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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 118

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 118)
Language
German
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nachmacht, ein Konzert zu veranstalten, das die Konkurrenz mit einem nächtlichen Katzenkonzert aushält. Dieser Übermut wird durch den Dirigenten bald gedämpft, und aus den schmalen Kinderbrüsten klingt ein Od-loarda. . . . Sie singen es mit Würde und Überzeugung, diese drei- bis sechsjährigen Bürger Tel-Awiws. Das Pfeifen der mit Sonnenuntergang ankommenden Bahn soll das Signal zum Nachhausegehen sein. Aber gar oft entschuldigt sich ein ganz besonders wilder kleiner Kerl am späten Abend, er hätte bis jetzt auf das Signal gewartet und es nicht gehört. Und so wird der Tag in den Abend hinübergeleitet. Die Abende sind das Schönste in Palästina und können, wenn man sie einmal verlieren sollte, durch nichts ersetzt werden. Kein Wunder, daß sie unsere ältere Jugend so liebt und sie auskostet. Jünglinge und Mädchen spazieren in der Herzlstraße und ergötzen sich am schönen Himmel und den prachtvollen Sternen. Und wenn der Tag mit seinem Lärm sich schon ganz verflüchtigt hat und der Abend alles in seine zauberhafte Ruhe gehüllt hat, ertönen hier und da die Weisen eines Liedes. Erst unsicher, aber dann mit immer zunehmender Kraft, bis die Lieder die ganze Atmosphäre beherrschen und sie zitternd machen. Und so wird der warme, finstere Tel Awiw Abend zu einem Sinfoniekonzert, in dem Akkorde ungeahnter Gefühle und stiller Sehnsucht zum Sternenhimmel emporsteigen. Es ist so unsagbar angenehm, sich nach den Mühen des Tages dem Genüsse dieses stillen Abends zu ergeben und auf den mondübergossenen Sandhügeln sitzen zu können. Man muß dann in die weite Ferne unserer Vergangenheit zurückschauen und in dem machtvollen Ausdruck unserer Empfindungen in einem tiefenSchweigen, das von Seele zu Seele geht und die Herzen verbindet, sich unsern Träumen ergeben. . . . Den Träumen unserer Zukunft in diesem Lande. . . Sarah Leah, Jaffa. Eine allgemeine Palästinakonferenz Von Di. Hille! Joffe, Sichron-Jacob Vor ungefähr sieben Jahren schrieb ich für die Zeitschrift „Palästina" einen Artikel, betitelt: „Betrachtung des gegenwärtigen Standes der jüdischen Kolonisation in Palästina". In diesem Artikel habe ich nach einer kurzen Kritik der Situation unsere Verantwortlichkeit betont und verlangt, daß man sich endlich einmal verständigen solle. Seit jener Zeit hat sich manches geändert. Mit Genugtuung konnten wir beobachten, wie die Tätigkeit mehrerer Institutionen allmählich diejenigen Formen annahm, weiche wir damals in großen Zügen als wünschenswert bezeichneten. Insbesondere auch die Tätigkeit der antizionistischen Institution, der Ica. Unglücklicherweise trägt aber die Kolonisationsarbeit in Palästina noch immer in der Hauptsache den Charakter des Zufälligen. Es fehlt noch immer ein scharf umgrenztes und wohlbegründetes Programm, und vor allem vermissen wir noch die Harmonie und Übereinstimmung der verschiedenen Kräfte, welche die Pflicht haben, zusammen zu marschieren. Statt dessen sehen wir Differenzen und Streitigkeiten. Nichts ist gegenwärtig nötiger, als endlich einig zu werden, um dem ewigen Hin und Her zu entgehen, das die Tätigkeit der verschiedenen Institutionen durchkreuzt und erschwert. Die Sache bietet tatsächlich weniger Schwierigkeiten, als man gewöhnlich annimmt. Wenn wir auch noch nicht klar genug die wichtigen Folgen der Regierungsänderung in der Türkei übersehen können, so erfreuen wir uns hier doch wenigstens einer genügenden Koalitionsfreiheit, um kein Eingreifen der Machthaber befürchten zu müssen. Allerdings sind noch viele andere Schwierigkeiten zu überwinden. Ich weiß sehr wohl, welche Schwierigkeiten diese Idee einer allgemeinen Palästinakonferenz in den verschiedenen Kreisen unserer Gesellschaft wie auch bei den verschiedenen Institutionen finden wird, deren Zusammenarbeiten unumgänglich notwendig ist. Ich gestehe freimütig, daß manche Gründe, mit welchen hervorragende Persönlichkeiten gegen die Ausführung meines Planes Einspruch erhoben haben, sehr wichtig sind. Trotzdem habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, noch einmal diese Ideen in den Vordergrund zu schieben, und ich hoffe, genügend Sympathien in den verschiedenen Kreisen zu finden, um erwarten zu dürfen, wenn nicht jetzt, so doch in naher Zukunft zum Ziele zu gelangen. Ich sehe recht wohl ein, daß man das Projekt nicht unverzüglich durchführen kann, denn vom Augenblick des Beschlusses bis zur Eröffnung der Konferenz müßte eine geraume Zeit verstreichen, und ich bestehe anderseits darauf, daß die Konferenz aufs beste vorbereitet werde (oder lieber gar nicht stattfinde). Alle Vorarbeiten müssen aufs sorgfältigste von einer Spezialkommission durchgeführt werden. Als conditio sine qua non wäre zu betrachten, daß diejenigen Institutionen, welche in Palästina arbeiten, die Idee der Konferenz akzeptieren. Schon um dies zu erreichen, ist viel Arbeit notwendig. Ohne diese Übereinstimmung würde aber die Konferenz viel von ihrer Bedeutung verlieren. Wenn dann alle oder fast alle jüdischen Kolonisationsgesellschaften, ferner auch andere einflußreiche jüdische Gesellschaften, die hier ein wichtiges Arbeitsfeld haben, zugestimmt haben, wäre auf Grund einer übereinstimmenden Wahl durch die Vertreter dieser Institutionen sowie einiger anderer Persönlichkeiten, deren Mitwirkung von großem Nutzen sein könnte, die lokale Exekutivkommission zu bilden. Diese Kommission, welche auch über finanzielle Mittel verfügen müßte, hätte die Aufgabe, zu allererst das Programm der Konferenz auszuarbeiten, wobei vor allem auf die praktischen Fragen der gegenwärtigen Kolonisation Rücksicht zu nehmen wäre, während anderseits alles versucht werden müßte, rein theoretische Fragen auszuscheiden, da diese nur zu unfruchtbaren Diskussionen führen und bewirken könnten, daß man unnütz Zeit verliert. Kompetente Persönlichkeiten sollten damit betraut werden, Berichte über jeden Punkt der Tagesordnung auszuarbeiten, wodurch die lokale Kommission die einzelnen Persönlichkeiten und deren Ansichten kennen lernen würde. Bei der einen oder andern wichtigen Frage wäre es vielleicht wünschenswert, nicht einen, sondern zwei Berichterstatter aufzustellen. Die Berichte sowie diejenigen Mitteilungen, welche die Kommission geprüft und für richtig befunden hat, müßten mindestens acht Tage vor Eröffnung der Konferenz an alle Mitglieder gedruckt verteilt werden. Selbstverständlich hätte die Kommission auch statistische Daten beizubringen bzw. solche derart zusammenzustellen,

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