Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
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moralische Unterstützung und stehen ihnen mit Anleitung und Auskünften über alle das Ansiedlungswesen in Syrien und Palästina betreffenden Angelegenheiten bei. Die wichtigste Aufgabe der Palästinaarbeit erblickt aber das neue Komitee in „Geülath-haarez". (Auskauf des palästinensischen Bodens) und propagiert infolgedessen eifrig die Idee der Schaffung eines Instituts für Agrarkredit. Aus eigenen Mitteln verhalf das Komitee durch Gewährung von langfristigem Bodenkredit einer Anzahl von Landarbeitern und kaukasischen Bergjuden zur Gründung von zwei Arbeiterkolonien „Ber-Jacob" in der Nähe von Ramleh und ,.En-Ganim" bei Pethach-Tikwah, die zugleich einen Versuch zur Schaffung eines neuen Typus von seßhaften Landarbeitern bedeuten sollten, die in den benachbarten Kolonien als Tagelöhner arbeiten, dabei aber in der eigenen kleinen Wirtschaft einen beständigen Rückhalt haben könnten. Das neue Komitee interessierte sich ferner für die Schaffung von billigem „Kleinkredit", der dem palästinensischen Handwerker und dem kleinen Gewerbsmann die Möglichkeit geben könnte, sich ökonomisch zu behaupten und dem Drucke des Wucherers zu entgehen. Den gemeinsamen Bemühungen des Komitees und der A. P. C. ist die Entstehung einer kooperativen Gesellschaft für Kleinkredit zu verdanken, zu deren Grundkapital das Komitee 50000 Frs. beigetragen hat. Nachdem das Komitee mit dem ehemaligen System kleiner philanthropischer Tätigkeit endgültig gebrochen hatte, wandte es seine besondere Aufmerksamkeit den öffentlichen Einrichtungen und Organisationen zu. Und so bezieht denn eine ganze Reihe palästinensischer Städte und Kolonien vom Komitee beträchtliche Subventionen für gemeinnützige Zwecke, als da sind Krankenhäuser, Volkshallen, Volksküchen, ärztliche und juridische Hilfeleistung u. dgl. m. Den bedeutendsten Teil seines Budgets widmet indes das neue Komitee dem Schul- und Erziehungswesen in Palästina. In erster Reihe gelten die diesbezüglichen Bemühungen des Komitees der Jaffaer achtklassigen Töchterschule, die im letzten Jahre von ca. 400 Schülerinnen besucht wurde. Der jährliche Ausgabeetat dieser Schule beträgt nunmehr 30 000 bis 35 000 Frs. Allein das Komitee läßt sich durch die recht bedeutenden Ausgaben nicht von seinem Vorhaben abbringen, diese Schule, in der zum erstenmale der Unterricht im Hebräischen für alle Lehrfächer angewandt wurde, zu einem Musterinstitut zu gestalten. Die Schule ist in erfreulicher Entwicklung begriffen und hat in Herrn Dr. Turow einen energischen und umsichtigen Leiter. Das im vorigen Jahre eingeweihte prächtige Schulgebäude erforderte einen Aufwand von mehr als 100000 Frs. Hiervon bestritt das Komitee aus seinen allgemeinen Mitteln den Betrag von 27 000 Frs., während die übrige Summe einem großmütigen Spender, dem Ehrenmitglied der Gesellschaft Herrn J. Feinberg aus Irkutsk, zu verdanken ist. Große Verdienste hat sich das Komitee um das hebräische Gymnasium zu Jaffa erworben. Das Komitee verbürgt das Budget des Gymnasiums (im abgelaufenen Schuljahre 36 000 Frs.), sorgt für die Vergrößerung des Gymnasialfonds, versieht die Verwaltung des Kassenwesens und trägt aus seinen eigenen allgemeinen Mitteln zu den jährlichen Ausgaben 5000 Frs. bei. Das Komitee erhält und subventioniert ferner eine ganze Reihe von Schulen und Kindergärten in den Städten und Kolonien Palästinas, bestreitet die Kosten des hebräischen Unterrichts an einigen Alliance-Schulen, subventioniert ferner den Lehrerverband, die Zeitschriften „Hapoel-Hazai'r" und „Hachinuch", den Bücherverlag „Koheleth", die Bibliotheken zu Jerusalem, Jaffa, Haifa und Tiberias, verschiedene Abendkurse u. dgl. m. Von den Arbeiten des Komitees in der letzten Zeit seien noch seine Bemühungen in Sachen des zu schaffenden Instituts für Agrarkredit erwähnt. Die Generalversammlung von 1908 hatte nämlich das Komitee beauftragt, zur Schaffung eines Instituts für langfristigen Agrarkredit in Palästina nach Kräften beizutragen. Das Komitee beschloß nun einen Versuch zu machen, um festzustellen, inwiefern dieses Beginnen auf die Sympathien weiter Volkskreise rechnen dürfte. Im Auftrage des Komitees bereiste nun Herr Dr. O. Buchmil aus Jaffa mehrere Punkte Südrußlands, wo er eine Vorsubskription für das zu schaffende Agrarkredit-Institut veranstaltete. Das Ergebnis seiner Bemühungen war, daß 723 Personen die formelle Verpflichtung unterschrieben, Anteilscheine des zu gründenden Instituts im Betrage von insgesamt 510000 Frs. zu zeichnen und zugleich 10°/o des Subskriptionsbetrages, also 51 000 Frs. anzahlten. In dem Ergebnisse der bisherigen Bemühungen Dr. Buchmils erblickt das Komitee den Beweis, „daß die Gründung eines Instituts für Agrarkredit bei vereinigter und energischer Arbeit aller Instutionen und Personen, die für Palästina Interesse haben, vollständig gesichert ist". * * * Aus dieser trockenen Aufzählung der Arbeiten des neuen Komitees unter Ussischkin sieht man, daß das Komitee ehrlich bestrebt ist, mit seinen geringen Mitteln alles zu fördern, was unsere Positionen in Palästina in irgendeiner Weise zu stärken geeignet erscheint. Und wenn die Tätigkeit des Odessaer Komitees in manchen Kreisen noch immer einer gewissen Geringschätzung begegnet, so ist dies bei der menschlichen „geistigen Trägheit" zwar erklärlich, keineswegs aber berechtigt. Seitdem einerseits das Odessaer Komitee mit dem System der kleinen philanthropischen Tätigkeit endgültig gebrochen hat, seitdem andererseits wir uns gewöhnt haben, im Zionismus eine organisch sich entwickelnde Bewegung zu sehen, die ihr Ziel nur im evolutiven Prozesse einer energischen und unermüdlichen Arbeit auf allen Gebieten des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens in Palästina erreichen wird, liegt gar kein Grund mehr vor, auf die Arbeit des Odessaer Komitees, die von den gleichen Prinzipien getragen ist, ironisch überlegen herabzublicken. Das Komitee ist sich dessen sehr wohl bewußt, daß seine allzu bescheidenen Kräfte und Mittel für die großen Aufgaben, die alle Seiten des neu aufkeimenden Lebens in Palästina umfassen, lange nicht ausreichen; es legt daher großes Gewicht auf „die vereinigte und energische Arbeit aller Institutionen und Personen, die für Palästina Interesse haben". Diese Tendenz kam besonders klar in den auf der letzten Generalversammlung (1908) gefaßten Resolutionen bezüglich der verschiedensten Aufgaben der Palästinaarbeit — der Agrarverhältnisse, der Arbeiterfrage, des Informations-