Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 14 (1910)
- Issue
- 41-42 (17.10.1910)
- Date
- 1910-10-17
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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1056 ELT No. 41 in Palästina die kommerzielle Laufbahn einzuschlagen. Abgesehen von der hebräischen Sprache und den jüdischen Lehrfächern erhielten die Schüler Unterricht in den allgemeinen Lehrgegenständen, wie Mathematik, Naturkunde, allgemeine und kommerzielle Geographie" usw.; von Sprachen wurden Französisch, Deutsch, Arabisch und Türkisch, die für das kommerzielle Leben im Lande von Bedeutung sind, unterrichtet. Mit dem sechsten Jahrgang, der in diesem Jahr eröffnet wird, beginnen wir den oberen Teil unseres Programms. Dieser obere Kurs gliedert sich in eine humanistische und realistische Richtung, erstere entspricht in ihrem Programm dem europäischen Gymnasium, letztere der Realschule, nur ist überdies bei der Ausarbeitung des Lehrplans auf die speziellen Verhältnisse und Bedürfnisse des Landes Rücksicht genommen. Durch Beendigung einer dieser beiden Abteilungen soll den Schülern der Zugang zur Universität oder zum Polytechnikum ermöglicht werden. (Nebenbei sei erwähnt, daß ein Teil der Schüler beabsichtigt, nach Beendigung seiner Gymnasialstudien in die Konstantinopeler Militärakademie einzutreten, um nach drei Jahren mit der Offiziercharge ausgestattet aktiven Heeresdienst zu leisten). Die Hindernisse, die ein jeder unserer Lehrer bei seiner Arbeit vorfindet, sind nicht zu unterschätzen. Da ist vor allem die Verschiedenheit der Typen der Schüler zu erwähnen. Weiter die Verschiedenheit ihrer Erziehung, was einem einheitlichen Unterricht hinderlich im Wege steht. Die größte Schwierigkeit aber bereitet der Mangel an geeigneten Lehrbüchern in hebräischer Sprache. Das Budget des Gymnasiums wurde in diesem Jahre entlaste! durch die bedeutenden Spenden der Herren Ephraim söhn (500 Pfund) und Emil Moser (25 Pfund), beide vermittelt durch die Bemühung unseres Freundes Herrn Jakob Moser. Dieses Geld wird zum größten Teil für die Einrichtung eines physikalischchemischen Kabinetts verwendet; wir bestellten Lehrmittel für Physik und Chemie im Betrag von 10000 Fr.; die restlichen 3000 Fr. dienen zum Ankauf von Möbeln für das physikalische Kabinett, die Aula, den Zeichensaal und die neu eröffnete sechste Klasse. Trotz diesen Spenden werden sich die Ausgaben in diesem Jahr noch auf etwa 40000 Fr. belaufen; von dieser Summe glauben wir etwa 25000 Fr. als Schulgeld hereinzubekommen; 5000 Fr. erhalten wir vom Odessaer Komitee, das auch für das ganze Budget verantwortlich ist; 3000 Fr. ungefähr betragen die Zinsen unseres Fonds; den Rest, weitere 7000 Fr., aufzubringen, hat der Aufsichtsrat des Gymnasiums übernommen. Nach Angabe dieser Tatsachen und Daten gehen wir nunmehr dazu über, einiges von dem innern Leben der Schule zu erzählen, um auf diese Weise ein wenig den Geist anschaulich zu machen, der die Schule und jeden ihrer Angehörigen erfüllt. Um in den Schülern das Bewußtsein ihrer engen Zusammengehörigkeit zu stärken, sie untereinander zu verbinden und zu verbrüdern, mehr als es in den Stunden gemeinsamer Arbeit möglich ist, veranstaltete das Gymnasium auch im vergangenen Jahre Unterhaltungsabende für die Schüler, Feste und Ausflüge. Die Unterc^i^-^wl Das Hebräische Gymnasium in Jaffa Entwurf: J. Barsky (Bezalel) Diesem Mangel kann erst nach und nach abgeholfen werden. Jeder Lehrer des Gymnasiums ist verpflichtet, den Lehrstoff seines Gebietes dem pädagogischen Rat vorzulegen; dieser Stoff wird gesammelt, um später als Material für die Abfassung eines Lehrbuches zu dienen. Das erste Buch, das auf diese Weise entstanden ist, ist bereits im Druck; es ist das Arithmetikbuch des Dr. Rosen st ein. (Für den Druck von Lehrbüchern besteht ein Fonds von 5000 Fr. [Spende des Herrn Jakob Schiff.] Den gleichen Betrag hat Herr Zeitlin aus Moskau in Aussicht gestellt.) Im letzten Jahre hatte das Gymnasium auch unter einem Mangel an Lehrern zu leiden, besonders in den Unterrichtsgegenständen Französisch und Türkisch. Jetzt ist diesem Mangel durch neue Kräfte nach Möglichkeit abgeholfen. Als Französisch-Lehrer haben wir die Herren Moschensohn aus Genf und Dr. öreher aus Wien engagiert, von denen der letztere bereits als Lehrer an einer Wiener Realschule tätig war; den Lateinunterricht in der neueröffneten sechsten Klasse hat Herr Dr. Kellner aus Prag übernommen, dem auch der Deutschunterricht am Gymnasium übertragen wurde; als Hebräisch-Lehrer endlich wurde de r Schriftsteller Kabak aufgenommen. Das Gymnasium zählt derzeit 17 Lehrer gegenüber 13 im Vorjahre. Die Leitung des Gymnasiums kommt dem Aufsichtsrat und dem pädagogischen Rat zu. Ersterer wird in der Generalversammlung des Vereins Gymnasiah Ibrith gewählt (Mitglied dieses Vereins ist, wer dem Fonds des Gymnasiums 250 Fr. zuwendet) und hat die Leitung der äußern Angelegenheiten und die Geldgebahrung unter sich. Zum Präsidenten des Aufsichtsrats wurde für dieses Jahr Herr M. Schein kin gewählt. Die innere Führung der Schule gehört dem pädagogischen Rat, dem alle Lehrer des Gymnasiums angehören. Die Exekutive kam bisher einer viergliedrigen Direktion zu, bestehend aus den Herren Dr. Bogratschoff, Dr. Metmann, Dr. Mossinsohn und Scheinkin; in diesem Jahr hat die Generalversammlung prinzipiell beschlossen, daß nur ein Doktor gewählt werde. Zum Direktor für dieses Jahr wurde Herr Dr. Chaim Bogratschoff gewählt. hältungsabende waren doppelter Art: es gab solche in französischer und arabischer Sprache, damit die Kinder sich an den Gebrauch der Sprachen gewöhnen; der überwiegende Teil dieser Abende wurde natürlich in hebräischer Sprache veranstaltet; die Schüler deklamierten, sangen und führten Theaterstücke auf; man konnte da sehen, wie sehr unsere Sprache im Munde und im Herzen der Schüler lebendig ist. Feste wurden vom Gymnasium veranstaltet zu Chanukah im Haus, am 15. Schwat mit allen Schulen Jaffas gemeinsam im Freien auf dem Platz von Tel-Awiw; ferner feierten wir im Verein mit den andern Schulen den 50. Geburtstag Dr. Theodor Herzls und das Andenken des verstorbenen Schriftstellers M. L. Lilienblum. Besonderen Wert legten wir auch in diesem Jahre auf die Ausflüge. Abgesehen von dem Unterrichtswert der Ausflüge wird den Schülern durch sie eine lebendige Kenntnis des Landes und seiner Schönheiten vermittelt; die Geschichte des Volkes wird durch den Anblick des Schauplatzes seiner Taten den Schülern anschaulicher und kommt dadurch ihrem Herzen näher; die Schüler werden in inniger Weise mit unserm Lande verbunden, die Liebe zu ihm wird in ihnen geweckt und gestärkt. — In diesem Jahre wurden folgende Ausflüge veranstaltet: 1. Chanukahausflug nach Modaim, dieser Ausflug ist im Gymnasium bereits traditionell geworden. 2. Zweitägiger Ausflug nach Artuf; die Schüler gingen zu Fuß durch Rischon, Wadi, Chanin, Rechoboth, Ekron und Chulda bis Artuf; von da kehrten sie mit der Bahn zurück. (In Artuf besitzt das Gymnasium 50 Dunam Land, gespendet von Herrn J. L. Goldberg zur Schaffung einer Sommerfrische für Lehrer und Schüler.). 3. Ausflug zur Weinlese nach Rischon le Zion am 20. Tammus, dem Jahrzeitstag Herzls; der pädagogische Rat hat es für nötig erachtet, den Schülern die Weinlese im Lande zu zeigen, und wählte dazu den Todestag Herzls, der bereits aufhört, ein Trauertag im engeren Sinne zu sein und zu einem nationalen Gedenktag geworden ist; wir glaubten die Erinnerung an den Helden der Wiedergeburt nicht würdiger feiern zu können, als indem wir den Schülern die Wiedergeburt des Landes zeigten. 4. Ausflug nach Galiläa. Der Ausflug