Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 92)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53876-3347645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

086 DIES^ELT No. 41 Die bekannten Reisehandbücher von Baedeker und Meyer sind mehrfach in neuen Auflagen erschienen. Den Zionismus berücksichtigt nachdrücklich das treffliche Palästinahandbuch von Davis Trietsch (Berlin, Orientverlag). Geologische und meteorologische Untersuchungen verdanken wir vor allem Max Blanckenhorn (veröffentlicht in den oben genannten Zeitschriften sowie im Jahrbuch der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien). Für Fauna und Flora fehlt leider noch ein zusammenfassendes, wirklich wissenschaftliches Werk. Im Anschluß an die immer noch wertvolle, aber nicht fehlerlose Karte des Palestine Exploration Fund gibt jetzt der Deutsche Palästinaverein Schumachers Karte des Ostjordanlandes heraus. Über das heutige Palästina und seine rechtlichen Verhältnisse orientieren V. Cuinet, Syrie, Liban et Palestine (Paris, Leroux) und N. Verney et G. Darabmann, Les Puissances etrangeres dans Je Levant (Paris, Guillaumin). In Zeitschriftenaufsätzen, namentlich in „Altneuland* und „Palästina", sind einzelne türkische Gesetze, die für die An- Siedlung in Palästina in Frage kommen, behandelt worden. Die Handelsberichte der deutschen Konsulate im Orient, die zuverlässigste Grundlage für alle Unternehmungen und Berechnungen, erscheinen regelmäßig im Deutschen Handelsarchiv. Naturgemäß ist über die Hedschasbahn mit' ihren Zweiglmien eine Fülle geschrieben worden. Am besten orientiert hier Auler Pascha (Ergänzungshefte zu Pelermanns Mitteilungen). Sehr wertvoll ist der von Hubert Auhagen im Auftrage des Deutschen Auswärtigen Amtes erstattete Bericht über Syrien als Gebiet für Ackerbau und Forstwirtschaft. Daneben sind vor allem 0. Warburgs großzügige Aufsätze zu nennen. Auch Luncz bringt in seinen hebräischen Publikationen beachtenswerte wirtschaftliche Artikel. Über die jüdischen Kolonien berichten regelmäßig die zionistischen Zeitungen sowie die Jahresberichte der Alliance, des Esra u. a. Daneben sind Reiseberichte, wie z. B. von Kann u. a. wohl zu beachten. Das Wichtigste über die zionistischen Unternehmungen findet sich in dem vorzüglichen zionistischen A-B-C-Buche (Berlin). Über kulturelle Bestrebungen orientiert J. Gerstmann (München 1909). Besondere Beachtung verdienen die Bemühungen zur Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Für die arabische Volkssprache sind die Hilfsbücher von L. Bauer, H. H. Spoer und M. Lohr zu empfehlen. Eine medizinische Bibliographie hat A. Sandler in der Zeitschrift des Deutschen Palästinavereins (1905 u. 1909) veröffentlicht. Überschaut man die literarische Produktion in ihrer Gesamtheit, so findet man zwar noch reichlich falsche oder schiefe Darstellungen. Sie rühren aber meistens von Reisenden her, die nur im Fluge oder unter mangelhafter Führung, z. B. bei Gesellschaftsreisen, das Land sahen und sich doch dann berufen fühlten, ihre „Erlebnisse" zu veröffentlichen Sonst aber ist die Zeit der Phantasie oder der Legende überwunden; ernsthafte, wahrhafte Arbeit wird auf allen Gebieten geleistet, vor allem in der zionistischen Literatur, die für die Gegenwartsprobleme von größter Bedeutung ist und nicht mehr, wie früher, übersehen werden darf. Und je mehr sie auch die Vergangenheit des Landes berücksichtigt, desto leichter, wird ihr das Verständnis der Gegenwart werden. Volkstümliche Palästina-Literatur in jüdischer und russischer Sprache Von M. O. Vielen Lesern dieser Blätter dürfte es wohl kaum bekannt sein, daß die Literatur über Palästinakunde eine volkstümliche Abzweigung besitzt, die sich in weiten Volkskreisen großer Beliebtheit erfreut und recht gediegenen Inhalt aufzuweisen hat. Man sollte es kaum glauben, daß Schriften, die anscheinend ganz trockene Materien behandeln, wie Monographien über einzelne Kolonien, Umriß der Geographie Palästinas, Stand und Bedingungen der Kolonisation, eine Verbreitung von durchschnittlich nahezu 20000, ja sogar bisweilen 30000 Exemplaren erreichen könnten. Es ist das Verdienst Dr. Sapirs in Odessa, daß er einen beträchtlichen Teil der Publikationen seiner von den namhaftesten jüdischen Publizisten Rußlands bedienten volkstümlichen „Kopeken- Bibliothek" *) palästinensischen Gegenstände gewidmet hat. Elf von den 27 bis jetzt erschienenen Heftchen, die insgesamt in rund 450 000 Exemplaren unter die Massen gebracht wurden, beschäftigen sich mit Palästina und einzelnen Palästinafragen. Den Reigen eröffnet der jüngst verstorbene Altmeister der jüdischen Renaissancebewegung M. L. Lilienblum mit einer Monographie über „Rischon-Lezion, zum 25jährigen Jubiläum der jüdischen Kolonisation in Palästina." Das von Ussischkin mit einem schönen Vorwort versehene Werkchen gewährt einen instruktiven Einblick in den Werdegang der Palästinabewegung in ihren ersten Anfängen. Das Jubiläum der Kolonisation Palästinas veranlaßte auch M. Ussischkin zu einem zusammenfassenden Überblick über den „Erfolg der jüdischen Kolonisation in Palästina im Lauf der letzten 25 Jahre." In prägnanter Kürze wird hier in großen Linien die Palästinaarbeit nach allen Richtungen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens skizziert und ein Ausblick in die Zukunft eröffnet. Auf die Frage „Warum Palästina?" antwortet Jakob Rabbinowitz mit einer gedrängten, aber anziehenden Darlegung dessen, was Palästina einst dem jüdischen Volke gewesen und was es ihm bereits wieder geworden ist. Über Entstehung, Entwicklung und Leistungen des „Odessaer Palästina-Komitees" berichtet mit bewährter Sachkenntnis der Mitbegründer und bis zu seiner letzten Lebensstunde unermüdliche Mitarbeiter desselben M. L. Lilienblum. Es liegt in der Natur der Sache, daß der Bericht über das Odessaer Komitee zugleich gewissermaßen zu einem Berichte über die historische Entwicklung der Kolonisation Palästinas wurde. Die Frage: „Ist Palästina für Kolonisation geeignet?", behandelt knapp aber gründlich Professor Dr. O. Warburg, der an der Hand von wissenschaftlich beglaubigtem Tatsachenmaterial zu dem Ergebnis gelangt, daß die agrikultureilen und industriellen Entwicklungsmöglichkeiten Palästinas durchaus günstige sind. Die Elemente der Landeskunde Palästinas (Geographie, klimatische und terrestrische Bedingungen, Lage der Kolonisation, Verkehrswesen usw.) bietet die leichtfaßlichc *) Zionistische Kopeken-Bibliothek [(Jargon), Redaktion und Verlag: Dr. J. Sapir, Odessa.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.