Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 71

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 71)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316406-3316447--53855-3347624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 41 DIE^ELT 1065 übertüncht, man hat ihnen aber keine solide Basis fürs Leben gegeben. Weder Verdienstmöglichkeiten noch die elementarste Lebensanschauung, nur Almosen und leere Formen, die bald vergessen werden. Das Leben und die Erfahrung fördern etwas ganz anderes. Sie fordern unerbitterlieh eine gesunde, einfache Volksbildung, die die jungen Seelen nicht zum ewigen Grübeln und Denken führt, sondern zur Arbeit und zwar zu einer durch Bildungverfeinerten Arbeit und Technik. — Auf diesem Gebiete, das noch wenig berührt wurde, zu arbeiten, hat sich der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina vorgenommen. Der Anfang, den er gemacht hat, war klein, aber erfolgreich. Er hat für die hiesigen Mädchen, die sehr bedürftig sind und auch sehr früh heiraten, eine Industrie geschaffen, die schnell zu erlernen ist und die dann jede Frau im Hause beschäftigen kann. Diese Industrie ist mehr als die andern Industrien geeignet, sich zur Hausindustrie auszudehnen, weil ihr einziges Instrument eine einfache Nadel und Faden ist. Die Nadelspitze, die schon heute das Publikum erobert hat und sich einen Markt geschaffen hat, beschäftigt jetzt, nach einem Jahre ihrer Existenz, an hundert Mädchen, und wir hoffen, daß mit dem Wachsen des Marktes die Zahl der arbeitenden Mädchen sich vergrößern wird. In den beiden Ateliers des Verbandes in Jaffa und Jerusalem wird auch täglich hebräischer Unterricht erteilt, Turnen und Singen gepflegt. Das Hebräische wird so unterrichtet, daß die Kinder sprechen, schreiben, lesen und das Gelesene verstehen lernen. Außerdem spricht die Lehrerin mit den Kindern nur Hebräisch und sieht sehr darauf, daß auch außerhalb der Klasse Religionsstunde Hebräisch und nicht Arabisch oder Russisch gesprochen wird. Der Verband will ein Nähatelier errichten, in dem eine tüchtige Näherin feine und einfache Arbeit lehren wird. Wir werden eine Zuschneideabteilung gründen, in der eine geprüfte Zuschneiderin Unterricht erteilen wird. Und wir sind überzeugt, daß wir in einigen Jahren Kleider nähen werden, die die Konkurrenz des Auslandes aushalten werden. Eine Haushaltungsschule, in der Mädchen alles, was in die Wirtschaft gehört, vollkommen lernen sollen, liegt auch im Programme des Frauenverbandes. Wir werden die Mädchen lehren, daß auch die einfachste Arbeit mit Interesse und Liebe verrichtet werden muß, damit sie gut gemacht wird. Und sie werden die Arbeit sicherlich so tun, daß sie einsehen werden, daß keine Arbeit eine jüdische Tochter beschämt hat, sondern daß sie die Arbeit ehrt. Als Erweiterung unserer Haushaltungsschule will der Verband eine landwirtschaftliche Farm errichten. Es sollen nur Frauen in der Farm beschäftigt sein und siesollen Erdarbeiterinnen, Gärtnerinnen ♦ sein, Obst-, Gemüse- und Geflügelzucht treiben, Imkerinnen und Meierinnen werden. Alle Gebiete, auf denen die Frau segensreich tätig sein kann, will der Verband umfassen. Um den Mädel en Gelegenheit zu bieten, sich in der Haus- und Krankenpflege auszubilden und dieses Berufsgebiet für die palästinensischen Frauen zu erobern, unterhält der Verband eine geprüfte Krankenschwester im Hospital in Jaffa. Er bildet auch besonders fähige Mädchen zu diesem Berufe in Europa aus. Auch den einzeln stehenden Arbeitern, die heute Prof. Lazar Krestin, Jerusalem (Bezalel)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.