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Die Welt · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1346 DIEÄELT V No. 51 Zionistinnen nicht müde, den Besuchern alles bis ins einzelne vorzuführen und zu erklären. Es wird eifrig und nicht ohne Erfolg Propaganda getrieben, — auch für unsere Sache. Auf einem andern Tische liegen alle Broschüren, Flugschriften und Propagandamittel des Nationalfonds, eine wohl fast vollständige Sammlung. Um den Tisch drängen sich fortwährend Zionisten und Nichtzionisten, diskutierend, fragend, antwortend. Aber welcher Meinung man auch sei, der Nationalfonds-Büchse in der Mitte wird fast immer gedacht. Ich konnte die Ausstellung in Rotterdam öfters sehen. Der Besuch war überaus stark. Am Sonntag namentlich waren so viele Leute da, daß man vor Menschen fast überhaupt nichts von der Ausstellung sehen konnte. Und auch an den andern Tagen kamen immer zahllose Besucher, Juden und Christen. Sie schauten und bewunderten nicht nur. sondern kauften auch sehr viel. Der materielle Erfolg in Rotterdam war denn auch ein sehr großer, viel höher, als man erwartet hatte. Am 22. November würde die Ausstellung in Amsterdam eröffnet. Im Dezember kam sie nach Haag und im Januar kommt sie vielleicht noch nach Groningen. Und dann wird Palästina von uns fort sein und wir werden wieder in Holland leben. Welchen moralischen Erfolg die Ausstellung für unsere Sache bringen wird, wird sich selbstverständlich erst später zeigen. Der erste Eindruck aber ist ein sehr guter. ' * * Montag, den 19. Dezember stattete die Königin-Mutter Emma und eine Stunde später die Königin der Niederlande in Begleitung des Prinzgemahls Heinrich der Palästina-Ausstellung im Haag einen Besuch ab. Die hohen Gäste weilten längere Zeit in den Ausstellungsräumen und sprachen sich über das Gesehene in Worten höchster Anerkennung aus. 6 [[ □□baap FEUILLETON »r LESEFRÜCHTE gesammelt von Dr. „Warum bleibt Israel freiwillig in seiner Zerstreuung durch die Welt? Warum macht es niemals einen Versuch, irgendwo in kompakten Massen sich anzusiedeln? Warum fühlt es so gar kein Bedürfnis einer eignen Heimat? Scheint es doch fast, als hätten die Söhne Israels .... sich gewöhnt, nicht bei sich zu Hause zu sein, und ihren Beruf darin erkannt, als Bummlervolk ihre Rolle zu spielen in der Geschichte der Menschheit." [Hamerling, Lebenspilgerschaft.] „Es gibt philosophische Sozialpolitiker, die uns das Wort entgegenhalten werden: die Deutschen sind ein Kulturvolk, weniger berufen zum Eingreifen in die äußern Geschicke der Welt, als zur Pflege der geistigen Entwicklung und zur Lösung der großen Fragen der Menschheit. Wer sich damit tröstet, dem wünschen wir die Resignation der Juden. Denn auch die Juden waren ein Kulturvolk. Zu dieser Resignation haben wir es noch nicht gebracht. Wir glauben, daß das deutsche Volk noch nicht so tief gesunken ist, um sich mit dem Bewußtsein, ein Kulturvolk zu heißen, über seine politische Machtlosigkeit zu trösten." [Chlodwig v. Hohenlohe, Denkwürdigkeiten.] „Zionist sein heißt einen schrankenlosen Glauben an die Kraft und Hingebung jüdischen Blutes haben. Schon der Gedanke des Zionismus: die Tatsache der Existenz eines solchen Glaubens, beweist, daß dieses Blut von unzerstörlicher Eigenheit ist. Die Römer müssen diese Kraft geahnt haben. Die fürchterliche Grausamkeit, mit der sie bei der Zerstörung des Judenstaates vorgegangen sind, weist darauf hin. Ganz Judäa verfiel dem kaiserlichen Fiskus und wurde an Fremde versteigert; das Terrain von Jerusalem mußte überdies 90 Jahre unbebaut bleiben; die Stadt selber wurde buchstäblich dem Erdboden, gleich gemacht. Und, berichtet Fallmerayer nach Flavius Josephus, mehr als vier Stunden in der Runde hat das römische Belagerungsheer die Landschaft kahl geschoren, das Baum- und Buschleben bis auf die letzte Spur vertilgt und im letzten Akt des Trauerspiels nicht bloß alle von Juden bewohnten Ortschaften Palästinas, über tausend Jeremias, Posen an der Zahl, zerstört, sondern in seinem Rachegefühl auch noch die Quellen und Brunnen verschüttet. Dieser kolossale Antisemitismus deutet nicht auf Verachtung. Und nun zu denken, daß dieses von der antiken Weltmacht zertretene Volk über die ganze Erde verstreut, von Religions und von Rasse wegen gehaßt, verfolgt, gedemütigt, eingesperrt, dennoch innerlich zusammengehalten und sich in der Diaspora zu einer Macht erhoben hat, die fast auf jedem Gebiet des heutigen Lebens wirksam ist: wer möchte angesichts dieser unerhörten geschichtlichen Wahrheit nicht vorziehen, dieses Volk des Ostens hoch zu achten und seine völlige Einordnung in die westlichen Nationen zu begrüßen, statt ihm mit Hohn und Haß entgegenzutreten?" [Otto Julius Bierbaum, Yankee doodle-Fahrten.j „Und dochhätten die Christen, besonders die deutschen, viele Sünden gegen das merkwürdige und hochbegabte weiland kriegerische Bauernvolk der Juden gut zu machen. Oder erlaubt etwa unser Jahrhundert nicht jedermann, gegen jede Überzeugung und gegen jede nachhaltige Krafterscheinung gerecht zu sein? . . . Man darf ohne Scheu behaupten: kein Volk des Altertums habe mit so viel Mut, Sündhaftigkeit und Todesverachtung Freiheit und Gesetz verteidigt, wie Israel. . . Die Nachkommen der Insurgenten von Bethar leben heute noch, zwar gruppenweise zerstreut über den ganzen Erdboden, aber ungebrochenen Mutes und im Geiste ihres heldenmütig verteidigten Gesetzes doch vereint zu einer unzerstörbaren kompakten Nationalität. Vielleicht ist dieses Volk sogar zahlreicher und trotz seines konfiszierten Landes in der Wagschale der menschlichen Dinge schwerer wiegend, als es selbst in der Blütezeit seines Staates war. Es ist ein alter Streitsatz der Philosophen, ob der Mensch oder das Übel stärker sei. Die Juden haben das Problem entschieden und den Beweis hergestellt, daß der willensstarke Mensch der feindlichen Natur, ja dem Fatum selber überlegen sei. Das Argument war freilich lang, und es bedurfte 1800 Jahre voller Kampf, Widerstand, Leiden und Geduld, bis die bösartige Gewalt den ganzen Vorrat ihrer Kraft erschöpft hatte. Das. war

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