Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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1058 diex|ee LT No. 41 für das Beste halten darf, was Gott und Natur hervorgebracht haben, daß er auf dieser Höhe verweileil darf, ohne durch Selbstheit und Dünkel wieder ins Gemeine ge?ogen zu werden" (Goethe) nicht mehr lebendig webt und wirkt, wo Pietät rücksichtslos egoistischen Neigungen geopfert wird, dort fehlt „die Krone des moralichen Menschentums" (Carlyle), dort vermögen zeitliche Scheinherrlichkeit und vorübergehendes Kraftbewußtsein über ewige Prinzipien und nie verlöschende jüdische Heilshoffnurgen zu siegen, dort hütet man sich nicht, sein Ureigenstes und Höchstes, alte bewährte Glaubenssätze und sittliche Maßstäbe, mit kosmopolitischen, menschlicher Beschränkung angepaßten Ansichten zu trüben und zu zersetzen, die aus dem eigenen reichen Innenleben hervorsprudelnden Sitten und Symbole zu verlachen und durch blutleere beziehungslose Modeformen zu ersetzen. Dieser Gefahr der Selbslberaubung des individuellen Eigenwertes In Jaffa führte dieses Bestreben zur Übernahme und Reorganisation der Tachkemoni-Schule, die früher von einigen wackern Jaffaer Kaufleufert zu demselben Zwecke ins Leben gerufen worden war. Weit über den Rahmen anderer Schulen hinaus faßt daher die Tachkemoni-Schule ihre Aufgabe als mitwirkender Faktor bei der Gestaltung des ^Hnn au*- Als sozialer Bestandteil desselben will sie auf die Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse einwirken und das Milieu schaffen helfen, das ihre Erfolge nicht illusorisch macht, das nicht wieder einreißt, was sie mühsam aufgebaut hat. Sie fühlt sich daher vornehmlich als Erziehungsstätteim weitesten Umfange und gewährt innerhalb dieser universellen Aufgabe der eigentlichen Bildungsarbeit nur das Terrain einer besondern „pädagogischen Provinz". Freilich läßt sich für die nächste Gegenwart noch keine feststehende Praxis zur Erreichung dieser hohen Ziele angeben; freilich wäre es noch verfrüht, diese Gesamterziehung nach □ - - -Jjt'O.'j _ «.*-•£ •Jtnrtn. ■■ □ Tachkemoni vorzubeugen, die epidemische Ausbreitung etwa schon vorhandener Krankheitskeime zu verhindern, war das Motiv, das die gesetzestreuen Kreise Deutschlands, insbesondere die Leiter des „Misrachi" bestimmte, in die Entwicklung des neuen Jischub einzugreifen, mit den in Deutschland vielfach erprobten Mitteln das gefährdete Bollwerk alten wahren Judentums zu festigen und aus dem umgebenden Brand religiösen Abfalls und religiöser Verneinung zu retten. Zur Seite standen den deutschen Gesetzestreuen dabei die traurigen Erfahrungen aus ihrer eigenen lehrreichen Geschichte im verflossenen Jahrhundert, wo aus dem Ringen des alijüdischen Geistes mit den überwältigenden modernen Kulturformen ein kleines Häuflein fahnentreuer Gefolgsleute übrig geblieben war; zur treibenden Kraft ward ihnen der unzerstörbare Glaube an die Heiligkeit, Ewigkeit nnd Unverbrüchlichkeit ihrer, geoffenbarten Grundsätze und deren endliche sieghafte Allgewall Als wichtigstes Arbeitsfeld erkannten sie die Sicherung und Eroberung der Jugend, die, in eine Welt widerstreitender Meinungen hineingestellt, nicht die richtige Wahl allein zutreffen vermag, und die ja später Träger und Vollender des neuen Jischub-Gedankens werden soll. dem Plane eines idealen Systems jüdischer Pädagogik, — das, als unterste Stufe einer sozial-jüdischen Reformwissenschaft gedacht, eine ideale jüdische Gesellschaft voraussetzt, — zu regeln. Zunächst vollzieht sich das palästinensische Erziehungswerk noch unter anormalen Verhältnissen und muß sich darauf beschränken, von den gegebenen Verhältnissen aus allerlei nützliche Einzelwege ausfindig zu machen und die notwendige Flickarbeit zu leisten, um sich so selbst erst das Objekt zur Anwendung seiner allgemeinen hohen Gesichtspunkte zu schaffen. Als durchschlagendes Prinzip, das von Anbeginn der Arbeit nie außeracht gelassen werden darf, gilt die entschiedene Richtung der Erziehung auf Erez Israel. Die junge Generation für das wieder neu erworbene Land großzuziehen ist unsere Devise! Liebe und Begeisterung für die Stätten, die unsern sehnsuchtsvollen Augen so lange entschwunden waren, dem jugendlichen Gemüte einzupflanzen, gilt uns als vornehmlichste Pflicht! Die Freude an der Arbeit für dieses Land, die Lust am Schaffen für die heilige Erde, um sie wieder im alten verlorenen Glänze erstehen zu lassen, bilden die Grundtugenden, die wir unsern Schülern mit auf den Lebensweg geben