Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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No. 41 DIEIaIELT 1095 großen Aufgabe stünde. Nur die wenigsten Kolonisten aus den Reihen der ehemaligen Krämer und Luftmenschen hätten den Beruf zur Landwirtschaft und besäßen die für die harte Pionierarbeit nötige Energie, Zucht, Ausdauer und Genügsamkeit. Er trat auch mit praktischen Reformvorschlägen auf und verlangte: a) eine gründliche, allseitige Erforschung des Landes durch Fachmänner; b) die Gründung einer zentralen Organisation für den Landankauf und das gesamte Kolonisationswesen; c) den Obergang von dem großkapitalistisch betriebenen und daher für den von der Hand in den Mund lebenden Kleinbauern ungeeigneten, im übrigen mehr als kommerzielles Unternehmen geführten und bei den gegebenen Marktverhältnissen allenfalls vorläufig unsichern Weinbau zur eigentlichen Landarbeit, will sagen zum Getreidebau und der damit verbundenen Vieh- und Vogelzucht, welche allein die Bildung eines gesunden normalen Bauernstandes ermöglichen würden. Seine zweite Palästinareise von 1893 bestätigte ihn in der Hauptsache in seiner Ansicht, und er machte jetzt weitere Reformvorschläge, die dahin gipfelten: a) keinen Schritt in Palästina ohne die offizielle Genehmigung der türkischen Regierung zu unternehmen; b) persönliche Unterstützung an Kolonisten nur in Ausnahmefällen zu gewähren, und zwar nur in Form von landwirtschaftlichen Geräten und dergleichen, keineswegs aber in Form von Geldgaben; c) die nationale Erziehung im Lande als wichtigsten Punkt der Palästinaarbeit zu betrachten. IV. Die Gründung Kastinies. Einfluß des Zionismus auf die Verhältnisse des Komitees. (Die Tätigkeit des Komitees in Zahlen ausgedrückt.) Die Studienreise Achad-Haams und Sußmanns in Palästina und das Ergebnis derselben. Die allgemeine neue Richtung. Reform beschlüsse der Generalversammlungen von 1901 und 1902. Ussischkins organisatorische Versuche in Palästina. Die Gründung des Lehrerverbandes. Geülah und Carmel-oriental. Die kritischen Anschauungen Achad-Haams drangen allmählich, von den bittern Erfahrungen in Palästina und der Reaktion in Rußland unterstützt, im Odessaer \ •. t * M; i 11 Kaukasische Bergjuden als Kolonisten Komitee durch, trotzdem sie in vielen Punkten die schärfste Opposition Lilienblums und, in der ersten Zeit wenigstens, zum Teil auch Ussischkins hervorgerufen hatten. Eine Folge der neuen Anschauungen war nun die 1896 erfolgte Gründung der Kolonie Kastinie. Mit dieser Aktion verfolgte das Komitee den Zweck, sich nicht mehr wie bisher auf die Unterstützung der von Landschaftsbild von Samaria andern mit geringerer oder größerer Sachkenntnis ins Leben gerufenen Kolonien zu beschränken, sondern auch aktiv in das Kolonisationswerk durch die Gründung einer ausschließlich auf Ackerbau gestellten und aus gewesenen palästinensischen Landarbeitern bestehenden Musterkolonie einzugreifen. Die Gründung, Einrichtung und Unterstützung der Kolonie in den ersten Jahren hat dem Komitee die hübsche Summe von rund 300 000 Frcs. gekostet. — Daß auch bei dieser Gründung, wie nachträglich sich herausstellen sollte, Fehler gemacht wurden, liegt in der Natur der Sache, und es kann dem Komitee nur schwerlich ein Vorwurf daraus gemacht werden. War bereits mit der Gründung Kastinies, an die viele Hoffnungen geknüpft wurden, ein neuer Impuls in die Arbeit des Odessaer Komitees gekommen, so sollte die ganze Sache bald einen neuen, ungeahnten Aufschwung nehmen. Mit der Entstehung des Kongreß- Zionismus, mit der Gründung der allgemeinen zionistischen Weltorganisation kam auch in das Odessaer Komitee neues Leben. — Die . von der Macht der neuen imposanten Formen und Lösung der nationalen Idee hingerissenen Massen fühlten es sozusagen instinktiv, daß die praktische Kolonisationsarbeit in Palästina einen wichtigen, organischen Bestandteil des großen nationalen Regenerationswerkes bildet, und dieses Gefühl gelangte in dem Verhältnis weiter Kreise dem Komitee gegenüber zum Ausdruck. Die allgemeinen Einnahmen des Komitees stiegen von rund 48000 Rubel im Jahre 1896 auf rund 57 000 im Jahre 1897 und 78 000 im Jahre 1898. Die Zahl der Mitglieder mit verhältnismäßig