Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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kauf usw. nochmals kurz, hinzuweisen. Häufig mußte dort die A. P. C. aus der reinen Bautätigkeit herauskommen und die Initiative zu neuen Unternehmungen geben, diese finanzieren, und sie ist auch jetzt mit größern Fragen des Wasserbaues und andern Unternehmungen beschäftigt. Last not least wollen wir noch erwähnen daß auch die Steigerung des Gewinnes der A. P. C. ganz regelmäßig vor sich geht. In den ersten Jahren war der Gewinn sehr bescheiden, im Jahre 1907 war der Nettogewinn 2155 £, etwa 54O00 Frcs., bei einem Kapital von 39000 £t und wurde eine Dividende von 9 d (33/4°/o) gezahlt. 1908 - Gewinn von 4794 £ bei einem Aktienkapital von 69700 <£, und nachdem eine Reserve von 1500 £ zurückgelegt worden war, konnten wir eine Dividende von 10 d, etwas über 4°/o, verteilen und noch 505 £ auf nächste Rechnung vortragen. Im Jahre 1909 war der Nettogewinn bei einem Kapital von 72000 £ 4976 £, etwa 125000 Frcs. Von diesem wurden 1000 £ als Reserve für zweifelhafte Schulden zurückgelegt und 4°/o Dividende verteilt. Soweit sich aus den bisherigen Abrechnungen urteilen läßt, wird der Gewinn pro 1910 entschieden nicht schlechter als pro 1909 ausfallen. Zieht man in Betracht, daß für die Leitung der Bank nicht nur die Frage des Gewinnes als Leitschnur dient, so dürfen diese Resultate nicht unbefriedigend sein. Viel wichtiger aber ist, daß die A. P. C. ein mächtiger Faktor im Lande geworden ist. Sie hat viel, sehr viel zur Entwicklung und Belebung des Landes beigetragen. Selbst in Ländern mit ausgebildetem nationalgkonomischem Leben sind die Banken von solcher Bedeutung für das ökonomische Leben, daß man sie gewöhnlich mit dem Herzen vergleicht, welches das Blut aus dem ganzen Körper aufnimmt, um es wieder in alle Arterien zu verteilen und damit dem Organismus Leben zu verleihen. Noch mehr ist die in Palästina der Fall. Hier gilt es, neues, frisches, pulsierendes Blut hineinzubringen, und die A. P. C. ist ein Stück Herz, welches wir dorthin gebracht haben, — ein Stück jüdisches Herz. Die Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft und die Palestine Land Development Company Von Dr. Arthur Ruppin, Jaffa. Die Hauptschwierigkeit, welche sich einer Konzentration der Juden in Palästina entgegenstellt, liegt auf wirtschaftlichem Gebiete, nämlich in der mangelnden wirtschaftlichen Anziehungskraft Palästinas. Gewiß, die Juden Osteuropas leben in materieller Not und möchten auswandern, aber ihr Ziel ist nicht Palästina, sondern Amerika. Mit schönen Worten und dem Appell an das nationale Gefühl läßt sich die Richtung des Auswandererstromes nicht ablenken; er geht mit eherner Notwendigkeit dahin, wo die Existenzaussichten am besten sind. In Amerika, dem großen Industrielande, findet der bemittelte und der unbemittelte Jude als Unternehmer oder Arbeiter sein Brot, und zwar in demselben oder ähnlichen Berufe, den er in der Heimat ausgeübt hat; in Palästina, dem Ackerbaulande, findet er es in der Regel nur dann, wenn er sich von seinem bisherigen Berufe abkehrt und der Landwirtschaft zuwendet. Das ist nicht leicht. Leroy-Beaulieu behauptet sogar, es sei überhaupt unmöglich, daß ein Städter jemals ein Bauer werde. Das schießt über das Ziel hinaus und kann dadurch widerlegt werden, daß es in Palästina immerhin eine gewisse Zahl von Juden gibt, die den Umwandlungsprozeß von Städtern zu echten Landwirten durchgemacht haben. Aber soviel ist unzweifelhaft, daß die Umwandlung große Anforderungen an den Menschen stellt und in sehr vielen Fällen mißlingt. Was läßt sich tun, um die Juden in der Landwirtschaft heimisch zu machen? Wollte man systematisch vorgehen, so müßte man jüdische Kinder in Europa oder in Palästina in landwirtschaftlichen Schulen und Betrieben für die Landwirtschaft erziehen und sie dann als Kolonisten in Palästina ansiedeln. Aber dieser Wegist ebenso langwierig wie kostspielig; jedes Kolonisten Ausbildung und Ansiedlung würde 15 000—20 000 Mark kosten, und es ist nicht abzusehen, woher diese enormen Geldmittel genommen werden sollen. Nach unserer Ansicht wird dieser Weg immer nur den Charakter eines Laboratoriumversuchs haben. Er mußte im Anfange der Kolonisation eingeschlagen werden, um verschiedene technische Fragen klarzustellen und einer großen Kolonisation den Weg zu bereiten, wie ja auch in der modernen Großindustrie der Laboratoriumsversuch der praktischen Anwendung im Großen vorhergeht. Will man nicht einige Hunderte, sondern viele Tausende von Kolonisten schaffen, so muß das Privatinteresse mit privaten Mitteln zur Kolonisation 'treiben. Aber wie ist das zu erreichen? Die Erfahrungen der bisherigen jüdischen Kolonisation haben gezeigt, daß es im allgemeinen unmöglich ist, Leute im reifen Alter, die bisher Händler und Handwerker waren, zu Ackerbauern (im engern Sinne des Wortes im Gegensatz zu Pflanzungsbauern) zu machen. Um diese Klippe zu umgehen, gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Bemittelte Leute sollen nicht Ackerbauer, sondern Pflanzungsbauer werden, d. h. fruchttragende Baumpflanzungen erwerben. Die Rentabilität dieser Pflanzungen ist in dem dafür außerordentlich geeigneten Boden Palästinas eine sehr hohe. Die Pflanzungen brauchen, wenn sie einmal Frucht tragen, keine besonders große Pflege und können ohne Gefahr auch