Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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gewiß der längste Krieg, von welchem die Geschichte zu erzählen weiß. Jetzt ist der Streit zu Ende und wenigstens eine Ungerechtigkeit weniger in der Welt. Israel hat das Spiel gewonnen." [J. P. Fallmerayer, Neue Fragmente aus dem Orient.] „Die nationalen Zustände umzugestalten, die Söhne des Teut zwischen Belt und Alpen in eine homogene Masse zu verschmelzen und einem Willen gehorchen zu lehren, war schon seit dem Untergang der mittelalterlichen Hohenstaufen eine von jedermann anerkannte Unmöglichkeit. Selbst eine soziale Sündflut, scheint es, könnte den zentrifugalen Sinn des deutschen Volkes doch nicht verwischen. Warum soll man in Bestrebungen, Unmögliches zu schaffen, noch länger Zeit und Kraft vergeuden?'' [J. P. Fallmerayer, Politische und kulturhistorische Aufsätze.] „Wenigen an Kraft und genialischem Wesen überwiegenden und das Zeitgeschleppe mit sich fortreißenden und alles überwältigenden Geistern verdanken wir die gesamte Errungenschaft in der Politik wie in der Wissenschaft. Flickwerk und unfruchtbarer Taumel gemeiner Zeiten und gemeinen Trosges füllen die leeren Zwischenräume der großen Männef und der großen Epochen aus." [J. P. Fallmerayer, Kritische Versuche.] „Es ist die Tragik großer Ideen, daß sie in denkleinen Köpfen klein werden müssen." [Otto Ernst, Des Kindes Freiheit und Freude.] „Kleine Leute sollen sich freuen, wenn die großen Fehler machen. Das gibt ihnen Gelegenheit, den eigenen Kram auszulegen und zu tun, als wenn sie auch etwas wüßten'" [J. P. Fallmerayer, Politische und kulturhistorische Aufsätze.] „Es gibt Naturen, welche am Fortschritt der Gesellschaft arbeiten können, indem sie alle Vorurteile schonen, die Sache nur halb beim Namen nennen und ein wenig nachgeben, um ein Weniges zu erlangen. Diese, übrigens ganz ehrlichen Naturen tun ihre Arbeit, und sie hat ihren Nutzen. Aber es gibt andere, welche, von der unwiderstehlichen Logik der Überzeugung vorwärts getrieben, sich bestimmt aussprechen müssen; gelingt es ihnen auch nicht, ihr Ideal zu verwirklichen, so erringen sie doch für dasselbe die Sympathie energischer Charaktere." [Malwida v. Meysenbug, Memoiren.] „Trägheit, Gewöhnung, Eitelkeit, Verstandesschwäche sind Gegner, die man weniger leicht besiegt, als die Schöpfer neuer Gedanken gerne glauben möchten." [J. P. Fallmerayer, Kritische Versuche.] o o o o o o o o o o o o o o AUS DER BEWEGUNG £ o o o o o o o X 3> o o o o o o o Das Bukowinaer zionistische Landeskomitee sendet uns ein von den Herren Dr. Mayer Ebner, Dr. Kinsbrunner, Julius Hormann, Josef Hornstein, Hermann Gottesmann, Dr. Philipp Fleischer, Dr. Moses Hauer, Krammer und Dr. Josef Elbogen unterzeichnetes Telegramm, worin gegen die in der jüngsten Nummer der Wiener „Jüdischen Zeitung" gegen Herrn Professor Dr. Kellner, den Obmann der Bukowinaer zionistischen Landesorganisation, gerichteten heftigen Angriffe nachdrücklich Protest erhoben wird. Auch die jüdisch-akademischen Verbindungen ,,Chermonia", ,,Emunah", „Hebronia", „Zefirah" und „Hasmonäa" in Czernowitz sprechen uns telegraphisch ihre Empörung aus, daß ein. so hervorragender Gesinnungsgenosse wie'Professor Kellner in so schmählicher Weise gekränkt und dem öffentlichen Spotte preisgegeben werde. Von der wörtlichen Wiedergabe dieser Protestkundgebungen, die -in der schärfsten Weise der Entrüstung über den Vorgang Ausdruck geben, möchten wir hier absehen, können auch auf den objektiven Kern der Streitfrage, die eine interne Angelegenheit unserer österreichischen Gesinnungsgenossen ist, nicht eingehen. Wir können jedoch nicht umhin, den unwürdigen Ton, der in einem Teile der nationaljüdischen Presse, namentlich in Österreich, seit längerer Zeit vorherrscht, auch unserseits aufs entschiedenste zu mißbilligen. Wenn bei der Erörterung tiefgreifender prinzipieller Fragen die gegensätzlichen Meinungen heftig aufeinanderprallen und in der Hitze .des Gefechts die für den Meinungsaustausch unter Gesinnungsgenossen doppelt verbindlichen Normen der Höflichkeit außer acht gelassen werden, so können wir dies-allenfalls noch begreifen. Wir können es auch verstehen, wenn bei groben Angriffen von außen in schroffer Form erwidert wird. Wenn aber persönliche Zänkereien kleinlichster Art Jahr aus Jahr ein die Spalten eines Teiles unserer Presse füllen, die doch ernstern und wichtigern Dingen geweiht sein sollte, so enteilten wir diese immer mehr überhand nehmende Verrohung der journalistischen Sitten als einen schweren Schaden für unsere Bewegung, dem nicht nachdrücklich genug entgegen getreten werden kann. Wohin soll es führen, wenn ein zionistisches Blatt wie die „Jüdische Zeitung" ein Spottgedicht schlimmster Art gegen den Vorsitzenden der Bukowinaer Landesorganisation, unsern ausgezeichneten Gesinnungsgenossen Herrn Prof. Dr. Leon Kellner, einen Schriftsteller und Gelehrten, auf den unsere Bewegung stolz zu sein alle Ursache hat, veröffentlicht! Es geht doch wahrlich nicht an, daß ein ernstes zionistisches Organ sich auf das Niveau eines Witzblattes begibt. Es wäre hoch an der Zeit, daß unsere österreichischen Gesinnungsgenossen sich, mit aller Energie bemühten, den Geist des leidigen persönlichen Gezänks aus ihrer Mitte zu bannen. Von Herrn H. York-Steiner in Wien erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrte.Redaktion! Entgegen meinem ausdrücklichen Wunsche, meinen Namen nicht wegen einer persönlichen Angelegenheit durch die Parteipresse zu ziehen, finde ich verspätet in der Nummer der „Welt" vom 2. er. folgende mich betreffende Stelle im Bericht über die Sitzung des Gr. A. C: „Herr York-Steiner erklärt in einem Schreiben an das Aktionskomitee, daß er sich dem vom A. C. eingesetzten Ehrengerichte in seinem Konflikte mit einigen Herren aus