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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 74)
Language
German
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einbringt, daß sie die Herstellung der verschiedenen Zettel und Bankkataloge auf billigste und bequemste Weise ermöglicht, ist jedem Fachmanne bekannt. So notwendig für die Erhaltung und Nutzbarmachung der Bibliothek eine fachmännische und sachverständige Verwaltung ist, so ist doch der für das große Publikum am meisten in die Augen springende Vorteil der, daß nur einer solchen von privater Seite die reichen Spenden an Qeld und Büchern zuteil werden, durch die moderne Bibliotheken in Europa und besonders in Amerika ihren bedeutendsten Zuwachs erhalten. Ich erinnere nur an die hervorragenden Bücherschenkungen deutscher Verleger gelegentlich dtr Einrichtung der Posener Kaiser- Wilhelms-Bibliothek und an die großen Stiftungen Leipziger Buchhändler gelegentlich der Jubelfeier der Leipziger Universität. Wir dürfen für Jerusalem auf eine ähnliche Opferfreudigkeit sogar nicht bloß seitens der Juden rechnen. Dazu kommt, daß jüdische Gelehrte und Dichter, Künstler und Schriftsteller gern bereit sein werden, von ihren Werken Ehrenpflichtexemplare einer jüdischen Nationalbibliothek in der Stätte jüdischen Kulturwachstums zu überreichen, und dadurch ihrerseits zum Aufblühen dieser jüdischen Neukultur beizutragen. Selbst die Scheu, Ladenhüter zu bekommen, alte Bücher zu erhalten, ist unberechtigt, denn einstweilen und mindestens für Jahrzehnte hinaus ist jede Schenkung erwünscht, und die ältesten Bücher sind nicht bloß zuweilen wertvoller als neue, sondern es fehlen ja vor allem überhaupt noch ebensosehr die alten wie die neuen Bücher. Die Bibliothek wird ja einen vielfachen Kulturwert haben und eine reiche Menge von Aufgaben vorfinden. Sie muß zugleich Nationalbibliothek und die Bibliothek für Universität, technische Hochschule, landwirtschaftliche Akademie und Sprachakademie, aber nicht minder für Talmud-Hochschule und Rabbinerseminar sein. Aber zugleich muß sie auch die Zentralstelle für die andern Bibliotheken in Jerusalem und des ganzen Landes Israel werden, denen sie außer ihren Dubletten die dort gerade wichtigen Werke nach dem besondern Bedarf abgibt, und die zugleich ihre auswärtigen Leihstellen sind. Man darf in Haifa und Jaffa nicht schmerzlich verspüren, daß die Hauptbibliothek in Jerusalem ist. Sie bildet die Zentralstelle der gemeinsamen Bibliotheksverwaltung und sorgt für die Einzelkataloge nicht minder wie für die Qesamtkataloge aller Bibliotheken, für die wir in Zürich und Berlin ja entsprechende Vorbilder bereits haben. Zu groß werden die persönlichen Ausgaben dadurch nicht werden, da ein tüchtiger europäischer oder amerikanischer Bibliothekar imstande sein wird, sich einheimisches Beamtenmaterial auszubilden, und anderseits zugleich dem Lande den unermeßlichen Vorteil bieten wird, einem kleinen Kreise intelligenter Arbeiter eine bescheidene, aber auskömmliche Existenzmöglichkeit im Lande Israel zu schaffen. Natürlich stehen auch nicht im entferntesten die großen Mittel zur Verfügung, mit denen andere Völker sich ihre Bibliotheken errichten und ausbauen. Wir müssen an das Stammesgefühl, das religiöse Interesse und das Pflichtbewußtsein appellieren, und das sind erfahrungsgemäß weniger wirksame Faktoren als staatlicher Steuerzwang. Immerhin kann die Bibliothek, mit der sämtliche andern im Lande zu einer gemeinsamen Verwaltung zu verbinden sind, durch feste Bewilligungen aller in Betracht kommenden Organisationen gesichert werden. Die zionistische Partei und die Organisation für hebräische Sprache und Kultur (Histadrüt *ibrit) sind in erster Reihe berufen, den andern mit gutem Beispiele voranzugehen, wiewohl sie hauptsächlich ideell nützen werden. Sie sollen die ersten Schritte tun. Aber die Bne-Brith-Logen, der Hilfsverein der deutschen Juden und das Odessaer Komitee haben bereits bewiesen, daß sie das Interesse für die Bibliothek teilen, und die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle wird nicht zurückbleiben. Das meiste dürfen wir von Amerika erwarten, wo man mit jüdischem Interesse hohes Verständnis für Wert und Wichtigkeit der Bibliotheken verbindet. Die einzelnen Geldgeber und Bücherspender werden ihre ideelle Belohnung in den Exlibris finden, die für alle Zeiten ihren Namen in der Bibliothek verewigen. Einzelne Landsmannschaften nationaler jüdischer Parteien und größere Organisationen wie jüdischgesinnte Gemeinden der Länder des Galüt werden bereit sein, alljährlich eine bestimmte, sie nicht allzusehr belastende Summe zu bewilligen, die in Verbindung mit andern einen stattlichen Vermehrungs- und Verwaltungsfonds ergibt. Das alles ist möglich, wenn eine geregelte sach- und fachkundige Verwaltung die Gewähr leistet, daß die Bibliothek ihrem hohen und wichtigen Kulturzweck entgegengeführt wird. So wird es uns auf diesem Wege, im Verhältnis zu der großen Aufgabe mit geringen Mitteln möglich sein, das Institut zu schaffen, das zugleich Gelehrtenbibliothek, Gebildetenbibliothek und Volksbibliothek im weitesten Sinne des Wortes vereinigen muß, die zugleich Präsenzbibliothek sein und den Bedürfnissen der Ausleihbibliothek vollauf genügen muß, und die den modernen Instituten der Provinzial- und Kreis-Wanderbibliotheken die Grundlage und Ausführung verleiht. Wer die Geistesgeschichte aller Völker aufmerksam verfolgt, wird immer wieder erkennen, daß der kulturelle Fortschritt der Einzelnen wie ganzer Nationen von den Bibliotheken abhängig und bedingt ist. In Erez Jisra61, wo wir einen neuen nationalen Bau zimmern, wo wir Grundlagen bewußt und planmäßig legen, können wir gleich von vornherein die Fehler Anderer vermeiden und auf den Erfahrungen Anderer aufbauen. Wir können modern arbeiten und zugleich Zentralisation und Dezentralisation in geeigneterWeise verteilen und ausgleichen. Nur müssen wir selber fachkundig und planmäßig vorgehen, dürfen nicht dem Zufall das Spiel überlassen. So werden wir es erreichen, die jüdische Nationalbibliothek zu Jerusalem zu schaffen, ein Ehrendenkmal der jüdischen Geschichte, ein unzerstörbares Monument jüdischer Gedankenwelt, die Grundlage jüdischer Kultur und hebräischen Geisteslebens. Die jüdische landwirtschaftliche Versuchsstation und ihr Programm Von Aaron Aaronsohn, Agronom, Jaffa Es ist nicht gar lange her, daß diejenigen, welche die landwirtschaftliche Versuchsstation als eine Notwendigkeit für Palästina ansahen, gewissermaßen um ihre Kühnheit zu entschuldigen, vorerst auf die hervorragenden Dienste hinweisen mußten, welche ähnliche Institutionen andern Ländern erwiesen haben. Um nicht den Argwohn der landwirtschaftlichen Auguren wachzurufen, die gerne in ihrer Allwissenheit Orakelsprüche

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