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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 106

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 106)
Language
German
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1100 0!E3^ELT No. 41 Nun zu den ökonomischen Faktoren, die man in der zweiten Periode erst zu studieren anfing, nachdem die Verwaltung den Weinbauern selbst übergeben worden war. Die neue Organisation, welche nun schon das fünfte Jahr existiert, setzt sich aus einem Rate mit einem Direktor an der Spitze zusammen, der von den Kolonien gewählt wird. Der Hauptsitz ist, wie schon erwähnt, Rischon je Zion. Gleich bei der Übernahme suchte man zunächst einen Überblick über die Erträge zu bekommen, die sich maximal wie folgt ergaben: Rischon le Zion......bis 10 000 Kant Rechoboth........., 7 000 Pttach-Tikwah.......„ 4 300 „ Wadi-Chanin........„ 1 400 Gederah..........„ 2 200 Sichron, Jacob und Chederah „ 7 500 Im ganzen 32 500 Kantar oder ca. 65 000 hl exklusive ca. 4000 hl in Rosch-Pina. Dieses Quantum wäre für Europa nicht so bedeutend, namentlich nicht für große Weinländer wie Frankreich, Italien usw. Für Palästina hingegen, wo der lokale Verbrauch von Weinen gleich Null ist, von wo alles nach andern Ländern exportiert werden muß, bedeutet das erwähnte Quantum ungeheuer viel, und das war der Hauptfehler der Rothschildschen Administration, daß ein derartiges Quantum produziert werden konnte, bevor ein entsprechender Absatz gesichert worden war. Die Sachlage gestaltet sich so wie mit den sieben magern und sieben fetten Jahre irii Traume Pharaos. Das Quantum, für welches man ziemlich gute Preise hätte erzielen können, wurde von den schlechten Verkäufen verschlungen, die jährlich gemacht werden mußten, um Platz für die neue Weinlese zu schaffen. Die neue Organis ttion konnte natürlich nicht warten, bis eine bessere Kundschaft entstehen würde; die Weinbauer mußten ja mittlerweile aus ihren Trauben * die Existenzmittel bestreiten. Es blieb daher nur ein radikales Mittel: die Produktion zu verkleinern und die Weinstöcke durch andere passendere Kulturen zu ersetzen. Diese Operation wurde zunächst in den entfernteren Kolonien, wie Chederah^ und überhaupt in solchen, wo der Boden für rentable Kulturen sich eignete, z. ß. für Orangen in Petach-Tikwah und Wadi- Chanin, und schließlich auch dort, wo die Gärten nur einen geringen Ertrag abwarfen, vorgenommen. Insgesamt wurde die Produktion innerhalb 4- Jahren fast auf 12 000 Kantar oder 24 000 hl reduziert. War die erste Operation sofort nach Übernahme der Verwaltung noch verständlich, so war die zweite, im vorigen Winter wiederholte Operation schon etwas übertrieben. Die Weinbauer wollten nur das Quantum behalten, Jüdischer Weinbauer für welches sie bereits einen ziemlich guten Absatz fanden; sie berücksichtigten aber nicht, daß nicht alle Jahre gute Ernten ergeben — so hat dieses Jdhr um ca. 30°/o des normalen Ertrags weniger geliefert — und daß sie es hierdurch selbst unmöglich machen, den Weinbau als wichtigen ökonomischen Zweig weiter zu pflegen und zu entwickeln. Das Unglück ist, daß überhaupt ein großer Teil der Weinbauern mit ihrer ganzen Existenz auf den Ertrag ihrer Gärten angewiesen sind. Außerdem liefert ein großer Teil derselben nur einen ganz kleinen Ertrag. Diese außerordentlichen Verhältnisse haben zu dem vom Kolonisationsstandpunkte aus abnormalen Mittel geführt: den Weinbau auf ein Minimum zu reduzieren, um ein Maximum der Preise zu erzielen. Zukunft des Weinbaues. Soll man infolge des jetzigen Zustandes an der Zukunft des Weinbaues in Palästina verzweifeln? Gewiß nicht. Diesem wichtigen Kolonie|Rischon-le-Zion Kolonisationszweig steht sicher eine glänzende Zukunft bevor, wenn nur die ökonomischen Verhältnisse des Lan'des sich verbessern werden. Die Haupthindernisse für die Entwicklung der Landwirtschaft im allgemeinen und des Weinbaues im besondern sind: 1. Die großen Steuern, welche der Weinbauer für seinen Garten bezahlen muß; Vergho (Landstexier), Oscher (Zehnte), die der Dette-Publ que zu leisten sind. Diese Steuern betragen zusammen nominell bis 25°/o, de facto über 40°/o. Das allein genügt wohl, um die Entwicklung des Weinbaues hintanzuhalten. 2. Die Transportschwierigkeiten durch Mangel an Chausseen, Bahnen und eines Hafens in Jaffa. Es ist Tatsache, daß der Transport einer Tonne von Rechoboth bis zum Dampfer das Dreifache des Transports von Jaffa bis Alexandrien kostet. Der Transport einer Tonne von Sichron bis nach Haifa kostet gerade soviel, als von Haifa bis Marseille! . . . Es ist zu hoffen, daß diese zwei Störungen bald beseitigt werden. Hier müssen wir mit all unsern Kräften mithelfen. Das neue Regime muß zur Überzeugung kommen, daß die Besteuerung, welche so schwer auf der Landwirtschaft lastet, verringert werden und daß in dieser Hinsicht Reformen eingeführt werden müssen. Auch der Bau von Straßen, Bahnen und eines Hafens in Jaffa ist eine Frage der nächsten Zeit. Verschiedetie Projekte für den Bau des Hafens und einer Chausse Jaffa—Gaza werden studiert und voraussichtlich in nicht sehr langer Zeit ins Leben gerufen werden. 3. Der mangelnde Absatz im Lande. Die verhältnismäßig schwache Bevölkerung Palästinas verursacht, daß die Hauptproduktion exportiert werden muß. Diese Schwierigkeit ist aber noch am leichtesten zu überwinden. Es wurde bis jetzt leider viel 2u wenig berücksichtigt, daß wir das nächste Absatzgebiet in einem so reichen Lande wie Ägypten haben können. Selbst bei den jetzigen Verhältnissen sind wir nur 12 Stunden von Port Said entfernt. Leider aber ist die Einschiffung in Jaffa mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden. Aber S3bald nur der Hafen oder die projektierte Eisenbahnlinie erbaut werden wird, dann wird kein Land m t unsern Produkten konkurrieren können. Es genügt, bloß in dieser Hinsicht auf die neuesten statistischen Daten bezüglich des Weinbaues hinzuweisen (siehe Commerce Exterieur de l'Egypte, annee 1908): Es wird importiert: In Fässern In Flaschen it Wert Hektol. Dutzend Ägypt. Pfund Vins . ... 153 296 35794 186015 Liqueurs ... 5 486 124 356 140 123 Trauben in frischem Zustand: 10606049kg für 59737uÄgypt. Pfd. 1493425 Francs.

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