Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 107

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 107)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53891-3347660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

\To. 41 DlE^ELT 1101 Aus dieser Tabelle ersieht man, welchen Markt die Produkte - es palästinensischen Weinbaues in Ägypten haben, das selbst keine /eingärten besitzt Man kann sagen, daß die Zukunft unseres /einbaues überhaupt in Ägypten liegt. Schon während der vier Jahre, seit denen die neue Verwaltung i Uig ist, wurde der Absatz gegenüber den früheren Jahren be- : mutend vergrößert. Und dabei stecken wir noch immer in den; nfärigen. Um ein Absatzgeb;et zu gewinnen, welches seit vielen ihren Huridertausende Hektoliter Wein aus Italien, Frankreich, Igier und Griechenland bezieht, erfordert sehr viel Arbeit, und enn erwogen wird, daß Palästina doch der nächste Nachbar von gypten ist, dann wird man begreifen, daß wir die besten Chancen I iben, den Platz zu gewinnen, wenn die erwähnten Schwierig- ■?iten durch die erforderlichen Reformen beseitigt werden. Vor allem müssen die Verbindungen verbessert werJen. Wenn i nmal ohne Schwierigkeiten täglich frische Trauben entweder im; afen von Jaffa verladen oder pir Bahn exportiert werden, Trauben, eiche in Palästina früher als in allen Ländern reifen, dann ist es eher, daß von den 10 606 049 Kilo, die jährlich nach Ägypten i nportiert werden, die Palästinatrauben den ersten Platz einnehmen erden. 4. Schließlich muß der Weinbau selbst reformiert werden. Um ie Konkurrenz selbst in Ägypten zu bekämpfen, ist es nötig, daß er Weinbau intensiver gepflegt werde. Es sollten nur diejenigen raubensorten kultiviert werden, aus denen der in Ägypten anzuätzende Wein erzeugt wird, Sorten, welche großen Ertrag liefern, ie Gärten müssen mit gutem Dünger gepflegt werden, und wenn er Weinbau es auf diese Art zu einem durchschnittlichen Ertrag on 100 hl per Hektar bringen wird, dann wird unser Wein sogar bei ■ onkurrenzpreisen auf dem ägyptischen Markte rentabel sein. Außerdem wird es nötig sein, spezielle Tafeltrauben aus Palästina ach Ägypten einzuführen, die bereits in den Kolonien vorhanden nd und zum Teil erst nach ausländischen Mustern gezüchtet werden ollen. Namentlich die Muskatsorten und andere früh reifende Sorten erden beim regelmäßigen direkten Verkehr mit Europa und bei uter Verpackung als erstklassige Tafeltrauben in allen Hauptstädten Europas Absatz finden. * Was ist nun jetzt zu tun? Die palästinensischen Winzer müssen pr allem ihre Organisation ausbauen und immer mehr Europa und Ägypten mit ihren Produkten bekannt machen. Es ist der Erwähnung wert, daß in diesem Sommer größere Tirmen aus Frankreich ihre Vertreter entsandten, um Weine aus ien Kellereien in Rischon und Sichron zu kaufen. Sie sollen ferner ei der Regierung eine Erleichterung bzw. Regulierung in der Besteuerung der Weingärtner zu erwirken suchen. Soweit unsere Brüder außerhalb Palästinas in Betracht kommen, ollten dieselben mit ihren Kapitalien der ottomanischen Regierung ehilflich sein, die wünschenswerten Verbesserungen im Lande urchzuführen. Von allen Reformen steht an erster Stelle der Plan des Hafen- -aues in Jaffa, sodann die Bahnlinie Jaffa-Jerusalem-Ga?a-Port Said;nd endlich Chausseeanlagen im Lande selbst. In unserm Interesse egt es in allererster Linie für derartige Konzessionen einzutreten, veil wir am meisten danach streben, Palästina aufzurichten, welches ine der blühendsten Provinzen des ottomanischen Reiches sein ■ önnte, vorläufig aber eine der verlassensten bildet. Es steht zu hoffen, daß mit dem Erwachen des Landes der /einbau eine der wichtigsten Quellen für das Aufleben Palästinas ein wird. Ebenso sicher ist es, daß die Pioniere, welche vor ca. 0 Jahren zuerst ihre Weinstöcke pflanzten und sie sodann unter ränen aus den schönen Gärten ausroden mußten, neuerdings Wein- - locke pflanzen werden, nachdem normale ökonomische Verhältnisse unserm Lande Platz greifen werden. Die Entwicklungsaussichten der üdischen Bevölkerung Palästinas Von Dr. Elias Auerbach, Haifa Es gibt einige einfache Wahrheiten über Palästina, He doch lange Zeit brauchen, um sich durchzusetzen. Oie erste dieser Wahrheiten ist: Palästina ist kein -eeres Land. Die zweite: Das Land trägt den Charakter des mächtigsten Bevölkerungslementes. Wenn man sich diese Sätze ständig vor Augen hält, ist die Richtung aller jüdischen Palästinaarbeit fest vorgezeichnet. Es wäre an der Zeit, viele nebelhafte Vorstellungen und theoretische Ideen, die sicli noch immer über palästinensische Dinge finden, fallen zu lassen und die Dinge so zu sehen, wie sie sich Lebendig dem Auge derer darstellen, die hier leben und arbeiten. Palästina ist kein leeres Land. Es trägt eine eingeborene nichtjüdische Bevölkerung von 600000 Seelen. Und diese Bevölkerung, bis vor kurzem als eine Art Quantite negligeable betrachtet, beginnt jetzt mehr und mehr eine aktive Rolle zu spielen. Es sind nach der Neugestaltung der politischen Verhältnisse in der Türkei durchaus nicht europäische Mächte, die uns Juden Palästina vorwegnehmen könnten, sondern es ist das einheimische arabische Element, welches fortschreitend erstarkt, sich (wenn auch nur vorläufig oberflächlich) zivilisiert und mit europäischen Methoden zu arbeiten beginnt. Wie oft haben gerade unsere eifrigsten Vertreter der praktischen Arbeit den Satz ausgesprochen:;;Werin wir uns nicht beeilen, werden andere Palästina nehmen.u Niemand wird es nehmen, sondern die arabische Bevölkerung, verstärkt durch etwas ägyptische und türkische Elemente, wird die herrschende Macht bleiben, die sie jetzt ist. Die arabische Sprache herrscht absolut. Jeder, der hier lebt, muß Arabisch lernen. Das Land trägt den Charakter des mächtigsten Bevölkerungselements. Palästina ist ein arabisches Land. Soll es ein jüdisches werden, so müssen die Juden das mächtigste Bevölkerungselement werden. Diese Erkenntnis ist so einfach; und doch, wieviel trennt uns noch davon, daß sie alle unsere Arbeit durchdringt! Ich will ein Beispiel geben. Das aufblühende Haifa ist eine arabische, und zwar eine christlich-arabische Stadt. Den 20 000 Nichtjuden stehen kaum 3000 Juden gegenüber, zum allergrößten Teil kleine Kaufleute, Händler und Handwerker. Der große Handel liegt in den Händen der Deutschen und einiger Araber. Haifa wird dann eine jüdische Stadt sein, und nur dann, wenn 20000 Nichtjuden 30000 Juden gegenüberstehen. Ganz ähnlich liegen die Verhältnisse auf dem Lande, nur noch ungünstiger für die Juden. Der jüdische Landbesitz beträgt nur einen verhältnismäßig kleinen Teil der Bodenfläche Palästinas. Palästina wird dann ein jüdisches Land sein, wenn der größere Teil der Bodenfläche jüdisch sein wird. Angesichts dieser brutalen Tatsachenkötinenauf dieDauerdieschönsten „politischen" Theoreme nicht die Erkenntnis aufhalten: Palästina kann nur jüdisch werden durch eine starke jüdische Einwanderung und durch ausgedehnte jüdische Landkäufe. Einen andern Weg gibt es nicht. Und da erhebt sich die schwere Frage: Liegen für das jüdische Element die Möglichkeiten eines solchen Wachstums überhaupt vor? Oder sind die Schwierigkeiten übergroß? Um das zu entscheiden, werfen wir zunächst einen Blick auf das bereits Vorhandene, auf das jüdische Element, das sich schon im Lande befindet. Nicht die rohe Zahl ausschließlich entscheidet die Übermacht eines Bevölkerungsteiles, sondern sehr stark auch seine Qualität. Das beste Beispiel bieten hier die Deutschen, deren Einfluß in Jaffa und besonders in Haifa weit über ihre kleine Zahl hinausgeht. In Haifa haben sie geradezu bahnbrechend gewirkt, sind durch ihre Arbeitsmethoden vorbildlich geworden, haben das bessere Handwerk und den Großhandel fast monopolisiert,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.