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Die Welt · 1910-10-17 · 41-42 (17.10.1910) · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
14 (1910)
Issue
41-42 (17.10.1910)
Date
1910-10-17
Page
– (sequence 61)
Language
German
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Mo. 41 DIE ELT 1057 var schon lange geplant, scheiterte aber bisher durch verschiedene mßere Umstände; erst in diesem Sommer kam er nach Oberwindung iller Hindernisse zustande. Es beteiligten sich dreißig Schüler und ±lf Schülerinnen unter Führung von sieben Lehrern. Wir fuhren nit dem Schiff nach Haifa, von da gingen wir zu Fuß nach Akka und zurück; dann von Haifa über Sedschera auf den Berg Tabor und iber Mescha und Jemma nach Kinereth; von da fuhren wir mit Einern Boot nach Tiberias und zurück; dann gingen wir zu Fuß lach Semech, fuhren sodann mit der Bahn zu den Thermen im iarmuktale; von da traten wir den Ruck weg mit der Bahn nach laifa und dann über Sichron Jakob mit Wagen nachJaffa an. Der Ausflug dauerte zehn Tage und kann als höchst gelungen bezeichnet verden; die Schüler kehrten durch das Gesehene innerlich bereichert md höchst befriedigt nach Jaffa zurück. Erwähnt sei, daß die Mädchen ich viel ausdauernder erwiesen als viele der Knaben; dies hat beviesen, daß sie auch an den Ausflügen ebenso wie am sonstigen .eben der Schule Anteil zu nehmen vermögen. In diesem Zusammenlang sei noch des Orchesters gedacht, das im Gymnasium geschaffen yurde und sich dank der Arbeit des Musiklehrers Herrn Kortschewsky n befriedigender Weise entwickelt; auf die Schüler wirkt es sehr *\it ein, weil es den ästhetischen Sinn und die Geselligkeit zugleich jnter ihnen fördert. Es beginnt auch im allgemeinen jüdischen .eben Jaffas einen bedeutenden Rang einzunehmen; wir erinnern in seine Rolle bei der Begrüßung des Chacham-Baschi.* Der Einfluß des Gymnasiums nach außen ist sehr bedeutend;!i Jaffa ist unsere Schule zu einem wichtigen wirtschaftlichen und Moralischen Faktor geworden; an den Veranstaltungen des Gymnasiums limmt ganz Jaffa regen Anteil. Ganz Palästina erblickt in unserer Schule eine der wichtigsten jüdischen Erziehungsanstalten des Landes, iinen hervorragenden lebendigen Beweis für die Wiedergeburt unseres /olkes in Erez-Jisroel. Und nicht nur, für Palästina bedeutet unser jymnasium etwas. Wenn auch seine Existenz vor allem den Söhnen lieses Landes zugute kommt —- die jüdischen Eltern, die ihren Kindern ine bessere Erziehung angedeihen lassen wollen, sind nicht mehr genötigt sie in Missionsschulen oder in ausländische Institute zu chicken — so übt es doch auf fast alle Länder der Diaspora eine eitgehende Wirkung in ideeller Hinsicht aus. Für die Juden der >iaspora, die ihrerf Kindern eine jüdische und allgemein menschliche Erziehung zugleich angedeihen lassen wollen, wird es zu der jüdischen Schule xax' sgoxVjv. Wie viele junge Leute in Galizien, Rußland ijid Rumänien bereiten sich nach dem Programm des Gymnasiums ir den Eintritt in unsere Schule vor; mag es auch nicht jedem ogönnt sein, sein Ziel zu erreichen und Schüler des Gymnasiums u werden, so wird er doch durch das bloße Streben, durch die Erlernung unserer nationalen Sprache mit unserm Volke innig verbunden. Das Gymnasium wird zu einem moralischen Faktor, der ahin wirkt, Kräfte, die sonst verloren gingen, zu sammeln und dem olke zu erhalten. Im Hofe des Gymnasiums Das Gymnasium hat sich die Aufgabe gesetzt, allgemeine Bildung, die Kulturwerte Europas mit jüdischem Wissen, mit der Kenntnis Jes eignen Volkes, seiner Geschichte, seiner reichen Kultur, seiner ieu aufblühenden Sprache zu vereinen; es will seine Schüler zu guten Juden und zu tüchtigen Menschen zugleich erziehen. Mögen tuch unserm Werke viele Mängel anhaften — man vergesse .nicht, * Die Begrüßung des Chacham-Baschi war ein Ereignis im Leben des Gymnasiums sowie im jüdischen Leben Jaffas überhaupt; wir beschlossen, den Repräsentanten der ottomanischen Judenheit offiziell zu begrüßen; der Chacham-Baschi flankte für unsere Begrüßung, besuchte nachher nach seiner Rückkehr aus Jerusalem vias Gymnasium, ging durch alle Klassen und prüfte die Schüler in einzelnen Klassen; er versprach uns, sich für die Entwicklung unserer jungen Schule sowie tler hebräischen Sprache einzusetzen daß man es mit einem Versuch zu tun hat — so dürfen wir doch heute schon mit freudiger Genugtuung auf das zurückblicken, was wir erreicht haben. Unser Streben geht dahin, den Mängeln nach besten Kräften abzuhelfen, unsere Schule weiter auszubauen und auszugestalten, sie nach jeder Richtung zu vervollkommnen. Wenn einst Palästina zum geistig-kulturellen Zentrum für die ganze Judenheit werden wird, werden auch wir, so dürfen wir hoffen, zu dieser Entwicklung ein Scherflein beigetragen haben. Neubau des hebräischen Gymnasiums im Jaffaer Viertel Tel Awiw Die Tachkemonischule in Jaffa Von Dr. Schlesinger, Jaffa Jaffa ist im Gegensatz zu Jerusalem die Stadt des £nnn 2W~ Die neue erwerbstätige jüdische Bevölkerung Palästinas, das Werk der Besiedlung und Bearbeitung der heiligen Erde durch ihre ursprünglichen Eigner, gruppiert sich großenteils um Jaffa, den einzigen Eingangshafen von Judäa. Jaffa ist fur den Jischub Hechadasch das großstädtische Zentrum, um das die jüdischen Kolonien in schönem Kranze gelagert sind, das durch sie eine Metropole des palästinensischen Ein- und Ausfuhrhandels geworden ist und ihnen den wohltuenden werktätigen Charakter zu verdanken hat. Jaffa ist daher auch am empfänglichsten gewesen für die Revolution der Anschauungen, welche die neue Schätzung der Arbeit gegenüber alten überkommenen Traditionen des werklosen Gottesdienstes durch rmajn mm au* au<en Gebieten des hiesigen gesellschaftlichen Lebens bedeutete. Jaffa, aus der festen Bahn bisher treu gehüteter Werturteile und scharf vorgezeichneter Lebensformen herausgedrängt, reagierte am lebhaftesten auf die mannigfachen, noch unabgeschlossenen Versuche zur neuen Gestaltung und innern Konsolidierung der neuen sozialen Verhältnisse, welche der Bruch mit dem Alten und die Verfolgung neuer Wege geschaffen hatten. Alter jüdischer Lebensart teilweise innerlich entfremdet, suchte es manchmal seine eigene Leerheit durch kritiklose Übernahme neuproklamierter, größtenteils von andern Anschauungskreisen erborgten, jüdischen Ideale auszufüllen und griff ohne Arg nach jedem Schemen wahrer oder unwahrer neu jüdischer Werte. Aus seiner langen Abgeschiedenheit plötzlich an das Licht der Weltkultur gezogen, konnte es geblendet werden von dem Glänze der siegreichen; alles nivellierenden europäischen Kultur, und, der stärkenden Achtung vor der Größe und Tiefe seiner eignen Geistes- und Gefühlswelt beraubt, mußte es anbetend und vergötternd dem Neuen sich mit Leib und Seele verschreiben und zeitlich bedingte Ideale gegen seine zeitlosen, sittlich gebietenden und zur Höhe zielenden Werte eintauschen. Denn wo die lSlrfürcht vor sich selbst, der Kern des sittlichen und religiösen Lebens zerstört ist, wo die Überzeugung, daß der Mensch „zum Höchsten gelangt, was zu erreichen ist, daß er sich selbst

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