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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 72

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Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 72)
Language
German
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zahlreich Palästina verlassen, weil sie kein Obdach hier haben und mit dem Verdienst nicht auskommen, weil sie nicht wirtschaften können und in unhygienischen Hotels Unterkunft suchen müssen, will der Verband das Leben zu erleichtern suchen, indem er in den Arbeiterhäusern, die jetzt gebaut werden sollen, Arbeiterküchen und Krankenpflegedienst einzurichten gedenkt. Und er wird mit geringen Kosten diese sehr bedeutende Sache durchführen, weil er in seiner Haushaltungsschule Mädchen, die diesen Dienst gerne und gut versorgen werden, ausgebildet hat. Der Verband hat in der Hausindustrie so gute Resultate erzielt, daß wir zu der Hoffnung berechtigt sind, daß die in unsern Mädchen schlummernde Kraft zu voller Entfaltung leicht gelangen wird. Die zu wecken, soll die vornehmste Aufgabe unserer Frauen sein. Und darum müssen wir uns zusammentun, wir Frauen von Palästina mit denen des dolus, um vereinigt das Beleben des verzauberten Landes zu bewirken. Unser Programm schreitet aus bescheidenen Anfängen zu immer größeren Aufgaben, und wir appellieren an alle Frauen, die Verständnis und Herz für ihre Mitschwestern haben: helfet uns ah diesem großen Werke sozialer Arbeit. Denkt daran, daß es Frauen in einem Lande gibt, wo sie ohne Kampf alle Freiheiten genießen können, wo sie wählen und gewählt werden, wo sie überall ein Wort, das ins Gewicht fällt, mitsagen können, und die keine Arbeit für ihre Hände haben. Bibliotheken in Erez Jisrael Vom Königl. Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe-Berlin Wenn eine Bewegung den Anspruch erhebt, eine Freiheitsbewegung sein zu wollen, so muß sie ihre Tätigkeit darauf richten, die geistige Unabhängigkeit zu verbürgen. Denn keine bürgerliche Knechtschaft ist so drückend wie die geistige Abhängigkeit von Faktoren, die außerhalb des eignen Stammes liegen. Indem die' Juden aller Länder gezwungen sind, sich in den Gedankengängen der umwohnenden Nationen zu bewegen und in ihnen ihre Kinder zu erziehen, mangelt ihnen der Hauptteil aller Freiheit, die eigne geistige Entwicklung. Es gibt daher keine jüdische Freiheitsbestrebung, die nicht damit beginnt, zuerst einmal zu versuchen, die besondere jüdische Gedankenwelt dem jüdischen Stamme zugänglich zu machen. Das Bestreben, die jüdischen Kulturschätze in uns aufzunehmen, das jüdische Denken, wie es historisch geworden und gewesen, kennen zu lernen und in uns aufzunehmen, ist jüdischnational. Ohne diese Kenntnisse und ohne diese Vertiefung ist das Wort „jüdischnational" eine bequeme Phrase ohne Inhalt. Aber es handelt sich nicht bloß um eine Übernahme des Überlieferten, um ein Lernen und Kennen des Gewesenen, sondern zugleich um eine organische Fortbildung dieser Kultur, die nicht bloß deshalb bedeutungsvollist, weil siederethischen Kultur dereuropäischamerikanischen Kulturwelt zugrunde liegt, sondern weil sie den Geist unseres Stammes in reinster Form zum Ausdruck brachte. Diese jüdische Kultur fortzuführen sind wir verpflichtet, ebensosehr im eignen Interesse unseres glorreichen und tränenvollen Stammes, wie zugleich im wohlverstandenen Interesse der Menschheit und Menschenkultur, die verarmen würde, wenn im Konzert der Völker die selbständigsten Stimmen verstummen würden. Aber in feinem nichtjüdischen Milieu wäre auch diese jüdische Kultur, wie in allen Jahrhunderten seit unserer Zerstreuung, keine unabhängige. Denn der Fluch, daß wir in den Ländern unserer Verbannung fremden nationalen Idealen nachjagen und von ihnen geleitet würden, oder wie es in der bilderreichen Sprache unserer Väter heißt „fremden Göttern dienen" würden, ist buchstäblich an uns in Erfüllung gegangen. Die Umgebung ist mächtiger als wir, und wenn wir an eine organische Fortführung, ja nur Erhaltung unserer überlieferten Kultur denken wollen, bedürfen wir des Bodens, auf dem wir eine Mehrheit bilden, um uns dem übermächtigen fremden Einfluß so weit zu entziehen, als nötwendig ist,. um die nationale Eigenheit nicht auslöschen zu lassen, Wenn sich daher schon jetzt nur in Erez Jisrael die Möglichkeit zeigt, ein wenig hebräische Kultur zu pflanzen, so müssen wir ganz besondern Wert auf diese Entwicklunglegen, die dort durch das Sprechen der hebräischen Sprache und durch immer systematischeres Schulwesen den Grund zu einer unabhängigem Entwicklung der Juden legt, besonders dadurch das Hebräische der engste Zusammenhang mit dem biblischen Geist hergestellt wird, dem das Judentum entsprungen ist. Dieser Kulturbau wird auf den Kindergärten errichtet, die in die hebräische Volksschule einführen. Auf die Volksschule baut sich die Fortbildungsschule auf, daran schließen sich Lehrerbildungsanstalten, Mittelschulen, landwirtschaftliche, gewerbliche und endlich technische Lehranstalten an. Schließlich werden darauf die Hochschule und Universität aufgebaut sein, ebenso wie auf dem elementaren Sprachverein sich die gelehrte Gesellschaft und schließlich die Sprachakademie errichten wird. So wird in langsamer Entwicklung, aber stetig fortschreitend, ein systematisches Schul-und Hochschulwesen das Nervensystem des nationalen Körpers werden, der im Lande der Väter die Enkel vereint. Aber alle Schulen und Universitäten, alle Unterrichtsanstalten jeder Art sind entweder an bestimmte Altersstufen oder an Berufe gebunden, während die große nationale Volkserziehung allein aus den gedruckten Büchern kommt, die der geduldige Lehrer sind, der zu allen Zeiten und für alle Stände und Berufe Zeit hat. Darum ist das wichtigste Erziehungsmittel des Volkes, aus dem ihm der größte Teil seiner geistigen Kultur erwächst, der Schatz, den es in seiner Literatur sammelt undin seinenBüchern aufbewahrt. Das ist der unschätzbare Wert der Bibliothek, des größten Kulturfaktors, den lebendige Kulturnationen haben. Von um wie viel größerm Werte ist die Bibliothek bei einer Nation, die nichts ihr eigen nennt, außer ihren Büchern. Bei unserm Kampfe um das Land unserer Väter dürfen wir keinen Augenblick vergessen, daß diejenige Nation in Erez Jisrael die einflußreichste sein wird, die dort das größte geistige Eigentum aufweist. Das haben unsere Kolonisten längst erkannt, und wenn sie Bauern wurden, ohne selbst zu verbauern, wenn sie den Grund- und Eckstein nicht bloß für jüdische Landwirtschaft, sondern vor allem auch für hebräische Kulturbestrebungen legten, so haben sie uns damit den Weg gewiesen, den wir weiter und intensiver beschreiten müssen, wenn wir wollen, daß das Land unserer Väter wieder Erez Jisrael werde und nicht immerdar „Palästina" bleibe. Die öffentliche Schule ist zwar das erste und wichtigste Mittel der Kulturpflanzung, aber sie gibt nur die Grundlage und kann sie nur geben. Wahre, rechte

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