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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 85)
Language
German
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Jo. 41 Mo, 41 D1E3§KELT "1079 von Leuten, die bisher keinerlei landwirtschaftliche Kenntnisse besaßen, bewirtschaftet werden. Freilich werden diese Leute' damit keine Landwirte; aber sie leben in einem landwirtschaftlichen Milieu, und ihre Kinder, die in diesem Milieu aufwachsen, werden bereits zu wirklichen Landwirten werden, besonders wenn dafür Sorge getragen wird, daß die Kinder in den Dorfschulen oder durch Wanderlehrer elementaren landwirtschaftlichen Unterricht erhalten und ihr Interesse für die Landwirtschaft von Kindheit an durch Schulgärten usw. geweckt wird. Das ist vor allem hinsichtlich der Töchternötig, bei denen der Mangel an landwirtschaftlicher Erziehung und landwirtschaftlichem Interesse in den jetzigen jüdischen Kolonien höchst unangenehm auffällt. Manches Kolonisten Existenz istdadurch unmöglich geworden, daß die Frau keinerlei Verständnis und Interesse für dieihrineinem geordneten landwirtschaftlichen Betrieb zufallenden Aufgaben hatte, und wichtige Zweige der Landwirtschaft^. B. die Milchwirtschaft und dei Gemüsezucht, konnten sich in den jüdischen Kolonien hauptsächlich deshalb nicht entwickeln, weil die Frauen sich der Arbeit nicht annahmen. Die jüdischen Kolonien in Judäa, die hauptsächlich Pflanzungskolonien sind, liefern den Beweis, daß die zweite Generation sich bereits sehr gut in den landwirtschaftlichen Beruf, auch den eigentlichen Ackerbau, einlebt. Und diese zweite Generation ist es, auf die der Zionismus sein Augenmerk und seine , Hoffnung richten und wegen der er die Eltern'zum Erwerb von Pflanzungen anfeuern sollte. 2. Leute ohne oder mit geringem Kapital können sich nicht fruchttragende Pflanzungen kaufen. Wenn sie alt sind und die Landwirtschaft nicht kennen, haben sie keine Aussicht, in der Landwirtschaft in Palästina ihre Existenz zu finden. Wenn sie aber jung sind, können sie als Arbeiter in Palästina in mehreren Jahren die Landwirtschaft erlernen. Haben sie die nötigen Kenntnisse erworben, so muß ihnen durch Verpachtung von Land oder durch Gewinnbeteiligung in einem Großbetriebe oder durch die Errichtung von Siedlungsgenossenschaften, wie sie Franz Oppenheimer propagiert, die Möglichkeit geboten werden, in einer einigermaßen selbständigen Stellung durch besonders starke Anspannung ihrer Arbeitskraft einen besonders hohen Lohn zu erzielen, der es ihnen erlaubt, im Laufe mehrererJahre ein kleines Kapital zu ersparen, mit dessen Hilfe sie kleine Häuslersteilen erwerben, eine Familie gründen und sich durch Lohnarbeit, aber auch durch eigene Viehhaltung, Gemüsebau und Geflügelzucht weiter bringen können. Bisher fehlte dem jüdischen Arbeiterin Palästina diese Möglichkeit. Er kann sichvonseinem Arbeitslohn, so lange er unverheiratet ist, zwar ernähren, aber die Gründung einer Familie und der Aufstieg zur Selbständigkeit sind ihm verschlossen. Es ist als sicher anzunehmen, daß Leute mit Kapital und junge Arbeiter in großer Zahl nach Palästina gehen würden, wenn die einen die Sicherheit hätten, daß sie für ihr Geld fruchttragende und rentable Pflanzungen erhalten, die andern, daß ihnen in der angedeuteten Weise ein Weg zur Erringung von Eigentum und Selbständigkeit offen stände. Beide Sicherheiten fehlen bisjier, und deshalb ist der Zustrom nach Palästina ein sehr schwacher. Viele Juden liebäugeln mit dem Gedanken einer Übersiedlung nach Palästina, und wenn ihnen die Sache etwras leichter gemacht und etwas näher gebracht würde, so würde der Wunsch zur Tat werden; ohne das bleibt er aber ein Wunsch 6*

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