Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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;nöchten. Erziehung und Unterricht sollen beide vereint in dem Sinne wirken, die Jugend mit allen Fasern des Herzens und des Geistes an das heilige Land zu knöpfen; sie sollen ihr die innigen unauflösbaren Beziehungen der Scholle der Väter 2ur Eigenart ihres Volkes, seiner Gesetze, Literatur und Geschichte aufweisen, sie sollen sie in Erez Israel das angestammte Mutterland ehren lehren, das durch sie allein seine Bestimmung erhält, das aber auch ihr seine Verpflichtungen auferlegt. Der natürliche historische Standpunkt ist dabei auch der erzieherisch wirksamste. Die Jugend die ganze Entwicklung ihres /olkes im eignen Innern noch einmal selbst durchleben, den stolzen Bau d^r Thoragröße und des jüdischen Geistes- und Herzensadels in eigner Brust errichten lassen, ist das sicherste Mittel, die Faden /wischen Vergangenheit und Gegenwart fest zu schlingen und in adem Kinde die Ehrfurcht vor der stolzen Reihe seiner großen mit all dnn Störungen und Hindernissen, die in der Wesensart und der Entwicklung der menschlichen Natur begründet sind, endlich mit den Anforderungen und Rechten des Milieus, in welchem die fruchtbare Betätigung der durch die Erziehung erworbener geistiger und moralischer Qualitäten geschieht. Letztere sind es denn auch, die in hervorragender Weise die Gestaltung des Lehrplans bestimmt haben und die Auswahl der weltlichen Unterrichtsfächer geleitet haben. Es werden somit außer dem eingehenden Studium der mit unserer jüdischen Menschheitsaufgabe zusammenhängenden jüdischen Literatur noch folgende Unterrichtsfächer in einem den hiesigen Verhältnissen angemessenen Umfange betrieben: Arabisch, Französisch, Rechnen, Mathematik, Naturgeschichte, Geographie, Geschichte, Han delswissenschaften, Zeichnen, Turnen Singen. Der weitere Ausbau der Anstalt, die zurzeit außer dem Vorbereitungskursus sieben Jahresklassen enthält, wird die Ein¬ Vorfahren, an deren Ende es sich als spätem Enkel angeschlossen sieht, großzuziehen, um die Größe seiner Ahnen, — groß im Handeln, groß im Entsagen, groß in Taten, groß in Weisheit — selbst als Lebensaufgabe zu übernehmen mit dem Ziel, ihnen gleich zu werden, um das jüdische Pflichtenleben als Höchstes und Edelstes menschlicher Zielpunkte zu erkennen und mit Freude und Bereitwilligkeit sich der großen Aufgabe zu unterziehen, die ihm als Sprößling des großen jüdischen Volkes auf den Lebensweg mitgegeben ward. Dieses in allgemeinen Strichen das allgemeine Ziel unserer Erziehungsanstalt. Da die Verwirklichung dieses Zieles in der Welt der Realitäten angestrebt werden und nicht auf immer als schimärenhaftes schönes Idealbild den Bannkreis unserer Erde meiden soll, so haben wir bei der Veranstaltung unserer Erziehung zu rechnen mit all den Schwierigkeiten und Hemmungen, die in der Welt der Gegensätze feindlich unsern Bestrebungen gegenüberstehen, führung noch einiger anderer Lehrgegenstände erfordern, für welche auch der allgemeine Konzentrationspunkt durch die Beziehung zum allgemeinen jüdischen Ideale gegeben ist und für welche die Notwendigkeit aus dem praktischen Zweck unserer Erziehung folgt: ein bodenständiges, für seine jüdische Spezialaufgabe begeistertes Geschlecht auf dem ererbten Boden großzuziehen, das mit allen Kampfesmitteln ausgerüstet ist, sich seine materielle und geistige Existenz zu sichern und sich selbst in der Welt des allgemeinen. Fortschritt seinen seinen Sonderzielen entsprechenden Platz anzuweisen vermag und diesem der andersgearteten und andern Zielen nachjagenden Umgebung Sicherung und Achtung zu erringen imstande ist. Die obigen Bilder sollen einen . intimem Einblick in das Leben unserer Anstalt gewähren, deren größerer Ausdehnung zurzeit durch Platzmangel eine Grenze gesetzt ist und die daher die Erwerbung eines eignen Schulgebäudes als nächstes Ziel ihrer äußern Entwicklung sich setzen muß.