Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde. Im Gegenteil wurde auf das Bestreben, rechtliche Garantien für die Kolonisation zu gewinnen, besonderes Gewicht gelegt. Von Bedeutung ist auch der Beschluß, die hilfsbedürftigen Kolonisten nur durch Darlehen zu unterstützen. Allein das wichtigste Ergebnis der Kattowitzer Konferenz — (die Pinsker selbst übrigens in seiner Schlußrede als einen nur winzigen Anfang bezeichnete) — war, daß sie die längst ersehnte und angestrebte Organisation und Zusammenfassung der zersplitterten Kräfte zur Tatsache machte. — Da die in Kattowitz in Aussicht genommene Bildung eines Zentralkomitees in Berlin wegen Mangels an geeigneten Personen sich als unmöglich erwies -9 so wurde das provisorische Komitee mit Dr. Pinsker als Vorsitzenden und L i 1 i e n b 1 u m als Schriftführer in Odessa etabliert, daneben wurde noch in Warschau, wo auch die Kassenverwaltung untergebracht wurde, ein Bureau errichtet. — Bei der Richtung Pinskers, dem die allgemeine nationale Organisation dauernd vorschwebte, war es selbstverständlich, daß die Verbindungen mit dem Auslande aufrechterhalten und weiterentwickelt wurden. Das Odessaer Komitee hatte es nicht bloß mit den schwebenden Tagesfragen zu tun. Vielmehr wurde nachdrücklich betont, daß die Vereinigung nicht bloß den Zweck habe, die bestehenden Kolonien in ihrem schweren Kampfe ums Dasein zu unterstützen, sondern daneben und darüber hinaus für eine weitere Ausdehnung der Kolonisation und für Landankauf in Palästina Sorge zu tragen. Hier wurde bereits die Idee der „Geülath- Haarez" als unerläßliche Voraussetzung für das Gelingen unseres Beginnens mit großer Klarheit und Entschiedenheit vertreten. In Erfüllung der Kattowitzer Beschlüsse wurden bald für Pethach-Tikwah und Jessod-Harnaleh größere Summen überwiesen. Kurz darauf begab sich Wissotzky im Auftrage des Komitees und gemäß dem Kongreßbeschlusse nach Palästina, um die Verhältnisse an Ort und Stelle kennen zu lernen. Er hatte einen Betrag von 28 000 Rbl. zur Verfügung und traf, nach eingehendem Studium der Sachlage, Dispositionen, um den Kolonien, die nicht den Schutz des Barons Rothschild genossen, zur Konsolidierung zu verhelfen. Für die durch Wissotzky verteilten Subventionen und die nachfolgenden Überweisungen wurden in Pethach-Tikwah undGederah eine Anzahl von Häusern und Ställen errichtet, Geräte erworben, Brunnen gegraben, den Kolonisten die Mittel für Saat und Ernährung bis zur Ernte gegeben, Besitztitelstreitigkeiten in Pethach-Tikwah erledigt, die rechtliche Garantie des Bodenbesitzes in Jessod- Harnaleh geschaffen, 70 000 Weinstöcke in Gederah gepflanzt und dgl. mehr. — U. a. wurden im ersten Jahre auf Rechnung der Chowewe-Zion fünf junge Leute nach Sichron-Jacob gesandt, wo sie unter Leitung der Rothschildschen Administration die Landwirtschaft gründlich erlernen sollten, um später für die neuen Kolonisten vorbildlich sein zu können. — In Palästina wurde ein ausführender Ausschuß eingesetzt, welcher dauernd das Zentralkomitee an Ort und Stelle vertreten sollte. Zur Regelung der Verhältnisse in Gederah, welcher Kolonie nachmals die Tätigkeit der Chowewe- Zion in erster Reihe galt, wurde Mojal und später j. M. Pin es äls Administrator eingesetzt. * * Ein Jahr verging, seitdem die Kattowitzer Konferenz im Montefiore-Verband den Zusammenschluß der einzelnen Vereine geschaffen hatte. Zum Jahresschluß konnte das Warschauer Bureau einen Kassenbericht des Verbandes ausstellen, der die Summe von rund 53 500 Rubel Einnahmen gegen rund 48500 Rubel Ausgaben verzeichnete. Bald stellten sich. aber gewisse Mißhelligkeiten ein. Die neue Organisationsform hatte die in sie gesetzten Hoffnungen nicht ganz gerechtfertigt. Manche Vereine waren dem Kattowitzer Beschlüsse, ihre Gelder an die Zentralkasse abzuliefern, nicht nachgekommen, indem sie sich erst von der Zweckmäßigkeit und Lebensfähigkeit des Verbandes überzeugen wollten. Wieder andere wollten ihr Geld durchaus nicht zur Unterstützung der bestehenden, sondern nur zur Gründung neuer Kolonien oder doch wenigstens für Landankauf verwandt wissen. Von verschiedenen Seiten wurde jetzt Kritik an den bestehenden Verhältnissen geübt und Reformvorschläge gemacht. So wurde denn das Bedürfnis nach einer zweiten Konferenz reif, die Klarheit und Ordnung schaffen sollte. Am 15. und 16. Juni 1887 fand die Konferenz zuDrusgenik statt die eine Reihe von Beschlüssen organisatorischer Natur, betreffend die Regelung der Verhältnisse der Vereine und des palästinensischen Exekutivkomitees faßte. Es wurde ferner beschlossen: 1. die Erlaubnis der russischen Regierung zur Gründung einer offiziellen Palästina-Gesellschaft zu erstreben; 2. ein Bureau in Palästina zu errichten, welches die nötigen Informationen über zum Verkauf stehende Ländereien sammeln und Reflektanten übermitteln sollte; 3. Pethach-Tikwah und Jessod-Harnaleh sollen fortgesetzt unterstützt werden, ebenso soll Gederah endgültig ausgebaut werden. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß das Jaffaer Bureau beauftragt wurde" die rechtlichen Verhältnisse des Landes zu studieren und Mittel und Wege ausfindig zu machen, durch die die Erlaubnis der türkischen Regierung für die Kolonisation Palästinas durch Juden erlangt werden könnte. Man sieht also, daß die Konferenz auf das politisch-rechtliche Moment, wie auch auf die Förderung der Privatinitiative durch einen geeigneten Informationsdienst großes Gewicht gelegt hat. Die Genehmigung der russischen Regierung ließ indes noch auf sich warten, die öffentliche Werbe- und Sammeltätigkeit war somit nach wie vor aufs äußerste erschwert. Die Tätigkeit in Palästina mußte sich zunächst auf die Unterstützung der bestehenden Kolonien beschränken. An die Gründung neuer Kolonien war einstweilen gar nicht zu denken. Dies hatte eine gewisse Enttäuschung weiter Volkskreise zur Folge. Es kam daher bald zu einer zeitweiligen Stagnation in der Arbeit in Rußland. Im Jahre 1889 sah sich Dr. Pinsker krankheitshalber gezwungen, den Vorsitz im Verband der Chowewe-Zion — (nach der Drusgeniker Konferenz wurde der offizielle Name „Montefiore-Verband" („Maskereth-Moscheh") durch die genauere Bezeichnung „Chowewe-Zion" ersetzt) — niederzulegen. Vielleicht war dabei auch eine gewisse Verstimmung über den schleppenden Gang der Arbeit maßgebend, die jetzt ganz den unbedeutenden Alltagsfragen galt und einen Mann von großen Plänen und weitem Blick nicht befriedigen konnte. .