Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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1080 DlE^ELT No. 41 und zerrinnt schließlich in wesenloses Nichts. Der zionistischen Organisation fällt die Aufgabe zu, an diese Zagenden und Hoffenden heranzutreten, ihren Wünschen und Gedanken eine feste Richtung zu geben und ihnen den Weg zur Verwirklichung zu zeigen. Ein erster Anfang hierzu ist durch die Gründung der Palestine Land Development Company gemacht worden. Sie wendet sich zunächst an die bemittelten Juden, denen sie durch eine zweckentsprechende Parzellierungstätigkeit die Möglichkeit geben will, gut vorbereiteten und für sofortige Ansiedlung passenden Boden in Parzellen von jeder gewünschten Größe zu kaufen. Bisher war es selbst dem bemittelten Juden sehr schwer, besiedlungsfähiges Land in Palästina zu erwerben, weil in der Regel nur ganz große, den Bedarf des Einzelnen weit übersteigende Grundstücke zu kaufen und diese in einem so niedrigen Kulturzustande sind, daß sie ohne vorherige Ameliorationen nicht besiedelt werden können. Die P. L. D. C. will jedem Käufer seine Parzellen so übergeben, daß er sie mit europäischen Geräten sofort bearbeiten kann, daß er Wegeverbindung und Wasser vorfindet. Wer in sich die Kraft und Fähigkeit fühlt, auf diesem Boden Ackerbau, d. h. Getreidebau zu treiben und sein eignes Geld dafür wagen will, mag es tun; allen denen aber, die sich nicht diese Kraft zutrauen, bietet die P. L. D. C. zugleich mit dem Boden einen Pflanzungskontrakt an, durch den sie sich verpflichtet, auf dem Boden für Rechnung des Käufers eine Baumpflanzung anzulegen und bis zur Fruchttragung zu pflegen. Auf diese Weise kann der Käufer in Europa so lange seinem Berufe nachgehen, bis seine Pflanzung in Palästina Frucht trägt und ihm eine sichere Existenz gewährleistet. Die P. L. D. C. wird insbesondere versuchen, größere Gruppen von solchen Pflanzungsbauern in den jüdischen Zentren Osteuropas zu organisieren und aus diesen Gruppen ganze Kolonien in Palästina zu bilden. Die P. L. D. C. wendet weiterhin ihre Aufmerksamkeit den Arbeitern zu. Nicht allein, daß sie landwirtschaftliche Großbetriebe teils als Selbstzweck, teils als Zwischenbetriebe für die Zwecke der Parzellierung und Ameliorierung einrichten und auf ihnen jüdischen Arbeitern Gelegenheit zur Ausbildung und Arbeit geben will, sie will auch durch eine Gewinnbeteiligung der Arbeiter, die das Äquivalent einer erhöhten Inanspruchnahme der Arbeitskraft der Arbeiter sein soll, den Arbeitern die Möglichkeit geben, Ersparnisse zu machen, aus denen sie sich ein Häuschen erbauen und etwas Gemüsebau, Geflügelzucht oder Milchwirtschaft treiben können. Die Arbeiter werden auch nachdem für eine Reihe von Jahren ihren Hauptverdienst noch aus der Lohnarbeit ziehen müssen, aber sie haben doch durch das eigne Häuschen und die eigne kleine Wirtschaft die Möglichkeit, zu , heiraten und sich mit der Frau in die Pflege der eignen Wirtschaft zu teilen. Die bescheidene, aber sichere Existenz, die sie hierdurch haben, würde aus ihnen bodenständige, zufriedene Menschen machen und gewiß für viele kräftige junge Leute in Osteuropa verlockend genug sein, um sie nach Palästina zu ziehen. Wenn es derP.L.D.C. gelingen würde, den Pflanzungsbau für Rechnung osteuropäischer Auftraggeber und den Betrieb von Guts wirtschaften in großem Umfange aufzunehmen, würde es verhältnismäßig leicht sein, noch ein anderes jüdisches Bevölkerungselement für die Landwirtschaft zu gewinnen, nämlich die orientalischen Juden, d. h. die Juden aus Jemen, Urfa, Aleppo und Marokko. Sie könnten neben dem osteuropäischen Arbeiter in den landwirtschaftlichen Betrieben der P. L. D. C. Beschäftigung finden und würden in vielen Fällen die Beschäftigung jüdischer Arbeiter überhaupt erst möglich machen, weil nur sie mit ihren geringen Bedürfnissen die Konkurrenz mit dem nichtjüdischen Arbeiter aushalten. Der osteuropäische Arbeiter ist dieser Konkurrenz nicht gewachsen, soweit rein manuelle Arbeit in Betracht kommt, und kann sich nur da behaupten, wo die Arbeit an den Verstand und die Zuverlässigkeit des Arbeiters höhere Ansprüche stellt. Die P. L. D. C. ist durch ihre eben skizzierten Ziele ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Glied in der Aufgabe, die Juden in der Landwirtschaft heimisch zu machen. Hoffentlich findet sie mit dem wachsenden Verständnis für ihre Ziele auch die großen Mittel, die für ihre Arbeit erforderlich sind. Kolonie Katra