Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 51 (23.12.1910)
- Date
- 1910-12-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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A 1342 - DIE^ Eine neue Hilfsmethode der palästinensischen Kolonisation Von Dr. Franz Oppenheimer Wir haben für die Kolonisation in Palästina zwei Organisationsformen geschaffen, eine für wohlhabende Einwanderer und eine für proletarische Elemente ohne jedes Vermögen. Beide sind gleich notwendig und werden sich hoffentlich je länger, je besser ergänzen- Die erste ist die Palestine Land Development Company, deren Mittel hoffentlich immer mehr Verstärkung finden werden, damit sie ihrer Aufgabe als eine große Parzellierungsgesellschaft gerecht werden kann; die zweite Organisation ist die Erez Israel- Siedlungsgesellschaft m. b. H., die soeben ins Leben getreten ist. Nun gibt es außer den wohlhabenden und den ganz proletarischen Elementen noch eine Mittelklasse, Einwanderungslustige mit geringen Mitteln, Männer der untern Mittelklasse in fester Position, mit einem Einkommen, das geringere Ersparnisse gestattet, usw. Für diese Kreise ist noch nicht gesorgt, kann aber ohne große Schwierigkeiten gesorgt werden. Hier kommt ein Verfahren in Betracht, das mehrfach, namentlich in Kalifornien, mit Glück und Erfolg angewendet worden ist. Ein solcher Fall mag geschildert werden.- Eine Gruppe von Handwerkern und kleinen Katifleuten in der Hauptstadt, lauter ordentliche Leute mit einem ihre bescheidenen Bedürfnisse etwas übersteigenden Einkommen, traten zu einer Genossenschaft zusammen, die zunächst nichts als eine Spargenossenschaft war. Sie verpflichteten sich zu bestimmten monatlichen Einlagen, die aufgesammelt wurden. Nachdem eine genügende Summe zusammengebracht war, erwarben sie draußen im Lande ein Stück Land, groß genug, um für die sämtlichen Mitglieder Haus und Garten anzulegen. Hierhin sandten sie einige ihrer Mitglieder, namentlich Gärtner, Maurer, Zimmerleute usw. mit dem Auftrage, auf dem nach gemeinsamem Plan abgesteckten Grundstücke Häuschen zu erstellen und gärtnerische Anlagen einzurichten. Diese auf der Kolonie bereits arbeitenden Mitglieder wurden von den in der Hauptstadt zurückgebliebenen, die ihre Beiträge regelmäßig weiter entrichteten, besoldet. So wurde allmählich das ganze Grundstück fertiggestellt, dann brachen die noch in der Hauptstadt befindlichen Mitglieder dort ihre Zelte ab, die Geschäftsinhaber verkauften ohne Eile ihre Läden und Vorräte; alle sammelten sich auf dem genossenschaftlichen Grundstück, die einzelnen Parzellen mit den Häusern wurden verlost und die Kolonie konnte sich nun nach ihren Gesetzen weiter entwickeln. Mir scheint, als könnte diese Methode der Ansiedlung eine sehr wertvolle Hilfsmethode der palästinensischen Kolonisation werden, ja, mir scheint, als wären die Bedingungen hier viel günstiger und leichter als irgendwo anders in der Welt. Denn Kolonisten dieser Art könnten das erforderliche Land vom Nationalfonds pachten, hätten also nicht nötig, die Kaufsumme aufzubringen; sie würden, wenn sie sich an eine der landwirtschaftlichen Unternehmungen der P. L. D. C. oder der Siedlüngsgesellchaft anlehnten, von vornherein auf den Rat von landwirtschaftlichen und technischen Sachverständigen rechnen können und würden ferner ohne weiteres an der genossenschaftlichen Organisation dieser neu entstehenden Siedlungen in bezug auf Einkauf und Absatz, Kredit und Versicherung usw. teilnehmen können. Ich hoffe, daß in nicht ferner Zeit die erste derartige Genossenschaft von Mittelkolonisten in Palästina, und zwar in unmittelbarer räumlicher und wirtschaftlicher Anlehnnng an die erste Siedlungsgenossenschaft, sich einrichten wird. Es ist dies die Agudath Oaley Zion in Glasgow. Die Genossenschaft besteht, nachdem bei einem Teil der Begründer der flüchtige Enthusiasmus verrauscht ist, aus 24 auserlesenen, zum größten Teil verheirateten Männern, IELT------m -======= No. 51 ursprünglich sämtlich Handwerker, von denen sich viele zu einer gut bürgerlichen Position hinaufgearbeitet haben. Trotzdem haben auch diese den'Schwur geleistet, wenn irgendmöglich mit. ihren Freunden zusammen sich in Palästina niederzulassen. Von ihnen zu Rat gezogen, habe ich ihnen ohne jeden Rückhalt gesagt, daß sie vermutlich, vorn ökonomischen Standpunkt aus gesehen, vieles aufgeben würden; daß sie damit rechnen müßten, eine schmalere Existenzbasis zu finden, als sie jetzt haben, und daß ihnen der Verzicht auf vieles, was ihnen jetzt die Großstadt bietet, auf die Dauer vielleicht schwer fallen würde. Kurz, ich habe ihnen gegenüber jede Verantwortung für ihre Entschlüsse abgelehnt und ihnen erklärt, daß ich das auch der Öffentlichkeit gegenüber tun würde, was hiermit geschieht. Aber ich habe ihnen pflichtgemäß gesagt, daß ich sie nach Kräften in ihrem Vorhaben unterstützen würde, wenn sie trotz meiner Warnung auf ihrem Entschluß beharren. Bisher haben sie beharrt, und so nehme ich an, daß die Ansiedlung nach etwa folgendem Schema sich wird bewerkstelligen lassen: Die Genossenschaft verfügt jetzt bereits über einen Barbestand von 400 Pfund Sterling, gleich 8200^. Sie kann alljährlich weitere 150 Pfund aufbringen. Sie wird von dem Nationalfonds ein Stück Land von 250 bis 400 Dunam, anstoßend an den Besitz der ersten Siedlungsgenossenschaft, pachten, und zwar derart, daß sie jeweils nur die Pacht für dasjenige Stück entrichtet, das sie bereits in Nutzung genommen hat, während der Rest noch durch die Siedlungsgesellschaft oder anderweitig verwertet wird. Man kann das Rechtsverhältnis auch so bezeichnen, daß die Genossenschaft ein Stück von sage 30 Dunam pachtet mit dem in gewisser Frist sukzesive auszuübenden Vorpachtrecht auf weitere 220—370 Dunam. Auf dem ersten Stück läßt die Genossenschaft aus ihren Mitteln durch Mitglieder, die sie herüberschickt und während dieser Periode erhält, zwei, vielleicht drei Häuschen errichten, deren Pläne vorher mit dem Palästinaamt verabredet worden sind, und die Gärten herrichten. Sobald die Grundstücke fertig sind, werden sie von einem Schiedsgericht taxiert und zu dem Taxpreise an den N. F. verkauft, der das Geld an die Genossenschaft auszahlt unter der Bedingung, daß es zur Errichtung weiterer Häuschen verwendet wird, und daß der N. F. die schon eingerichteten Grundstücke sofort zum Selbstkostenpreis an die Genossenschaft wieder auf 49 Jahre mit dem Vorpachtrecht auf weitere 49 Jahre verpachtet. Auf diese Weise bekommt die Genossenschaft immer wieder die Mittel in die Hand, um weiterzubauen, und kann in verhältnismäßig kurzer Zeit die Anlage für ihre sämtlichen Mitglieder schaffen. Der N. F. aber läuft keinerlei Risiko, da er Eigentümer von ihm genehmigter und taxierter produktiver Einrichtungen ist, die an Wert nur zunehmen können. Die Angliederung dieser Organisation an die Siedlungsgenossenschaft wird für beide Teile von hohem Vorteil sein: für die Agudath Oaley Zion, weil ihre arbeitenden Mitglieder von vornherein Anschluß, Rat des landwirtschaftlichen Leiters und Hilfe aller Art, namentlich Spannhilfe haben werden, und für die Siedlungsgesellschaft, weil sich von vornherein eine größere Bevölkerung an der Stelle ihrer Niederlassung sammelt, weil sie über alle Arten von gewöhnlichen Handwerkern und zur Erntezeit über eine Anzahl relativ billiger Arbeitskräfte verfügt, und weil sie schließlich für alle Untergenossenschaften, die sie ins Leben rufen muß: Konsumverein, Bau-, Kredit-, Absatzgenossenschaft usw., in der größern Personenzahl eine breitere tragfähigere Basis hat. * * Mir scheint, daß diese Methode sich vielfach anwenden ließe. Es gibt namentlich in Osteuropa zahlreiche Gruppen von begeisterten Zioiiisten, die in der Lage sind, jährlich gewisse Ersparnisse zu machen, und die willens sind, lieber mit einem geringem Einkommen in Palästina auf dem Dorfe als erster Stand zu leben, als in ihrer Heimat bei höherm Einkommen als Parias in der Stadt. Wenn