; man/dürfte höchstens. 3°/<r der Bruttoeinnahmen oder 5°> der Nettoeingänge in Anspruch, nehmen. Zählen wir die ION des J. C. T. und die 3% des N. F. zusammen, so bekommen wir jährlich ungefähr 25 000^. Unsere andern Banken zu besteuern, wäre kaum zulässig, da ihre Gewinne doch hauptsächlich dem J. C. T. zufließen und dort schon besteitert werden. Es ist also klar, daß durch die Besteuerung Unsere Finanzfrage in keiner Weise gelöst wäre; wir müßten weitere Einnahmequellen suchen, die uns vielleicht der Notwendigkeit einer Besteuerung unserer Institutionen überheben würden. Von den andern Einnahmequellen, die hier vorgeschlagen wurden, will ich in erster Linie gegen folgende zwei mich aussprechen, nämlich: der Bank die nicht erhobenen Dividenden und dem N. F. alle jährlich einlaufenden Zinsen abzunehmen. Was heute nicht erhoben wird, kann ein halbes Jahr später verlangt werden, und bei unsern Verhältnissen würde die Ablehnung einen durchaus ungünstigen Eindruck machen. Außerdem hat unsere Bank, deren Kapital durch Verkauf neuer Shares jetzt sehr wenig anwächst, diese ihr überlassenen Mittel selbst sehr nötig. Ich verstehe wohl eine prozentuelle, Vergütung für geleistete Dienste; dies erscheint mir kaufmännisch zulässig; aber ein stückweises Abreißen der Mittel der Bank — von Zeit zu Zeit — würde wirklich ihr kommerzielles Ansehen gänzlich untergraben. In gleichem Maße wäre es absolut unzulässig, zu erklären, daß alle dem N. F. zuwachsenden Zinsen von der Organisation weggenommen werden; vergessen wir nicht, daß es jetzt gar nicht zu berechnen ist, wie viel diese in einem Jahre ausmachen werden. Ein derartiger Beschluß würde die Sympathien der Spender unbedingt stark abkühlen. Es wurde ferner vorgeschlagen, die Höhe des Schekels zu verdoppeln und ihn dafür nur für eine Kongreßperiode (2 Jahre) einzuziehen. Ich halte diesen Weg nicht für gangbar. Sind die breitern Schichten unserer Organisation imstande, eine Steuer von 1 Rubel auf e;nmal zu entrichten, so haben wir das Recht, diese^ Steuer auch jährlich zu beanspruchen; ist eine solche Steuer zu"5 schwer, so wird sie dadurch nicht leichter, daß man sie nur einmal in zwei Jahren einzieht. — Unzulässig wäre auch die Einführung des lebenslänglichen Schekels. Bei wohltätigen Institutionen ist ein solcher Modus ganz am Platze, bei uns nicht. Was mir aber möglich erscheint, ist die Verdoppelung des Schekels bei jährlicher Einziehung. Es kann nicht bestritten werden, daß unsere Idee in den großen Schichten des Volkes bereits Anklang gefunden hat; dieser manifestiert sich leider nicht in der Entrichtung des Schekels. Wer aber für unsere Organisation aktives Interesse hat, der wird auch einen größern Schekel entrichten, er selbst oder der Verein, dem er angehört. Ferner scheint mir der Vorschlag der Schaffung eines Zentralfonds oder der zweiten Einziehung des Parteifonds einen gesunden Kern zu haben; auf diese Weise könnten wir ansehnliche Summen bekommen und sie zur Deckung unserer jährlichen Fehlbeträge benutzen. Wenn ich nun die uns zu Gebote stehenden Möglichkeiten übersehe, so gibt es deren drei: Besteuerung in den angegebenen Formen, Verdoppelung des Schekels und Extrasammlungen für einen Zentral- oder Parteifonds. Wir, jetzt und hier, sind nicht imstande, Beschlüsse in dieser Richtung zu fassen; die einzige Instanz hierfür ist der Kongreß. Was wir aber schon jetzt tun müssen, ist — diese drei Eventualitäten den Landsmannschaften zu unterbreiten. Bis zum Kongreß sollen sie diese Fragen beraten und auf dem Kongreß entscheiden, was möglich und nützlich ist. Ich stelle darum einen in dieser Richtung formulierten Antrag zur Abstimmung. Was die Deckung des bereits bestehenden Defizits anbelangt, sehe ich momentan keinen annehmbaren Weg. Die nicht erhobenen Dividenden zu diesem Zwecke der Bank abzunehmen, halte ich für sehr verfehlt. Das Defizit wird erst von den neu zu schaffenden Einnahmequellen allmählich gedeckt werden müssen. Moskau, 9. Dezember 1910. D'r. E. W. Tschlenow« Deutschland Der zionistische Verein „Jeschurun" in Troppau bittet uns um* Veröffentlichung;folgender Danksagung: Zu unserm, am 7. und 8. Dezember stattgefundenen 10jährigen Gründungsfest ist uns eine derart große Anzahl Glückwünsche und Sympathiekundgebungen aus der ganzen Welt zugekommen, daß wir außerstande sind, dieselben einzeln zu erwidern, weshalb wir den verehrlichen zionistischen Institutionen undVerejnen, sowie den lieben Gg., welche aus der Ferne unseres Jubiläums gedachten, den allerherzlichsten Dank aussprechen. Zionistischer Verein „Jeschurun", Troppau. Berlin. In dem von mehr als I50Ö* Personen besuchten großem Saale des Etablissements Tiergartenhof fand* ans 14. d, M. eine* imposante jüdische Volksversammlung statt, die1 sieh zu einer ergreifenden Kundgebung für den zionistischen Gedarrken gestaltete. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Dr. Klee über das Thema: „Der Zionistenführer und sein Werfe." In mehr als einstündiger Ausführung entrollte der bekannte Redner ein großzügiges Bild von dem Leben und Schaffen des größtem Staatsmannes und Organisators des Judentums, Theodor Herzls* Unter brausendem Beifall der Versammlung zeigte er, wie der Zionismusdie dem Judentum entfremdeten Teile des Volkes zur Erkenntnis; des hohen Wertes der altjüdischen Idee gebracht hat und wie dadurch bei dem religiös empfindenden Menschen auch das religiöse Judentum wieder neu zur Blüte gebracht worden ist. Der Zionismus sei eine fortschrittliche Freiheitsbewegung, fern von aller Reaktion, sie weise aus dem geistigen und politischen Ghetto den Weg ins Freie. Brausender, sich immer erneuernder Beifall lohnte die glänzenden, geistvollen Ausführungen des Redners. Der Vorsitzende, Herr Lazarus Barth, gab eine Reihe von Aufklärungen über die zionistische: Organisation und wies auf ihre Veranstaltungen in Berlin hin. Sodanre sprachen die Herren Rechtsanwalt Gr on emann und Dr. Witkowsky,. ersterer über das Verhältnis des Zionismuszum gesetzestreuen Judentum;, letzterer über die besonders aktuelle Frage: Judentum und! Liberalismus. Der Abend bedeutete numerisch und moralisch eine* außerordentliche Stärkung der Zionistischen Organisation. Berlin. Montag den 12. Dezember versammelten sich ca. 400 Personen auf Einladung der jüdisch-nationalen Frauenvereinigung im großen Saale des Tiergartenhofes. Die Versammlung diente deir Propaganda der hebräischen Sprache, Die seit kurzem im Berlin bestehende Organisation für hebräische Sprache und Kultur hat bereits eine große Anzahl von Unterrichtskursen für die verschiedenen Altersklassen eingerichtet. Herr Rechtsanwalt Dr. Klee ^forderte zunächst die jüdisch-nationale Frauenveieinigung auf, durch freiwillige Initiative dafür zu sorgen, daß das, was die große Berliner jüdische Gemeinde bisher nicht leistet, in Zukunft geleistet werde,, nämlich, daß den etwa 10- bis 15 000 jüdischen Kindern, die in Berlin! ohne jeden hebräischen Unterricht aufwachsen, ein solcher erteilt werde. Ein großes Frauenkomitee müsse mit allen Eltern, die schulpflichtige Kinder haben, Fühlung nehmen und aufklärend wirken. Herr Oberlehrer Y eil in aus Jerusalem gab in formvollendeten! Hebräisch einen Bericht über den Stand der hebräischen Sprache und Kultur im Heiligen Lande. Herr Dr. Biram entwarf ein Bild von den Leistungen der obengenannten Organisation und von ihren Zukunftsarbeiten. Es sollen zunächst neben den Kursen ein Kindergarten, später auch ein hebräischer Kinderhort geschaffen werden, vor allem aber eine weitgreifende Organisation ausgebaut werden, um dem Hebräischen wieder zu seinem Rechte zu verhelfen. Die Diskussion, an der sich u. a. Frau Lina Wagner-Tauber mit einer zündenden Ansprache beteiligte, ergab eine erfreuliche Übereinstimmung zwischen den Anwesenden und den Rednern. Berlin. Der Bund Jüdischer Korporationen (B. J. K.) feiert jetzt sein 10jähriges Bestehen. Das wird weitere Kreise deshalb interessieren, weil der B. J. K. als Kartell der 10 an verschiedenen: Universitäten Deutschlands bestehenden V. J. St. (Vereine Jüdischer Studenten) einen Sammelpunkt aller jüdischen Akademiker darstellt, die sich bewußt als Juden fühlen und an der Entwicklung eines lebendigen Judentums mitarbeiten wollen. Der 10. Kartelltag des Bundes, der vom 25. bis 29. Dezember in Berlin stattfindet, wird aus diesem Anlaß mit groß angelegten externen Veranstaltungen verbunden sein. Ein Festkonvent am Sonntag den 25. Dezember, mittags 12 Uhr, im Klindworth-Scharwenka-Saa! (Lützowstraße 76) soll durch eine akademische Erörtung der Themen: „Die historischen Grundlagen des B. J. K. und seine Gründung". „Was bedeutet uns die Korporation?", „Die Aufgaben des B. J. K." den Intellektuellen Berlins, soweit sie jüdisch interessiert sind, ein Bild vom Werdegang und Wesen des B. J. K. geben. Der am 27. Dezember, abends 8 Uhr, im Theatersaal des Kroll'schen Etablissements stattfindende große Kommers, dem auch die Damen als Zuschauerinnen alif den Rängen beiwohnen werden, wird die aktiven Mitglieder und Alten Herren des B. J. K., die aus ganz Deutschland ihr Erscheinen in Aussicht gestellt haben, mit den zahlreichen Berliner Freunden jüdisch-akademischer Bestrebungen vereinigen. Den Abschluß der Festlichkeiten bildet ein Ball, welchen am 28. Dezember im Hause des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 116, die Berliner Vereine Jüdischer Studenten den ihnen gesellschaftlich nahestehenden Kreisen geben. Frankfurt a. M. Den von der Zi o n i s t i s ch en J u gen dgr u p p e veranstalteten Diskussionsversammlungen wird in weiten Kreisen reges Interesse entgegengebracht. Dem ersten Diskussionsabend