Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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1096 die: hohen Jahresbeiträgen betrug 1896 4808, 1897 6390 und 1898 8073. In die Sprache der Zahlen übersetzt, drückt sich die Tätigkeit des Odessaer Komitees im ersten Jahrzehnt seiner offiziellen Existenz in folgenden Ziffern aus: Die Einkünfte des Komitees für diese Zeit betrugen rund 520 000 Rubel. Davon wurden in Palästina—außer den erwähnten 300 000 Frcs. für Kastinie — folgende Summen in runden Zahlen verausgabt: für Gederah 131 000 Frcs; Chederah 93 000; Pethach- .Tikwah 62000; Mischmar-Hajarden 37 000; Wadi- Chanin 31 000; Rechoboth 25 000; für die Jaffaer Schule 45 000; für die Handwerker 30 000; für den Ethorgimgarten zu Chederah zum Andenken an Rabbi Samuel Mohilewer („Gan-Schmuel") 23 000; Subventionen allgemeiner Natur 20 000; Darlehen 20 000; für die Tagelöhner 20 000; für die Jaffaer Bibliothek zum Andenken an Lewanda 13 000 Frcs. usw. Mit der Arbeit wuchsen indes auch die Aufgaben des Komitees. Es wuchs auch seine Erfahrung, und noch mehr das dringende Bedürfnis nach einem eingehenden, gründlichen und zuverlässigen Oberblick über die tatsächlichen Verhältnisse in Palästina, auf Qrund dessen die leitenden Gesichtspunkte einer rationellen Palästinarbeit ein für allemal festgestellt werden könnten. In Erfüllung eines bereits im Oktober 1897 gefaßten, aber aus verschiedenen Gründen bis jetzt nicht verwirklichten Komiteebeschlusses begaben sich im November 1899 zwei Komiteemitglieder, Achad-Haam und 'Agronom A. Sußmann, nach Palästina, um an Ort und Stelle die Lage der Kolonisation im allgemeinen und der vom Komitee unterstützten Kolonien im besondern, ferner die allgemeinen Kolonisationsbedingungen, das palästinensische Schulwesen usw. einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Die Kommission brachte in Palästina vier bzw. drei Monate in eingehenden Studien zu und machte nach ihrer Rückkehr das Komitee mit den Ergebnissen ihrer Untersuchungen bekannt, die für die weitere Arbeit des Komitees bestimmend wurden. Herr Sußmann berichtete eingehend über die klimatischen und terrestrischen Bedingungen des Landes und gelangte zu dem Ergebnis, daß diese Bedingungen für eine landwirtschaftliche Kolonisation durchaus nicht ungünstig seien. Im einzelnen empfahl Herr Sußmann eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Hebung der Kolonisation Palästinas. Unter anderm befürwortete er die gemischte, d. h. die Pflanzen- und Getreidekultur gleichzeitig pflegende Wirtschaft. Die Ergebnisse der Studien Achad-Haams sind in seinen umfangreichen, im zweiten Teil des „AI paraschath drachim" veröffentlichten Abhandlungen niedergelegt und resultieren praktisch in folgenden Grundsätzen: 1. Das bislang geübte System der persönlichen Unterstützung und Bevormundung der Kolonisten wirke demoralisierend, ertöte allmählich den Willen und die freie Initiative und sei das hauptsächlichste Hemmnis für die Entwicklung der Kolonien; 2. das Komitee soll besonderes Gewicht auf das Schulwesen legen. Es soll u. a. für die Möglichkeit pädagogischer Ausbildung im Lande, ferner für die Schaffung einer geeigneten Lehrerorganisation Sorge tragen, die ein einheitliches Lehrprogramm auszuarbeiten und den Typus der normalen Volksschule festzustellen hätte. Unter dem Einflüsse Achad-Haams einerseits und feELT _ No. 41 der führenden Persönlichkeiten der russischen Zionisten, wie Ussischkin, Tschlenow, Kohan-Bernstein, Temkin anderseits, die im Odessaer Komitee immer mehr ton- und richtunggebend wurden, rang sich in weiten Kreisen der Gesellschaft allmählich *eine neue Richtung durch, die ich als die politische bezeichnen möchte. Diese Richtung verlangte im allgemeinen eine großzügige, von politischen Gesichtspunkten getragene, planmäßige und zielbewußte Arbeit auf allen Gebieten des ökonomischen und kulturellen Lebens Palästinas, bei der dem Odessaer Komitee die Aufgabe zufiele, Bedingungen für eine tatkräftige Privatinitiative zu schaffen resp. zu erleichtern. Diese Gesichtspunkte kamen auf der außerordentlichen Generalversammlung der Gesellschaft von 1901 und auf der ordentlichen Generalversammlung von 1902 zur Geltung, und es war nur selbstverständlich, daß hier nicht nur die engern Interessen der Gesellschaft in Palästina, sondern auch die allgemeinen Gesichtspunkte und Interessen der Palästinakolonisation in Betracht und Beratung gezogen wurden. Und so begnügte sich die erstere Versammlung nicht damit, daß sie das Bevormundungssystem für die vom Komitee unterstützten Kolonien verwarf, sondern sie sah sich auch veranlaßt, bei Baron Rothschild Schritte zu unternehmen, um auch ihn zu bewegen, die Lösung der Kolonisationskrisis nach dieser Richtung zu suchen. Die Generalversammlung wählte daher eine Delegation, bestehend aus Ussischkin, Achad-Haam, Tschlenow, Kohan-Bernstein, Leo Kohan, Grünberg, Barbasch u. a., die gemeinsam mit den Vertretern der palästinensischen Kolonisten und Arbeiter bei Rothschild in diesem Sinne intervenieren sollte. Es war wohl nicht zuletzt das Verdienst dieser Delegation, daß Rothschild bald darauf an seinen Kolonien wieder gut zu machen suchte, was seine Vertreter und das verfehlte System verschuldet hatten. Er vertraute die Kolonien der Ica zur Weiterverwaltung an und stellte ihr gleichzeitig mehrere Millionen für diesen Zweck zur Verfügung mit der Maßgabe, daß die Administration darauf ausgehen solle, sich selbst überflüssig und die Kolonien selbständig zu machen. Von gleichem Geiste waren auch die Beschlüsse der G.-V. von 1902 getragen, die Geschäftsführung des Komitees in Palästina in der Weise zu reformieren, daß die lokale jüdische Bevölkerung möglichst herangezogen und zur Selbständigkeit veranlaßt wird, ferner der Beschluß, 25—30°/o der Einnahmen der Gesellschaft für Schul- und Erziehungswesen zu verwenden, u. dgl. Diese Gesichtspunkte waren auch in der Beratung über die palästinensische Arbeiterfrage vorherrschend. Im Sinne der Beschlüsse der Generalversammlung von 1902 wurde — vornehmlich dank der unermüdlichen agitatorischen Tätigkeit M.Scheinkins — ein spezieller Arbeiterfonds aufgebracht, aus dessen Mitteln später ein Teil der Arbeiter durch Verleihung von Grundstücken und Inventar seßhaft gemacht und im übrigen allgemeine, der gesamten Arbeiterschaft zugute kommenden Wohlfahrtseinrichtungen, als da sind billige Wohnungen, Leihkassen usw., geschaffen wurden. Im allgemeinen wurden für diese Zwecke Frcs. 160 000 ausgegeben. Daß die Generalversammlung noch den ausdrücklichen Beschluß faßte, daß das Komitee in seiner weitern Arbeit unter keinen Umständen Einzelpersonen Geldunterstützung in irgendeiner Form gewähren durfte,