Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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No. 41 o o o o o o o o o o o o o o ——= DIE JggELT AUS DER BEWEGUNG 1117 l o o o o o o o I 2> o o o o o o o DER ZIONISMUS UND SEINE INSTITUTIONEN Die Zionistische Organisation imfaßt alle Juden, die sich zum Zionismus bekennen, indem sie ■Jossen Programm unterschreiben und den Jahresbeitrag, Schekel genannt, zahlen. Das Programm, las vom ersten in Basel 1897 abgehaltenen Zionistenkongreß formuliert wurde, lautet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische /olk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina." Die Weltorganisation gliedert sieh in Landesorganisationen und Föderationen. Gegenwärtig bestehen Landesorganisationen in Ägypten, Argentinien, Belgien, Bukowina, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Galizien, Großbritannien, Holland, Italien, Kanada, Kroatien- Slaw^pi^n-Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Bußland, Schweiz, Türkei,' Ungarn, Vereinigte Staaten von Nordamerika, West- «' Österreich. Außerdem existieren einzelne Vereine in fast allen sonstigen Ländern, darunter: Palästina und übrige Türkei, Marokko, Serbien, >chwedeja, Dänemark, Griechenland, China, Brasilien, Neu-Seeland, 'ictoria, Neu-Süd-Wales usw. Ferner bestehen besondere Föderationen von streng-orthodoxen nd sozialistischen Zionisten, die über die ganze Welt verbreitet ~md. Der Schekel beträgt JC 1.—. Je 200 Schekelzahler entsenden einen Delegierten zum Kongreß, tum zionistischen Parlament, das alle zwei Jahre zusammentritt md die Bechenschaftsberichte clor Leitung (Aktionskomitee;iicl dessen Exekutive das Engere Aktionskomitee) und der i'arteiinstitutionen entgegenzunehmen, den Etat zu bestimmen, <iie allen Zionisten gemeinsamen Fragen zu besprechen und die Neuwahl der Leitung vorzunehmen hat. Der neunte Zionistenkongreß tagte im Dezember 1909 zu Hamburg; der zehnte Kongreß wird voraussichtlich im Sommer i zusammentreten. Für die Leitung der organisatorischen Angelegenheiten verfügt das Aktionskomitee über ein Zentralbureau, n.s sich zu Köln a. Eh., dem Wohnorte des Präsidenten, befindet. Daselbst «wird auch „Die Weltu, Tis Zentralorgan der Bewegung, herausgegeben. Der Jüdische Verlag, gleichfalls zu Köln, wird von der Organisation unterhalten und .üibt neujüdische Literatur wissenschaftlicher, belletristischer und propagandistischer Art heraus. Das ausführende Organ des Aktionskomitees für die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit der Organisation in Palästina i t das Palästina-Amt in Jaffa. Unter den finanziellen Institutionen der Organisation ist in ster Reihe die Jüdische Kolonialbank (The Jewish Colonial Trust) i nennen. Dieselbe hat ihren Sitz in London. Ihr eingezahltes Kapital beträgt zirka JC 5 300 000. Im letzten Jahre brachte -ie einen Beingewinn von zirka JC 130000 zur Verteilung. Ihre Tochtergesellschaft, die Anglo-Palestine Company, bilanziert die zionistischen Arbeiten in Palästina und dient der wirtschaftlichen Verstärkung der palästinensischen Juden. Sie <»at ihren Hauptsitz in Jaffa und Filialen in Jerusalem, Haifa, Hebron, Safed und Beirut. Sie hat in den letzten Jahren auf "in Kapital von 1 500 000 eine Dividende von 41/e% aus- .^esehüttet. Die Anglo-Levantine Banking Company, das Finanzinstitut der zionistischen Organisation für die sonstige Türkei, hat ein Kapital von zirka JC 500 000 und hat im abgelaufenen Jahre eine Dividende von 6% erzielt. Der Jüdische Nationalfonds, dessen Bestimmung es ist, Grund und Boden in Palästina als unveräußerlichen jüdischen Besitz zu erwerben, wurde im Jahre 1901 geschaffen und hat eine fortgesetzte rapide Steigerung seiner Einnahmen zu verzeichnen. "Während z. B. das Jahr 1908 eine Einnahme von JC 276 000 brachte, wurden im Jahre 1909 JC 406 000 eingenommen. Sein gegenwärtiges Vermögen beträgt zirka JC 2 250 000 und ist teils in Grund und Boden in Palästina, teils in Anleihen an palästinensischen Unternehmungen und teils in leicht flüssig zu machenden sichern Effekton (englischer und niederländischer Staatsschuld) angelegt. Ein Teil der Einkünfte des Nationalfonds dient für den besondern Zweck der Aufforstung des Landes durch die Anpflanzung mit Ölbäumen. Zurzeit sind die Mittel für die Pflanzung von zirka 40 000 Bäumen, von denen ein großer Teil schon gepflanzt ist, gesichert. Das Erträgnis der Pflanzungen soll für Kalturzwecke, in erster Linie für eine jüdische Hochschule, Volks- und Mittelschulen, kunstgewerbliche und technische Institute, verwendet werden. Die Palestine Land Development Company (werbendes Kapital zirka Ji 350 000) bezweckt auf kommerzieller Basis unter Anwendung moderner kolonisatorischer Methoden: 1. den Erwerb, die Amelioration und Parzellierung größerer Grundstücke in Palästina für eigene und fremde Rechnung behufs Schaffung neuer Siedlungen (Kolonien) 2. die Anlage und Pflege extensiver und intensiver Kulturen für eigene und für fremde Rechnung, 3. die systematische Ausbildung und allmähliche Seßhaftmachung jüdischer Landarbeiter in Palästina. Eine andere Form der Kolonisation soll mit der Siedlungsgenossenschaft, die nach Vorschlag Dr. Franz Oppenheimers aitf dem letzten Zionistenkongreß beschlossen wurde, versucht werden. Es ist dies eine Arbeiter-Produktivgenossenschaft, welche von Oppenheimer als die in der Mehrzahl der Fälle geeignetste Form der Ansiedlung jüdischer Proletarier angesehen wird. Von dem für die Schaffung dieser Genossenschaft in Aussicht genommenen Fonds von 100 000 Frs. ist der größte Teil bereits eingezahlt. Zum Zwecke der Wohnungsfürsorge in den Städten Palästinas haben sich jüdische Baugenossenschaften gebildet, die mit Unterstützung des Jüdischen Nationalfonds die Errichtung gesunder, schöner Wohnhäuser bezwecken In letzter Zeit hat die Genossenschaft in Jaffa 60 neue Häuser mit allen modernen hygienischen Einrichtungen erbaut. Die Vorarbeiten für die Errichtung eines Jüdischen Nationalmuseums in Palästina sind so weit gediehen, daß die Errichtung dieses Museums in nächster Zeit in Aussicht genommen ist. Auch die Arbeiten für die Gründung von Arbeiterwohnhäusern sind in die Wege geleitet worden. Eine Anzahl Wohnungen ist schon fertiggestellt. Das Zustandekommen eines Mikrobiologischen Instituts, für das anläßlieh des 60. Geburtstages Dr. Max Nordaus eine Sammlung durchgeführt wurde, ist gesichert. Zionistische Vorarbeiten und beträchtliche Goldaufwendungen haben die Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in der Nähe von Haifa ermöglicht. Unter den mittelbar oder unmittelbar von der zionistischen Organisation unterstützten Institutionen ist in erster Reihe der