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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 117

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 117)
Language
German
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No. 41 DIE^ELT 1111 Wir fühlen alle, daß wir an der Schwelle einer andern Epoche stehen, daß wir uns nicht vor andern zu schämen brauchen. Mußte man früher jüdischen Touristen die ^^mr^M^^'^ V^£&~<~< ~^;Wm?^ ^MM^^fl^f'' . r m^js ..^r^'Y^r;' t^WW^T^*^' r Haus in Tel-Awiw deutschen Kolonien zeigen, um ihnen klar zu machen, daß man auch in Palästina schön und europäisch wohnen kann, so zeigen die Deutschen jetzt unser Tel-Awiw. Sie zeigen es mit der Bemerkung, rwas Juden tun können, wenn sie wollen". Und wir wollen viel. Dieser Wille zeigt sich in dea kleinen Gärtchen, wo jeder nach Kräften sich bemüht, dem Lande soviel als möglich lebendige Schönheit zu entlocken. Jeder pflanzt, und ^ar manches Häuschen ziert ein Garten, in dem man len Hausherrn am Morgen, in seiner Mittagspause und des Abends bei der Arbeit findet. Wie lebensfroh und mit welcher Liebe schwingt hier der Bankbeamte, dott der Lehrer und Kaufmann den „Piosch*. Und mit welchem Stolz sah man unsern Bürgermeister diesen neu angekauften Piosch auf dem ttücken nach Hause tragen. Sie alle ließen es sich nicht nehmen, die erste Scholle ihres Besitztum« in Palästina nicht mit eigenen Händen zu hacken. Und wenn man bis jetzt behauptet hat, daß wir Juden keinen Natursinn haben, so wird Tel-Awiw in einigen Jahren beweisen, daß unsere Sinne erwachen, sobald man ihnen die Möglichkeit da£u gibt, daß unsere Seelen, befreit ,on den Mauern des Ghettos, sich frei und schön auseben können. Und in dieser Generation von Tel-Awiw st das Streben nach Freiheit und natürlicher Schönheit ^roß und überwältigend. Daß unser Wille groß und nächtig ist, zeigt auch unser Gymnasium. Schaue ich auf dieses Gebäude, — und man sieht es von allen ^cken Jaffas, — so ist es mir, als ob in der Luft darüber die Herzischen Worte schwebten: „Und wenn ihr wollt, so ist es kein Märchen." Denn der unbeugsame Wille einiger Leute hat es ins blühende Leben gerufen, der Wille eines einzelnen hat ihm dieses schöne Heim geschaffen. So träumerisch in seiner ruhigen Schönheit vom palästinensischen Mondlicht übergössen, ragt das Gebäude über alle Häuser, als Fassade die Mauer der Davidsburg tragend. Es mahnt uns an die vergangene Pracht und erzwingt in uns zu jeder Stunde die Hoffnung und Zuversicht, daß die Jugend, die dort erzogen, die potenzierte Kraft unseres Willens, die vergrößerte und geheiligte Macht unseres Ideals in sich tragen wird. Schön ist Tel-Awiw am Tage, schön ist es in der taghellen Mondnacht. . . . Wenn man die schmutzige Stadt Jaffa verläßt, um auf der schlechtesten aller Chausseen nach Petach-Tickwah zu fahren, so bb-ibl man plötzlich, nach 10 Minuten Fahrt, wie gefesseitstehen auf dem Platze, wo sich plötzlich ein Einblick in die Kolonie bietet. Breit und gerade liegt vor uns die Straße, deren Abschluß das Gymnasium ist. Zu ihren beiden Seiten liegen die andern Straßen, in der Mitte der Herzl-Boufcvard, mit seinen schönsten Häusern. Überall wird noch gearbeitet, üherall gebaut, und es herrscht immer regres, buntes Leben, unterbrochen durch die Anrufe der Arbeiter, das Himmeln der Kameelglocken und die Pfiffe der Jerusalem- Jaffabahn, die die Kolonien passiert. Der Spaziergang in der Kolonie ist mühselig, weil die Trottobs erst Man kommt zur zweiten Straßenecke, der Straße, die vieheicht Rothschitdstraße benannt wird, und plötzlich muß man über rascht aufhorchen, denn ein Mädchenchor läßt hebräische Lieder ertönen. Es sind das die Arbeiterinnen des Spitzenateliers, die den ganzen Tag über ihre Arbeit auf diese Weise verschönern. Es klingt lustig und munter und stimmt einen einsamen Fußgänger sehr froh. Aus jeder Straßenecke erschallen lustige Kinderstimmen, die sich im Sande, auf den Bauplätzen, in den leerstehenden Wohnungen tummeln. Hier wird auf einem, auf einem Karren liegenden Brett eine Schaukel errichtet, auf der mindestens 30 Kinder sitzen, dort wird von dem Balken eines Hauses um die Wette hf runtergesprungen, wo anders werden feindliche Ausfälle auf Indianer und anderes Volk inszeniert. Es wird gelärmt und geschimpft nach Kräften, und jeder einzelne Feind bemüht sich, sein Bestes zu leisten. Die kleinen Knirpse wollen es den großen Jungen nachahmen; da sie aber unbarmherzig verjagt werden, organisieren sie sich zu einer Kapelle und versammeln gearbeitet werden Eingang in Tel-Awiw am Eisenbahngeleise sich auf dem Dache eines Hauses, um auf verschiedenen undefinierbaren Instrumenten unter der weisen Leitung eines Gymnasialschülers, der es genau seinem Lehrer 8* -

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