Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 51 die: [ELT 1345 Frau Bertha Markus Aus Florenz erhalten wir die schmerzliche Trauerkunde, daß dort am 13. d. M. unsere ausgezeichnete Gesinnungsgenossin Frau Bertha Markus, die würdige gleichstrebende Qattin unseres Freundes Tobias Markus, an den Folgen eines Herzleidens verschieden ist. Die Nachricht vom Ableben dieser erlesenen, hochsinnigen und mit ungewöhnlichen Gaben des Geistes und Gemüts begnadeten Frau wird nicht venfehlen, in weitesten jüdischen Kreisen herzliche Teilnahme zu erwecken. Der Zionismus verliert in der Verstorbenen eine glühende, hingebungsvolle Anhängerin, die von den ersten Anfängen der Bewegung an unermüdlich in Schrift und Organisation mit ihnen um den Heimgang der edlen Frau trauert, deren Herz so warm für unser unglückliches Volk schlug. Tat für unsere Idee warb und wirkte. Das Ehepaar Markus, das früher in Meran wohnte, gehörte zum vertrauten Freundeskreis unseres unvergeßlichen Führers Herzl. In Gesellschaft ihres Gatten wohnte Frau Markus den meisten Zionistenkongressen bei und enthusiasmierte alle Kongreßteilnehmer durch die Glut und Innigkeit ihrer Begeisterung. Sie war es auch, die die Bekanntschaft Herzls mit Prof. Vämbery vermittelte, der dann seinerseits Herzl beim Sultan einführte. Besonders eifrig war die Verblichene für den Jüdischen Nationalfonds tätig. Sie gab als erste die Anregung, die Kinder in den Dienst des Nationalfonds zu stellen, veröffentlichte hierüber einen längeren Aufsatz und entwarf das erste zionistische Kinderflugblatt. Seit mehr als zwei Jahren war Frau Markus schwer herzkrank; aber auch während ihrer Krankheit war sie nicht untätig, machte vielmehr bei jeder Gelegenheit, die sich ihr darbot, Propaganda für unsere Bestrebungen und verfolgte mit warmherzigem Interesse die Fortschritte der Bewegung. Unser bekannter Gesinnungsgenosse Bildhauer Friedrich Beer, der Schöpfer der Kongreßmedaille, verliert in Frau Markus seine Schwester. Ihm und dem gramgebeugten Gatten Herrn Tobias Markus mag es einigen Trp$t gewähren, daß die gesamte zionistische Palästina-Ausstellung in Holland Die Einladungskarten zur Eröffnung der Palästina-Ausstellung schmückte Strucks Radierung „Jerusalem", welche auch die offiziellen Ansichtskarten des fiaager Kongresses geschmückt hatte. Sie waren ein Vorzeichen des Eindrucks, welchen die Ausstellung hervorrufen würde. Durch, das holländische Judentum geht wieder jener jüdische Enthusiasmus, welcher sich auch nach dem Kongreß allseitig zeigte. Der Plan zu der Palästina-Ausstellung, welche jetzt in verschiedenen Städten Hollands abgehalten wird, stammte selbstverständlich von einigen Zionisten. Es schlössen sich ihnen bald * andere an, und so wurde ein Komitee unter dem Vorsitz des Herrn A. Simon Mzn. gebildet. Dem Komitee gehörten an: die Damen Jeannette Hoofien, Amsterdam, Dina Samson, Rotterdam, und die Herren Dr. A. van Raalte, Dordrecht, M. H. Zwart, Rotterdam, Henri Edersheim, Amsterdam, S. F. Loeb und S. A. vanVriesland, Haag. Sie organisierten ein Ehrenkomitee, dem die angesehensten Juden Hollands angehören, und in den verschiedenen Städten Damenkomitees, deren Eifer fast beispiellos ist. Die Vorbereitung war eine sehr schwere. Es freut mich aber gleich sagen zu können, daß die Mühe zehnfach belohnt wurde. Unsere kühnsten Erwartungen sind durch diese Leistungen und deren Erfolg übertroffen worden. Die Ausstellung wurde am 9. November in Rotterdam in Anwesenheit eines der Stadträte, des Synagogenvorstarides und eines auserlesenen Publikums feierlich eröffnet. Die Stimmung und der Eindruck waren gleich vorzüglich. Man hätte es sich auch nicht besser wünschen können. Ein kleiner gemütlicher Saal, und überall» an den Wänden und in der Mitte, äußerst geschmackvoll angeordnet, die Erzeugnisse aus Palästina. Namentlich der „Bezalel" hatte sich großartig hervorgetan. Schöne Teppiche schmückten die Wände und fanden viel Bewunderung; in Schränken in der Mitte und die Wände entlang standen und lagen die kleinen Filigran-Arbeiten aus dem „Bezalel". Man wurde nicht müde, die Beßomimbüchsen und die Megilloth und all die kleinen Erzeugnisse fleißiger mühevoller Arbeit immer wieder zu betrachten. In einem andern Teil des Saales prangten die Schüsseln, kupferne und hölzerne, mit Perlmutter geschmückt, welche bei allen Beschauern die höchste Bewunderung hervorriefen. Der „Bezalel" war den meisten Juden Hollands ziemlich unbekannt; jetzt aber redet man von nichts anderm, und unser Boris Schatz zählt viele Freunde. Aber auch das andere erregte Staunen. Wer hätte geglaubt, daß in Palästina solche Spitzen gehäkelt werden, wie sie die Eveline de Rothschild-Schule und die andern Institute sandten? Daneben steht vieles, was man hier tatsächlich noch nie gesehen hat. Denn diese Ausstellung heißt eigentlich „Ausstellung von Erzeugnissen Palästinas und jüdischer Kunstarbeit". Deshalb hatte man reichlich Gelegenheit, vieles zu sehen, was der jüdische Geist in den letzten Jahrzehnten geschaffen hat. Struck hat viele Radierungen geschickt. Man sieht Gemälde verschiedener Meister, holländischer, wieJosef Israels, Monnicken dam, DeLaguna (vonJosef Israels ist ein sehr altes, ziemlich unbekanntes Gemälde eingesandt worden, von Monnicken dam u. a. ein wundervoller „jüdischer Schreiber") und anderer, wie Pilichowski. Man staunt vor dieser Kunst, in der man, vielleicht zum erstenmale, das jüdische Wesen erkennt. Die jungjüdische Literatur ist durch eine reiche und mit Liebe und Sorgfalt ausgewählte Exposition des „Jüdischen Verlags" gut vertreten. Ferner ist eine reichhaltige Sammlung hebräischer, 1 jüdischer (Jargon-) und anderssprachiger Zeitungen und Zeitschriften jüdisch-nationaler Richtung ausgestellt. Es ist zwar nicht alles da, aber man kann einen sehr guten Überblick über dieses weite Gebiet bekommen, und selbstverständlich. werden die jungen Zionisten und