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Die Welt · 1910-12-23 · 51 (23.12.1910) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
51 (23.12.1910)
Date
1910-12-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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gesehen von der Auswanderung nach den westlichen Ländern, — der die Entstehung solcher Wunden in der Zukunft unmöglich machen soll. Vorsorgen ist besser als kurieren, sagt ein englisches Sprichwort, und der einzige Weg der Vorsorge ist der, den Juden eine eigne Heimstätte zu bereiten. Die Konferenz der jüdischen Farmer, welche vor einigen Wochen in New York abgehalten wurde, war uns ein vortreffliches Zeugnis für die wirtschaftliche Befähigung der jüdischen Einwanderer. Sie bedeutet eine glatte Widerlegung des Vorwurfes, daß die Juden nur zu Vermittlern im Wirtschaftsleben taugen. Sie lieferte uns den willkommenen Beweis, daß der Jude, obwohl er seit 2000 Jahren von der Scholle getrennt ist, noch immer nicht die alte Kraft seiner Hände verloren hat und daß er die volle Eignung besitzt, eine Wildnis in fruchtbares Kulturland umzuwandeln. Sie zeigte «ferner, wie bedeutend der ökonomische Verlust derjenigen Länder ist, aus denen diese jüdischen Farmer auswandern mußten, und wie groß der Nutzen des Landes ist, das sie gastlich aufgenommen hat. Einer der Hauptredner auf der Konferenz, Herr Isidor Straus, erklärte sogar, daß bei einer zweckmäßigen Verteilung der Einwanderer in landwirtschaftlichen Ansiedlungen des Landes die Vereinigten Staaten imstande wären, noch weitere 5—6 Millionen jüdische Einwanderer zum Nutzen der Gesamtheit bequem aufzunehmen. Wenn der Strom der jüdischen Einwanderung aus Osteuropa nach Amerika in der Tat so anschwellen würde, so hätte dies sicherlich eine ungeheure Milderung des jüdischen Elends zur Folge. Aber wer würde denn schließlich den größten Nutzen davon haben? Nicht das jüdische Volk, sondern das Land, das die Juden adoptierte. Es ist wahr, der einzelne Jude würde sich dann in hohem Maße persönlicher Sicherheit und Bequemlichkeit erfreuen. Aber die zersetzenden Kräfte, welche im jüdischen Leben Amerikas wirksam sind, würden jede neue Gruppe östlicher Einwanderer immer wieder in den „Schmelztiegel" bannen. Wie groß die Schwierigkeit ist, auch nur die wesentlichsten Elemente des jüdischen Lebens in der neuen Umgebung zu erhalten, wurde in New York deutlich betont, indem man darauf hinwies, daß viele Farmer gezwungen wraren, die Dörfer zu verlassen, in denen sie sich angesiedelt hatten, weil in denselben keine Möglichkeit einer religiösen Erziehung ihrer Kinder vorhanden war. Hieraus geht hervor, daß die wirtschaftliche Rettung der Juden in Amerika nur auf Kosten ihrer religiösen und nationalen Traditionen erfolgen kann. Es gibt aber ein Land — ein einziges — in welchem der Jude nicht nur seine wirtschaftliche Lage sicherstellen kann, sondern auch die einzige Möglichkeit hat, an seinen nationalen und geistigen Idealen unverbrüchlich festzuhalten. Was der jüdische Bauer in Amerika vollbracht hat, kann er auch in Palästina leisten. Dann würden jedoch die Resultate seiner Arbeit nicht in der Statistik der amerikanischen Landwirtschaft verschwinden, sondern sie würden einen wesentlichen Faktor in der Wiederbelebung des Landes seiner Väter bilden. Was die jüdische Arbeit für die landwirtschaftliche Entwicklung Palästinas getan hat, ist vor kurzem in einer Spezialnummer der „Welt" so erschöpfend dargestellt werden, daß es hier genügen mag, diese Tatsache einfach festzustellen. Die Rolle, welche die jüdische Betriebsamkeit in der kommerziellen Entwicklung des heiligen Landes spielte, wurde gleichfalls in der genannten Nummer besprochen. Wir ergreifen indessen die Gelegenheit, die uns der Aufsatz im „Economist" darbietet, diesen Umstand von neuem hervorzuheben. Der wissenschaftliche Ruf des „Economist44 gibt dem Bericht über das kommerzielle Wiedererwachen Palästinas einen mehr als gewöhnlichen Wert, und die Anerkennung der jüdischen Erfolge, die dieser Artikel enthält, ist umso bedeutungsvoller, als sie von einem ganz unparteiischen Beobachter herrührt. Der Verfasser beschäftigt sich in der Hauptsache mit der Entwicklung der zwei Hafenstädte Jaffa und Haifa, deren wirtschaftlichen Aufschwung er direkt dem jüdischen Einfluß während der letzten Jahre zuschreibt. Er unterstreicht ganz besonders die Tatsache, daß durch die Mithilfe der Anglo-Palestine Company ein modernes jüdisches Stadtviertel in Jaffa errichtet worden ist und daß dieses Finanzinstitut durch die Gewährung von Kredit an kooperative Genossenschaften die Unternehmungslust nach verschiedenen Richtungen angeregt hat. Er lenkt ferner die Aufmerksamkeit auf die Fortschritte, die Haifa macht, diese aufblühende Stadt, deren Wichtigkeit, wie er sagt, auch von den jüdischen Siedlern erkannt worden ist, und er prophezeiht, daß Haifa noch größere Bedeutung erlangen wird, wenn es einmal der Knotenpunkt des Eisenbahnnetzes sein wird, welches Palästina mit Konstantinopel verbinden soll. Besonders erfreulich ist für uns der Abschnitt des Artikels, welcher sich mit der politischen Seite der jüdischen Ansiedlung in Palästina befaßt und nachweist, daß die Befürchtung der Jungtürken hinsichtlich eines neuen nationalen Problems im Reiche unbegründet ist. Er sagt: „Sie (die Jungtürken) werden wahrscheinlich lernen, daß das jüdische Volk, wenn es gut behandelt wird, immer loyal und reichstreu gewesen ist, und daß sie hauptsächlich in der jüdischen Einwanderung die Vorbedindung für eine Ausdehnung der Einkünfte des Landes suchen müssen, die sie der Notwendigkeit ausländischer Anleihen entheben wird." Zu einer Zeit, in der die zionistischen Bestrebungen in Konstantinopel in so böswilliger Weise entstellt und die Zionisten von übelwollenden Leuten als eine Gefahr für den Staat hingestellt werden, sollte die unparteiische Beobachtung dieses englischen Verfassers den maßgebenden türkischen Kreisen nachdrücklich zu Gemüte führen, daß unsere Bestrebungen friedlich sind und daß deren Verwirklichung der Wohlfahrt des ottomanischen Reiches nur förderlich sein kann. Wir möchten auch dem Präsidenten der Anglo— Jewish Association sowie dem Bund der jüdischen Farmer in Amerika empfehlen, diesen Artikel genau zu lesen. Denn je mehr.die Wahrheit über die zionistische Arbeit in Palästina verbreitet wird, um so rascher wird diese ihrem Endziel näher kommen.

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