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Die Welt · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 51 —-= DIE! solche Gruppen durch regelmäßige und beharrliche Sparsamkeit den Beweis abgelegt haben, daß sie nicht von flüchtigem Enthusiasmus, sondern von wirklicher nachhaltiger Begeisterung getragen werden, so sind sie vielleicht die besten Bausteine für ein völkisches jüdisches Gemeinwesen im heiligen Lande. Jedenfalls will ich, um die Anregung zu verstärken, hier einen Auszug aus den Statute« der Agudath Oaley Zion folgen lassen: § 3. Gegenstand der Gesellschaft soll sein: 1. Der Kauf und die Besiedlung von Land in irgendeinem Teil Palästinas. 2. Der Betrieb irgendwelcher Unternehmungen, die damit in Verbindung stehen, ■. § 4. Die Zahl der Mitglieder ist unbeschränkt. Mitglied kann jeder Mann jüdischen Glaubens werden, der geneigt und willig ist, landwirtschaftliche Arbeit zu treiben, und sich zum Zionismus bekennt. § 6. Jedes Mitglied hat die Arbeit zu übernehmen, die der Vorstand von Zeit zu Zeit vorschreibt. § 7. Jedes Mitglied soll nach Erfüllung seiner Verpflichtung gleiche Rechte auf das Kapital und das Eigentum der Gesellschaft haben. § 8. Die Verpflichtung jedes Mitgliedes soll sich auf 250 Pfund Sterling belaufen, die im voraus in Raten von nicht weniger als 6 Pfund jährlich zu entrichten sind. Außerdem soll jedes Mitglied zwei Pence wöchentlich für die laufenden Ausgaben der Gesellschaft beisteuern. §11. Wenn ein Mitglied dauernd erwerbsunfähig wird, wird ihm die Gesellschaft seine gesamte Einlage heraus.-ahlen, abgesehen von den Beisteuern zu den Verwaltungsausgaben. Das gilt jedoch nur für die Zeit vor Ankauf des Landes. Nach diesem Termin gilt der folgende Paragraph. § 12. Wenn ein Mitglied der Kolonie dauernd erwerbsunfähig wird, hat es das Recht, seinen Anteil und seine Rechte an andere Personen mit Genehmigung der Gesellschaft abzutreten, unter der Voraussetzung, daß diese Personen sich zur Mitgliedschaft melden. § 13. Alle Fonds der Gesellschaft sollen bei dem Jewish Colonial Trust, London, angelegt werden. § 18. Wenn die Gesellschaft bis zum Mai 1912 ihr Ziel des Landerwerbs nicht erreicht hat, soll jedes Mitglied berechtigt sein, seine Einlagen zurückzuziehen, immer ausgenommen die Verwaltungsbeiträge. Aus dem mir zugegangenen Bericht mögen zwei charakteristische Sätze diese kurze Mitteilung schließen: „Der Schatz, den wir suchen, ist nicht gemeines Gold, das aus der Erde gewonnen werden kann, sondern Gerechtigkeit, brüderliche Liebe, Einigkeit und Liebe zu unserm Stamm. Unsere Freude soll die Freiheit und die Liebe zur wahren Natur sein . . . Wir sind alle an harte Arbeit und rauhes Leben gewöhnt. Beinahe die Hälfte unserer Mitglieder hat im russischen Heere gedient und weiß, was Entbehrungen bedeuten. Und darum stellen wir fest, daß wir uns bewußt sind/unsere An- .. Siedlung in Palästina auf unsere eigne Gefahr und Verantwortung zu übernehmen, daß wir niemandem einen Vorwurf zu machen haben als uns, wenn wir nicht Erfolg haben, und daß wir entschlossen sind, gegen alle Unbill auszuhalten im Kampfe für unsere Freiheit." Die Sitzung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der A. I. U. Infolge der Differenzen zwischen dem Zentralkomitee der A. I. U. und der Deutschen Konferenzgemeinschaft hatte der derzeitige Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Max Fuchs, auf Dienstag, den 20. Dezember d. J., eine Sitzung der Deutschen Konferenzgemeinschaft nach Berlin einberufen, zu der außer dem Vorsitzenden die Herren Picard-Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Werner-München, Stadtrat Guttmann-Beuthen, Flörsheim-Dortmund, Gompertz-Hamburg, Dr. Porges-Leipzig, Dr. Vogelstein-Königsberg i. Pr., Dr. Rosenthal- Breslau erschienen waren. Das Pariser Zentralkomitee hatte die Herren Professor Dr. Israel Levy und den Generalsekretär Bigard entsandt. Außerdem war eine große Anzahl Mitglieder des Lokalkomitees Berlin und verschiedener anderer Lokalkomitees anwesend. 11 Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung, indem er des Hinscheidens des Geschäftsführers Klausner und des Mitgliedes des Zentralkomitees, Herrn Rechtsanwalts Behrendt in Danzig gedachte, iE LT - , =- 1343 und gab sodann Herrn Gompertz-Hamburg das Wort zum Bericht über die Sitzung des Zentralkomitees in Paris am 30.. Novemrjer d. J. Herr Gompertz wiederholte im wesentlichen den schriftlichen Bericht der fünf Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft, die an der Sitzung teilgenommen haben, und faßte seine Eindrücke dahin -zusammen, daß er die Überzeugung gewonnen habe, die deutschen Mitglieder der A. I. U. sollten nur zahlen, aber nicht mitarbeiten. Deswegen und wegen des brüsken Tones, mit dem man die Herren aus Deutschland in der Sitzung behandelt habe, habe er sein Amt niedergelegt. Dieselbe Erklärung gab Herr Picard ab. Beide Herren hielten ihre Demission aufrecht, obwohl ihnen nahegelegt wurde, dieselbe zurückzuziehen, indem sie wiederholt darauf hinwiesen, daß sie hierbei vor allen Dingen die Art und Weise bestimmt habe, mit der die Herren in Paris gegen die Mitglieder aus Deutschland aufgetreten seien. Der Vorsitzende Justizrat Fuchs legte sodann in prägnanten Worten seinen Standpunkt dar. Das Pariser Z.-K. habe weder das Recht gehabt, die D. C. G. aufzulösen, noch habe irgendein Anlaß hierzu vorgelegen. Das Bestehen der D. C. G. beruhe nicht auf einer Genehmigung des Zentralkomitees, sondern auf den Artikeln 16 und 18 der Statuten der A. I. U. Das Zentralkomitee habe um so weniger die Möglichkeit, die D. C. G. aufzulösen, als es selbst illegall sei. Denn es bestände seit 1908 zur größern Hälfte aus Mitgliedern, deren Amtsperiode abgelaufen sei. Zu diesen bereits ausgelosten Mitgliedern des Z. K. gehöre sogar der Präsident Leven. Das Z. K. habe auch keinen Anlaß gehabt, die D. C. G. aufzulösen, denn die D. C. G. habe die Mitgliederzahl der A. I. U. in Deutschland in wenigen Jahren verdreifacht. Es sei auch nicht richtig, daß die D. C. G. etwa deutsche Interessen zur Geltung zu bringen suche. Dies liege allen deutschen Mitgliedern der A. I. U. fern. Ihre Opposition beruhe ausschließlich auf lediglich jüdischen Grundsätzen. Die Deutschen beabsichtigen nicht, sich von der A. I. U. zu trennen. Sie haben aber ihre besondern Ansichten, denn sie hätten die größten Bedenken gegen die Art und Weise, in der das Z. K. in Paris die Geschäfte führe, und diese besondern. Ansichten wollten sie geltend machen. Herr Justizrat Fuchs schloß mit der Vorlage folgender Resolution, die vom Berliner Lokalkomitee in seiner Sitzung vom 18. Dezember bereits einstimmig angenommen worden ist. Die Resolution lautet: I. Die außerordentliche Tagung der D. C. G , die während ihres zehnjährigen Bestehens das Ansehen der Alliance in Deutschland in hervorragendstem Maße befestigt, die Mitgliederzahl der A. I. U. in Deutschland verdreifacht, ferner im Geiste ihrer Begründer und ihrer Satzungen der A.L U. neue Aufgabengebiete erschlossen und diese Aufgaben erfüllt hat, gibt ihrem lebhaften Bedauern und Erstaunen über den die Aufhebung der D. C. G. bezweckenden Beschluß des Zentralkomitees vom 30. November 1910 Ausdruck. Dieser Beschluß beruht auf einer vollständigen Verkennung der berechtigten und maßvollen Wünsche der deutschen Mitglieder der A. I. U. Er widerspricht ferner dem Artikel 18 der Statuten der A. I. U. und ist überdies als von einem nicht legal zusammengesetzten Zentralkomitee gefaßt rechtlich nicht verbindlich. Vor allem aber erscheint er geeignet, das große Werk der A. I. U. und insbesondere deren universellen Charakter zu schädigen, dessen Aufrechterhaltung das eifrigste Bemühen der D. C, G. stets gewesen ist. II. Die D. C. G. erklärt sich daher als fortbestehend auf Grund des bisherigen Statuts von 1906. III. Alle deutschen Bezirks-, Landes- oder Lokalkomitees haben daher nach wie vor ihre Einnahmen an Beiträgen und Spenden sowie ihre Abrechnungen, nach Abzug der notwendigen Kosten, und ihre Berichte dem Deutschen Bureau in Berlin zu übermitteln. IV. Die D. C. G. fordert das Zentralkomitee auf, die seit 1908 Statuten widrig unterbliebenen Neuwahlen zum Zentralkomitee auszuschreiben. Herr Rabbiner Dr. Werner unterstützte die Resolution, die nach seiner Ansicht sehr maßvoll wäre, und rief dem Pariser Zentralkomitee zu, es solle vorsichtig sein, denn es gefährde mit seinem einseitigen Standpunkt und durch Mangel jeder Rücksichtnahme auf die jüdische Volksseele die Integrität der A. I. U. Levy-Paris versuchte die Ausführungen der Berliner Redner zu entkräften. Auch das Z. K. in Paris wolle den allgemeinen Gedanken der A. I. U. aufrecht erhalten. Es könne aber nicht dulden, daß in Deutschland eine Sonderorganisation entstände. Nicht nur die A. I. U. würde leiden, wenn die Deutschen austreten würden, auch das Q*

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