Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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1070 DIE ^E LT No. 41 Kultur nach sieh mit Palästina vergleichen lassen, haben nur Tunis und Kalifornien landwirtschaftliche Unterrichtsanstalten, wo junge Landwirte sich vorteilhaft heranbilden können, um sich später als Techniker in Palästina nützlich zu machen. Aber mag nun Unwissenheit oder die weite Entfernung daran schuld sein, die meisten jungen Juden, welche Landwirtschaft studieren, in der Absicht, sich später in Palästina oder in dessen Nachbarländern, die zum Teil wie Mesopotamien sein natürliches Hinterland, zum Teil seinen natürlichen Markt wie Ägypten bilden, ansässig zu machen, wie gesagt, die meisten dieser jungen Leute suchen ihre Bildung in Europa, wo d ie landwirtschaftlichen Bedingungen so grundverschieden von den unsrigen sind, daß diese jungen Theoretiker, wenn sie einmal die Schule verlassen haben, solche Ansichten haben oder ihr Wissen so ungeschickt anwenden, daß es ihnen höchstens gelingt, die landwirtschaftliche Wissenschaft zu diskreditieren. Nur selten kommt der eine oder andere der jungen Leute so weit, ungen Forschlhi-eine rasche Orientierung zu ermöglichen, ohne webgp sie gar oft im Dunkeln herumtappen müßten. Auch hrae die Station Volontäre heranzubilden, sogenannte „PoswSraduates", wie sie in Amerika heißen. Jeder, der weiß, daß es leichter ist, 100 gute Arbeiter auszubilden als einen einzigen guten technischen Leiter, der wird wohl verstehen, wie schwer die Aufgabe ist, welche die Versuchsstation hiermit übernimmt. Er wird aber auch wohl verstehen, von welcher Tragweite diese Arbeit ist, wenn" sie gelingt. Es ist Qine weit verbreitete Ansicht, daß unter den außereuropäischen Ländern Palästina eines derjenigen ist, die in geologischer und botanischer Hinsicht am meisten ausgebeutet worden seien. Unsere geologischen Beobachtungen und unsere botanischen Forschungen haben aber gezeigt, welche Perlen hier noch zu entdecken sind. Die^ Wiederentdeckung des Urweizens hat der Neukultur ein weites Feld eröffnet, und eine ganze Reihe neuer Kulturen oder neuer Anwendungen Ansicht der Kolonie Rischon le Zion sich eine Position zu schaffen, die er auf Qrund seiner langen mühevollen Studien erwarten darf. & »■ Hier muß Rernedur geschaffen werden. Wir sind überzeugt, sobald wir zu einer richtigen Schätzung der Erfolge unserer Kolonisation in Palästina kommen, werden wir auch sehen, daß trotz mancher Widerwärtigkeiten die Resultate vorteilhaft mit denen anderer Kolonisationsländer verglichen werden können. Neue Unternehmungen beginnen jetzt aufzukommen, aber leider fehlt es an Führern. Auch die Nachbachländer Palästinas werden sich dank des neuen Regimes rasch entwickeln und manchem jungen Agronomen ein interessantes und lohnendes Tätigkeitsgebiet sein, wenn er nur auf der Höhe seiner Aufgabe steht. Aus diesen Umständen erwächst der Versuchsstation eine zweite Aufgabe: sie hat junge Agronomen heranzubilden. Ich möchte allerdings betonen, um Mißverständnisse zu vermeiden, daß die Versuchsstation keine landwirtschaftliche Schule ist und auch keine werden will. Wir streben nur darnach, ein Mittelpunkt zu werden, an dem sich die auf den Hochschulen gebildeten arbeitsfähigen jungen Leute unabhängig versammeln, um sich hier an den Erfahrungen der Zentrale, an ihren Sammlungen, Museen und ihrer Bibliothek weiter zu bilden. Solche Sammlungen wären mit Rücksicht auf die speziellen Bedürfnisse unseres Landes anzulegen, um so den alter Kulturen sind aufgenommen, auf welche wir erst kürzlich die Aufmerksamkeit der kompetenten Autoritäten gelenkt haben. Wir gestatten uns in diesem Zusammenhange auf unsere Arbeit zu verweisen, die dank den Bemühungen des Ackerbauministers der Vereinigten Staaten veröffentlicht worden ist*). Ein verhältnismäßig neues Feld hat sich hier dem jüdischen Forschungsgeiste eröffnet, nicht nur außerordentlich fruchtbar, sondern vor allem weit ausgedehnt. Abgesehen von der Zähmung des Urweizens und der Kultivierung einer Anzahl wilder Pflanzen, kann man großartige Erfahrungen aus den neuen Kulturen schöpfen. Man kann aus andern Ländern Kulturen einführen, welche der außerordentliche Boden und das Klima Palästinas unendlich zu variieren gestattet. Kurz, es gibt hier genug Aufgaben für Hunderte jüdischer Forscher, die nicht nur der örtlichen Landwirtschaft, sondern der Landwirtschaft der ganzen Welt die größten Dienste erweisen können, gerade auf einem Qebiet, wo man den Juden vorwirft, nichts geleistet zu haben. Aber verhehlen wir nicht, daß diese Untersuchungen überaus viele Geduld erfordern. Wir versprechen keine Wunder. Man braucht manchmal Jahre, bis man zu Resultaten kommt, und Enttäuschungen sind auf diesem Spezialgebiet nicht selten. *) Agricultural und Botanical Explorations in Palestine.