Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 96)
- Language
- German
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1090 DIE3^ELT: No. .41 m<^:^m bestimmten Plan, ohne Kenntnis von Land und Leuten. Sie scheuten die größten Opfer nicht, nur um ihrem Volke als Beispiel vorangehen zu können. Ungefähr zu gleicher Zeit wurde von anderer Seite der Grundstein für jüdische Kolonisationsarbeit in Galiläa gelegt. Aus Rumänien, wo die nationale Idee seit einiger Zeit durch die Enttäuschung infolge der fehlgeschlagenen Hoffnungen auf die vom Berliner Kongreß dekretierte Gleichberechtigung der Juden einerseits, und durch das aneifernde Beispiel der nationalen Befreiung der kleinen Balkanvölker anderseits einen mächtigen Ansporn erhalten hatte, gingen jene Gruppen aus, die im gleichen Jahre die Kolonien Rosch-Pinah und Sichron-Jacob gründeten. Die Kolonisationsbewegung nahm inzwischen immer zu. Bald ging man an die Besiedelung und Konsolidierung von Pethach-Tikwah, das bereits 1878 unter dem Einflüsse der Kalischerschen Propaganda von Jerusalemer Juden erworben und nach einem gescheiterten Kolonisationsversuch wieder verlassen worden war. Kurz darauf erfolgte die Gründung von „Jessod Hamaleh" am Meromsee. Jetzt stellten sich aber die schweren Kinderkrankheiten der unter so ungewöhnlichen Umständen gegründeten Kolonien ein, die derartig ernste Formen annahmen, daß die Freunde des Palästinawerkes bisweilen in ihren Hoffnungen irre wurden. Wie zu erwarten war, stellte es sich sehr bald heraus, daß nationale, Begeisterung und Opfermut wohl hinreichen Jen Schutz gegen Töchterschule des Odessaer völligen Schiffbruch der jungen Versuche boten, keineswegs aber allein genügten, urn Kolonien, die ohne genügende Mittel, ohne landwirtschaftliche Ausbildung, ohne hinreichenden Schutz von außen, ohne Kenntnis von Land und Leuten, Sitte und Sprache, Klima und Bodenbeschaffenheit gegründet worden waren, eine|normale Existenz zu gewährleisten. Nun war Hilfe von außen dringend geboten. Rischon Le'zion, Rosch-Pinah und Sichron-Jacob fanden bald in Baron Edmund Rothschild einen großmütigen Freund und Gönner. Den von Michael Erlanger und dem Großrabbiner Frankreichs, Rabbi Zadoc Cahan,' tatkräftig unterstützten Bemühungen Rabbi Samuel Mohilewers, damals Rabbiner zu Radom, und Joseph Feinbergs aus Rischon Le'zion war es nämlich gelungen, Rothschild zu bewegen, die genannten Kolonien unter seinen Schutz zu nehmen. Immerhin blieb noch den Freunden und Anhängern der Palästina- Kolonisation zunächst die dringende Aufgabe, Pethach- Tikwah und Jessod-Hamaleh auf die Beine zu helfen, wie auch den Bilumitgliedern, die sich zuerst unter den unsäglichsten Strapazen als Tagelöhner in Mikweh-Israel (bei einem Arbeitslohn von einem Franken täglich!) und später in Rischon Le'zion recht kümmerlich durchplagten, zu ihrem Ziele zu verhelfen. So kam es nun zu einem Zusammenschluß der verstreuten national gesinnten Elemente (diese echten ersten Zionisten nannten sich bescheiden „Zionsfreunde" (Chowewe-Zion), wie die Weisen Griechenlands sich den anspruchslosen Titel „Weisheitsfreunde" beilegten) zu Vereinen, die sich die tatkräftige Förderung und Weiterentwicklung der Palästina-Kolonisation zur Aufgabe stellten. Es wurden die Chowewe-Zion-Vereine in Bjalistok, Warschau, Wilna, Brest, Minsk, Moskau, Charkow, Kowno, Libau, Odessa, Poltawa, Kiew, Riga, Petersburg und a. a. O. gegründet. Die wichtigsten dieser Vereine waren der Odessa er unter Führung Dr. Pinskers, der an Lilienblum einen wertvollen, wenn auch sehr bescheidenen Mitarbeiter von großer Initiave und Scharfblick hatte, der Bjalistoker mit Rabbi Mohilewer an der Spitze, der Warschauer unter Leitung von Schriftsteller S. P. Rabbinowitsch und Rechtsanwalt Jassinowsky, der Wilnaer von S. J. Finn und L. Lewanda und der Moskauer von K. W. Wissotzky geleitet. Die nationale Jugend begann sich damals schon in den sogenannten theoretischen Vejreinen zu organisieren, wo auf die theoretische Vertiefung der nationalen Probleme besonderes Gewicht gelegt wurde. Der bedeutendste Verein von diesem Typus waren die nachmals historisch gewordenen Moskauer „Bne- Zion", denen auch Ussischkin, Tschlenow, Idelsohn, Mase u. a. angehörten. Diese Körperschaft hat im Frühjahr d. J. unter lebhafter Anteilnahme „ tw T-i cc i der russischen Zionisten ihr Komitees in Jaffa, Hof front , « . , Jubiläum gefeiert. II. Pinsker und Mohilewer — Die Entwicklung der Verhältnisse in Palästina, Qederah — Zusammenschlußbestrebungen, Kattowitz — Der Montefiore- Verband und seine Tätigkeit in Palästina — Drusgenik und Wilna Die genannten Vereine bildeten die ersten organisierten Zellen der Chowewe-Zion, die nachmals im Odessaer Komitee ihren einheitlichen Zusammenschluß finden sollten. Diese Vereine hatten durchaus nicht die kleinen philanthropischen Tendenzen, die ihnen gewöhnlich zugeschrieben werden. Und wenn auch an manchen Punkten vielleicht die Qefahr bestanden haben mochte, daß man mit der Zeit die großen nationalen Gesichtspunkte aus den Augen verlieren und ganz in die kleine Unterstützungsarbeit aufgehen würde, so boten doch die Namen der genannten Männer hinreichende Garantie dafür, daß man in den führenden Kreisen den wahren Charakter der Bewegung, die großen nationalen Aufgaben nicht übersehen würde. Leo Pinskers schwungvoller, aufs Hohe und Große gerichteter Charakter war nicht dazu angetan, sich mit geringfügiger philanthropischer Arbeit zu begnügen. Dem Autor der stolzen Losung von der Autoemanzipation, die auf die