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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 103

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 103)
Language
German
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No. 41 DIE2$5ELT 1097 braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden. Zur Durchführung der Reformbeschlüsse der Generalversammlung, namentlich inbezug auf die Neugestaltung des Verwaltungswesens in Palästina auf breiter Basis, begab sich im Sommer 1903 eine spezielle Kommission mit Ussischkin an der Spitze nach Palästina. Auf die Tätigkeit dieser Kommission ist jene denkwürdige erste Konferenz — „Knessiah" — von Vertretern der palästinensischen Judenheit, ferner auch die erste Konferenz der palästinensischen Lehrer zurückzuführen, die beide von Ussischkin einberufen wurden und unter seiner Leitung und Führung im August 1903 gleichzeitig mit dem VI. Zionistenkongreß in Sichron- Jacob stattfanden. Für den Geist der „Knessiah" zu Sichron-Jacob und die Bedeutung, die ihr in zionistischen Kreisen beigemessen wurde, ist die Tatsache bezeichnend, daß die palästinensische „Knessiah" und der Baseler Kongreß miteinander Begrüßungstelegramme wechselten, und daß ferner die Kongreßdelegierten die „Knessiah" ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eintragen ließen, wobei der erste auf der bezüglichen Liste kein Geringerer war als Herzl. Der Delegiertentag zu Sichron-Jacob faßte auf Ussischkins Antrag den Beschluß, eine dauernde Organisation der palästinensischen Juden, — zunächst nur der wirtschaftlich aktiven Elemente in den Städten und Kolonien, — ins Leben zu rufen, die die materiellen und geistigen Interessen der Gesamtheit wahrzunehmen und die jüdischen Positionen im Lande zu befestigen und weiter auszubauen hätte. Es wurde auch im einzelnen die Form der Organisation ausgearbeitet und Bestimmungen über die entsprechenden Organe getroffen. Leider aber hatte diese Organisation nicht Zeit genug, um ins Leben überzugehen und festen Boden zu fassen, als sie den schweren Mißhelligkeiten, die sich bald infolge des unglückseligen Ugandazwistes einstellen sollten, zum Opfer fiel. Sie hatte nur den Nutzen, daß sie der jüdischen öffentlichen Meinung in Palästina die Notwendigkeit einer derartigenOrganisation zu Bewußtsein führte und somit den Boden für spätere, vielleicht glücklichere Versuche vorbereitete. Dauernder und praktisch nützlicher erwies sich eine zweite Schöpfung der Zusammenkünfte zu Sichron- Jacob: der von der Lehrerkonferenz geschaffene und vom Odessaer Komitee bis heute in jeder Weise geförderte und unterstützte Lehrerverband. Diese Institution gewann immer mehr Einfluß auf die Erziehung des heranwachsenden Geschlechts in Palästina und entwickelte sich allmählich zu einem autoritativen Zentrum zur Behandlung und Erledigung pädagogischer Tagesfragen. Die Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrprogramms für die palästinensischen Volksschulen, die Inspektion und die Besetzung vakanter Lehrposten in den Schulen des Odessaer Komitees, die Schaffung einer einheitlichen hebräischen Fachterminologie in den Unterrichtsgegenständen, die Prüfung neuer Lehrer und Kindergärtnerinnen usw. usw. gehören zu den Aufgaben des führenden Organs des Verbandes, des Jaffaer Zentralkomitees. In der vor kurzem mit Hilfe des Odessaer Komitees geschaffenen, von Dr. Turow trefflich redigierten pädagogischen Zeitschrift „Hachinuch" hat der Verband einem längst empfundenen Bedürfnis nach einem gediegenen Fachorgan entsprochen. Von den Palästina-Institutionen, die zu jener Zeit mit Hilfe des Odessaer Komitees gegründet wurden, seien hier noch die private Gesellschaft für Landankauf in Palästina „Geülah" und die Gesellschaft für den Absatz palästinensischer Weine „Carmel oriental" erwähnt. V. Das neue Komitee unter Ussischkins Vorsitz und seine Arbeit. Palästinakunde und Informationswesen. Die Gründung von „Ber-Jacob" und „En- Ganim". Schaffung von billigem „Kleinkredit**. Förderung gemeinnütziger Institutionen. Schul- und Erziehungswesen. Bemühungen in Sachen des Agrarkredits. Schlußbemerkung. Die neue Richtung in der Tätigkeit des Komitees ließ bald die Notwendigkeit einer entsprechenden Abänderung und Erweiterung der Statuten fühlen. Nach vieler Mühe ist es endlich gelungen, die Zustimmung der Regierung zu der von der Generalversammlung von 1902 in Aussicht genommenen Statutenänderung zu erhalten. Im September 1904 wurde endlich das neue Statut offiziell genehmigt. Bald sollte auch die Zusammensetzung des Komitees bedeutende Verschiebungen nach der Linie der synthetisch-zionistischen Richtung erfahren. Auf der Generalversammlung von 1906 wurde an Stelle des wegen schwerer Krankheit zurückgetretenen (kurz darauf verstorbenen) A. Grünberg M. Ussischkin gewählt. Bezeichnend ist, daß neben Ussischkin und Dr. Sapir diesmal auch Wladimir Jabotinsky, der begabte und einflußreiche Führer der zionistischen Jugend, in das Komitee hineingewählt wurde. Später kamen noch prononzierte Vertreter der kulturellen Richtung, der Dichter Bjalik und Dr. J. Klausner, hinzu. Das neue Komitee ging energisch an die Arbeit im Rahmen des erweiterten Statuts. In der Überzeugung, daß die Förderung der Palästinakunde in umfassendem Sinne des Worts ein geeignetes Mittel zur Anregung der Privatinitiative für die Palästinaarbeit sei, suchte das Komitee vor allen Dingen weite Volkskreise mit der gegenwärtigen Lage des Kolonisationswerks in Palästina und den Perspektiven für die Zukunft vertraut zu machen. Dieser Aufgabe dienten zahlreiche Flugblätter und Publikationen in der Presse, ferner der Bücherverlag „Palästina", der in kurzer Zeit 10 populäre Schriften über Palästina und die Palästinaarbeit in russischer und jüdischer Sprache veröffentlichte, sodann diejenigen Publikationen der „Kopeken-Bibliothek", die Palästinafragen behandeln (insgesamt 12 Broschüren). Zum gleichen Zwecke subventionierte das Komitee die von Prof. Warburg herausgegebene Zeitschrift „Palästina", und beauftragte eine Anzahl von Palästinakennern mit einer Agitationstournee im Ansiedlurigsrayon. Besonderes Gewicht legte das Komitee auf die Schaffung und Ausgestaltung eines weitverzweigten, nach modernen Prinzipien organisierten Informationsdienstes in und über Palästina. Diese höchst verwickelte, aber auch höchst wichtige Aufgabe verschlingt seit einigen Jahren einen beträchtlichen Teil des Aufwandes des Komitees in Palästina. Das Komitee unterhielt und unterhält Inf ormationsjbureaus in Odessa, Konstantinopel, Beirut, Haifa, Jaffa und Jerusalem. All diese Bureaus erweisen den Emigranten und neuen Ansiedlern alle mögliche

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